Kusel
Zur Sache: Die Kriminalität in der Asylbewerber-Unterkunft

Die Zahl der Straftaten in Zusammenhang mit der Afa sind gestiegen. Schuld ist in vielen Fällen die Situation der Flüchtlinge, die dort sehr beengt und ohne Bleibeperspektive leben.
Obwohl immer weniger Flüchtlinge der Unterkunft auf dem Windhof zugewiesen werden, sind die Verhältnisse dort beengt. Die Belegungszahl ist signifikant gestiegen, von 282 im Jahresmittel 2017 auf 367 in 2018. Dazu komme eine durchschnittliche Verweildauer von viereinhalb Monaten. Anfangs waren es drei Monate. Bei 80 Prozent der Bewohner sei das Asylgesuch abgelehnt, sie seien perspektivlos.
Polizei: Nicht besorgniserregend
Auf all dies führt Wolfgang Scheid, Leiter der Ende 2015 eingesetzten Ermittlungsgruppe Migration (EGM), die gestiegene Anzahl von Straftaten, vor allem jener mit Gewalt, zurück. 139 Rohheitsdelikte, Raub und Körperverletzung, listet die Statistik – gegenüber 76 in 2017. Allerdings betont Scheid: „Die Kriminalitätsrate da oben ist nicht beängstigend oder besorgniserregend.“
Die EGM ermittelte in 104 Fällen von Körperverletzung (gegenüber 59 in 2017) und in 34 Fällen von schwerer Körperverletzung (gegenüber 17 in 2017), also jeweils etwa eine Verdopplung. Zu einem großen Teil fänden die Streitigkeiten in der Afa selbst statt, überwiegend streiten Flüchtlinge untereinander. Schwer ist Körperverletzung etwa dann, wenn ein Messer im Spiel ist – was dann aber meist nur eines zum Brötchenschmieren sei, erklärt Scheid.
Verstöße gegen Asylrecht werden immer aufgeklärt
Die beengte Situation – „Großfamilien leben in den kleinen Zimmern“ – führe auch zu mehr Gewalt in engen sozialen Beziehungen: 19 in 2018 gegenüber drei in 2017. Acht Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (gegenüber zwei im Vorjahr) wurden angezeigt: darunter eine Vergewaltigung in der Ehe, eine exhibitionistische Handlung, einmal soll einem Mädchen an den Po gefasst worden sein.
„Insgesamt sind die Straftaten ohne Asylbezug stetig gestiegen, von 147 in 2016 auf 198 in 2017 und nun auf 308 in 2018“, erklärt er. „Fast die Hälfte davon finden in der Afa selbst statt.“ Die Aufklärungsquote liegt bei den meisten Delikten bei über 90 Prozent. Zu 100 Prozent sind, so liegt es in der Natur der Sache, jene 666 Fälle mit Bezug zum Asylverfahren aufgeklärt. Dazu gehört vor allem illegale Einreise, da laut Dublin-II-Vertrag der Asylantrag in jenem europäischen Land zu stellen ist, in das als erstes eingereist wird.