Kusel Zur Überwachung verpflichtet

Folie liegt über dem Hausmüll auf dem Bauabschnitt I der Deponie auf dem Schneeweiderhof. Er setzt sich noch und wird in etwa ze
Folie liegt über dem Hausmüll auf dem Bauabschnitt I der Deponie auf dem Schneeweiderhof. Er setzt sich noch und wird in etwa zehn Jahren rekultiviert, also mit unbelasteter Erde bedeckt werden.

Müll produziert die Menschheit zwar schon immer, aber erst im vergangenen Jahrhundert wurde die Menge und Art so groß und schwierig zu handhaben, dass Gruben am Ortsrand nicht mehr ausreichten. Ab den 1950er und 1960er Jahren wurden zentrale Müllabfuhren sowie -deponien eingerichtet.

Die Deponie auf dem Schneeweiderhof ist schon die zweite im Kreis Kusel, die für Haus- und Sperrmüll, abgedichtet nach Deponieklasse II, eingerichtet worden ist. Sie ist im Jahr 1992 in Betrieb gegangen, nachdem die Hausmülldeponie Lauterecken voll verfüllt war, wie es in der Fachsprache heißt. Die Deponieleitung hat seit 2012 Umwelttechniker Thomas Weber, der seit 1996 auf dem Schneeweiderhof arbeitet. Er ist auch zuständig für die beiden inzwischen geschlossenen Entsorgungseinrichtungen: die Bauschuttdeponie Waldmohr und die Kreismülldeponie Lauterecken. Die ehemalige Deponie im Steinbruchkessel bei Lauterecken mit der auffälligen, 14 Meter hohen Gabionenwand hat bereits ihre zehnjährige Stilllegungsphase unter Folien hinter sich. Sie wurde saniert, mit Erde abgedeckt und im Jahr 2006 von der SGD (Struktur- und Genehmigungsdirektion) Süd in die sogenannte endgültige Stilllegung entlassen. Dennoch, erklärt Weber, sei der Kreis 30 Jahre zur Nachsorge verpflichtet, müsse beispielsweise die Sickerwasserwerte kontrollieren. Die seien allerdings unauffällig und bereits seit 2013 wird das Drainagewasser in die öffentliche Kanalisation geleitet. Auch die ehemalige Bauschuttdeponie in Waldmohr zeige sich unauffällig, so Weber. Der Landkreis kümmert sich nach Vertragsvereinbarung mit der zuständigen Verbandsgemeinde um die 1998 geschlossene Deponie. In Eigenleistung wurde sie saniert, 1,50 Meter hoch mit Erde abgedeckt. „Eine Oberflächenabdichtung mit Folie war dort nicht notwendig“, erklärt Weber. Da die Deponie stabil sei und keine Gefahr bestehe, habe er bei der SGD bereits im vergangenen Jahr einen Antrag auf Entlassung aus der eigentlich 30-jährigen Nachsorge gestellt. Bisher gibt es dazu keine Antwort. Wie auf der Deponie in Lauterecken ist bis ins aktuelle Jahrhundert auf dem Schneeweiderhof der Hausmüll direkt aus den Mülltransportfahrzeugen auf den Deponieberg geschüttet worden. Das hat gestunken, wurde auch mal rutschig, aus Umsetzungsprozessen im Hausmüll entsteht Gas, Sickerwasser – „das sieht aus wie Gülle, da ist vieles drin von Schwermetallen bis zu Ammonium, Nitrit, Nitrat“ – wird durch Drainagen geleitet und aufgefangen. Laut Abfallwirtschaftskreislaufgesetz muss allerdings seit 2005 Hausmüll mechanisch-biologisch vorbehandelt und kompostiert werden, bis kein Gas mehr entweicht, oder verbrannt werden. Nachdem der Kuseler Müll zuerst zur ZAK (Zentrale Abfallwirtschaft Kaiserslautern) zur mechanisch-biologischen Behandlung gefahren wurde, wird er seit 2006 verbrannt, die Schlacken auf dem Schneewiederhof deponiert. So war allerdings die Größenplanung für die in drei Abschnitten insgesamt 770.000 Kubikmeter fassende Deponie dahin. Also wurden Materialen akquiriert, die abgelagert werden dürfen, kein Gas bilden: belastete Böden, kohle- und teerhaltiger Straßenaushub, Aushub aus Gleisbetten. Und um das alles zu einem festen Berg zu vereinen: Flugasche aus der Abgasreinigung bei Verbrennungen, die mit Wasser gemischt zu einer schnell trocknenden Masse wird. „Das funktioniert richtig gut“, ist Weber überzeugt. Doch diese Art der Deponierung ist es jetzt vorbei, wie Weber erklärt. Der Bauabschnitt II, der mittlerweile im dritten und letzten Feld befüllt wird, soll möglichst lange offen gehalten werden, hat der Kreistag beschlossen. Nur noch 10.000 Tonnen, statt wie beispielsweise 69.000 Tonnen in 2017, sollen in den kommenden Jahren deponiert werden, hauptsächlich die Schlacken des verbrannten Hausmülls. Dann wird Weber wieder eine andere Mischung finden müssen, um bis 2024 – so die Planung – den Deponieberg möglichst stabil anzulegen. Erst dann soll der Bauabschnitt III zur Nutzung geöffnet werden. Nebenan ruht der Bauabschnitt I schon unter Folie, das letzte Stück wurde im vergangenen Jahr abgedeckt. Das unbelastete Material, das in etwa zehn Jahren aufgetragen werden soll, liegt auch schon unterhalb bereit.

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