Waldmohr
Ärzte-Ehepaar Müller: Beide Nachfolger aus der Familie
Den Satz „Ihr Vadda hat mer domols es Lewe gerett“ habe Richard Müller im vergangenen Jahr häufiger gehört. Seit einem Jahr unterstützt der 32-jährige Arzt seinen Vater Werner Müller in dessen Praxis in der Weiherstraße. Nach Zwischenstationen in mehreren Kliniken, unter anderem in Merzig, entschied sich Richard Müller zu einem Wechsel in den hausärztlichen Bereich. „Ich möchte die Zeit nicht missen. Dort habe ich das breite Spektrum der Inneren Medizin kennengelernt, viel selbst behandelt.“ Nachteile der Klinikarbeit: lange Arbeitszeiten, hoher Zeitdruck, und der Kontakt zu den Patienten sei nicht so intensiv. „Hier in der Praxis kennt man das Umfeld der Patienten und ist nicht nur der weiße Kittel, der von Patient zu Patient geht“, betont der 32-Jährige.
Richard Müller wird die Praxis seines Vaters übernehmen. Auf den Vater folgt also der Sohn. „Geplant ist, dass ich mich Ende 2022 zurückziehe“, sagt Werner Müller, der als Facharzt rund 35.000 Röntgenuntersuchungen der Lunge, des Magen-Darm-Traktes, der Wirbelsäule und Gelenke sowie mehr als 12.000 Magen- und Darmspiegelungen durchgeführt hat. Der Zeitpunkt scheint gut gewählt, um den weißen Kittel an den Nagel zu hängen: Werner Müller ist dann 75, hat 40 Jahre Praxistätigkeit hinter sich, und sein Sohn hat noch Zeit, sich einzuarbeiten und die Patienten besser kennenzulernen. „Irgendwann muss man loslassen. Mal sehen, ob das auch klappt“, sagt der 73-Jährige, der in Waldmohr aufgewachsen ist, augenzwinkernd. Die Arbeit, der Kontakt mit den Patienten bereite ihm noch immer sehr viel Freude, „die Bürokratie meist weniger“.
Noch viel Spaß am Beruf
Im selben Gebäude in der Weiherstraße praktiziert auch Müllers Frau Monika Weber-Müller. Die 68-Jährige führt dort eine Praxis für Dermatologie, in einem weiteren Stockwerk sind Praxisräume für kosmetische und ästhetische Dermatologie untergebracht. Im Gegensatz zu ihrem Mann denkt die 68-Jährige noch nicht ans Aufhören. „Das steht noch nicht fest.“ Sorgen um ihre Nachfolge muss sich die 68-Jährige aber ebenfalls nicht machen. Auf die Mutter folgt die Tochter.
Die Weichen in Richtung Zukunft wurden in der dermatologischen Praxis bereits im Dezember 2017 gestellt. Damals stieg die heute 36-jährige Charlotte Müller mit in die Praxis ein. Wie ihr jüngerer Bruder sammelte sie zuvor in mehreren Kliniken Erfahrung; unter anderem absolvierte sie ihre Facharztausbildung in der Asklepios Nordseeklinik auf Sylt. Dort war viele Jahre der aus Waldmohr stammende Norbert Buhles als Chefarzt tätig. Auch die 36-Jährige schätzt, dass sie Patienten nicht nur kurz im Krankenhaus, sondern in der Praxis meist viel länger begleiten und behandeln kann.
Gute Zusammenarbeit
Schon früh seien beide mit dem Beruf ihrer Eltern in Kontakt gekommen, „bei den Gesprächen nach der Schule am Esstisch beispielsweise“, sagt Richard Müller. Einen dezenten Hinweis oder gar Druck in die Fußstapfen der Eltern zu treten, habe es aber nie gegeben. „Der Bezug war vorhanden, aber das war eine freie Entscheidung“, schildern die 36- und der 32-Jährige, die beide derzeit auch im Kuseler Impfzentrum aushelfen. Natürlich habe es große Vorteile, in die Praxis der Eltern einzusteigen: Das finanzielle Risiko ist geringer, da viele Geräte bereits vorhanden seien. Beide Praxen haben langjährige Patienten, die nun auch die jungen Ärzte kennenlernen können.
Und wie klappt die Zusammenarbeit mit den Eltern? Professionell und reibungslos, betonen alle Familienmitglieder. „Jeder betreut seinen Patientenstamm, führt seine Behandlungen durch, hilft aber auch mal aus, wenn das notwendig ist. Oft bleibt gar nicht die Zeit, um sich lange zu unterhalten“, sagt die 36-Jährige, die wie ihr Bruder Richard in Blieskastel lebt. Dennoch gebe es hin und wieder Tipps, beispielsweise zur Praxisführung. „Positiv ist auch, dass man in schwierigen Fällen schnell eine weitere Meinung hat“, betont Charlotte Müller.
Die Familienzeit, die in der Praxis meist fehlt, hole man häufiger bei gemeinsamen Essen nach. Thema am Esstisch sei dann nicht zwangsläufig Medizin – auch wenn sich die Familie, wie wohl jede andere auch, derzeit häufiger über Corona unterhalte –, sondern auch über Fußball. Die Favoriten von Vater Werner: Borussia Dortmund, der FC Liverpool und der Drittligist aus Kaiserslautern, „der FC Bayern hat bei mir einen schweren Stand“. Obgleich sich Mutter und Tochter nicht allzu sehr für Fußball interessierten, „kenne ich mich mittlerweile ganz gut aus – zwangsläufig“, sagt Charlotte Müller und lacht. Zu den Familientreffen kommt auch Johanna Müller, das dritte Kind des Ärztepaares. Sie ist ebenfalls als Ärztin tätig, als Zahnärztin in St. Wendel.