Kusel Zu Besuch nach dem Brand im Seniorenheim Lauterecken

Hedwig Kraus (rechts), die aus Nußbach stammt, zeigt der Leiterin der Seniorenresidenz Felkebad, Marietta Heiler-Eckes, ein alte
Hedwig Kraus (rechts), die aus Nußbach stammt, zeigt der Leiterin der Seniorenresidenz Felkebad, Marietta Heiler-Eckes, ein altes Familienfoto.

Lauterecken/Bad Sobernheim. Auf ihrer Internetseite kommt die Pro Seniore Residenz in Lauterecken daher, als ob nichts passiert wäre. Doch nach dem verheerenden Brand Anfang Juni ist das Haus inzwischen fast leergeräumt, die Bewohner sind in weitere Häuser des Betreibers verlegt worden. Die RHEINPFALZ hat einige von ihnen in Bad Sobernheim besucht.

„Uns geht es gut hier“, verkündet Hedwig Kraus gut gelaunt im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Die 86-Jährige, die zuvor vier Jahre im Betreuten Wohnen im Lauterecker Seniorenheim gelebt hat, gewöhnte sich rasch an ihre neuen vier Wände. Von den 132 Bewohnern aus Lauterecken seien insgesamt 29 in die Seniorenresidenz Felkebad nach Bad Sobernheim umgezogen, schildert deren Leiterin, Marietta Heiler-Eckes. Davon belegen 20 Personen Plätze im Betreuten Wohnen, neun sind im Pflegebereich untergekommen. Damit verfüge das Haus in Bad Sobernheim über eine größere Lauterecker „Kolonie“, wie Pressesprecher Peter Müller illustriert. Im Landkreis Kusel seien keine Bewohner untergebracht. Das liege daran, dass Pro Seniore im Landkreis nur das Haus in Lauterecken betreibt. Weitere Senioren seien unter anderem in Kirchenbollenbach bei Idar-Oberstein untergekommen, erläutert Müller.

Mitarbeiter kommen per Bus

Die Seniorenresidenz Felkebad gibt es seit rund zehn Jahren. Von der Küchenhilfe bis zur Pflegedienstleitung sind 90 Mitarbeiter dort beschäftigt. Neun Personen aus dem Lauterecker Team sind derzeit in Bad Sobernheim tätig. Wenn es der Dienstplan zulässt, kümmern sie sich schwerpunktmäßig um „ihre“ Senioren aus Lauterecken. Die Mitarbeiter aus der Veldenzstadt werden mit einen Bus von Lauterecken nach Bad Sobernheim und zurück gefahren. Dabei gilt: „Fahrtzeit ist Arbeitszeit“, wie die Leiterin erläutert. Insgesamt werden im Haus Felkebad 108 Betten sowie weitere 69 Plätze für Betreutes Wohnen vorgehalten. Viele Neuzugänge konnten in der Seniorenresidenz untergebracht werden, weil zuvor mehrere Doppelzimmer als Einzelzimmer genutzt worden waren. Zudem habe es einige leerstehende Appartements gegeben, berichtet Heiler-Eckes. Gravierende Unterschiede zwischen den beiden Häusern gebe es nicht. Für einige Angehörige liege Bad Sobernheim sogar günstiger, sagt die Leiterin. Andere hingegen hätten nun weitere Wege zu absolvieren, wenn sie ihre Angehörigen besuchen wollen.

Erste reife Tomate für die Heimleiterin

Genau einen Monat ist es jetzt her, dass der Brand in Lauterecken ausbrach (wir berichteten mehrfach). Eine solche Situation hat die Leiterin zuvor noch nicht erlebt. Die Betreuung und der Umzug der Bewohner seien eine logistische Herausforderung gewesen, schildert Heiler-Eckes. „Aber es lief reibungslos. Jeder war abends untergekommen“, lobt sie die Zusammenarbeit aller Helfer sowie die spontane Hilfsbereitschaft der Nachbarschaft. Kurz darauf kamen auch Möbel und persönliche Habseligkeiten der Bewohner nach. Bei Hedwig Kraus unter anderem ihr Tomatenstock. Stolz zeigt sie die ersten, noch grünen Früchtchen auf dem Balkon und verspricht der Heimleiterin: „Die erste reife Tomate bekommen Sie!“ „Die Menschen sind hier gut angekommen“, betont Heiler-Eckes und fügt hinzu: „Sie sind hier zuhause. Das gibt Sicherheit.“ Dass jemand über den Umzug traurig sei, habe sie nicht erlebt. Im Gegenteil, einige hätten in der Kurstadt sogar neue Freunde gefunden – und sei es auch „nur“ in Therapiehund Damon oder den Nandus im Außengehege. Residenzberaterin Liane Schär aus St. Julian hat ihren Arbeitsplatz aktuell im Lauterecker Turnerheim. Von dort aus kümmert sie sich unter anderem um Anfragen von Angehörigen, hat bisweilen auch mit kleineren Beschädigungen nach dem Umzug der Möbel zu tun. Insgesamt sei das Feedback positiv, registriert Schär. Nur wenige Bewohner aus Lauterecken hätten ihre Behelfsunterkunft tauschen wollen – in Bad Sobernheim nach Angaben von Heiler-Eckes keiner. Das Mitarbeiterteam sowie die Bewohner kämen gut mit der Situation klar, zeigt sich die Leiterin entspannt. Mitunter seien logistische Herausforderungen, etwa in Bezug auf Dienstpläne oder Bustransfers, zu meistern.

Bewohnerin: Nachbarn kümmern sich herzlich

Dass das Personal die Lage im Griff hat, spüren auch die Bewohner: „Wir sind hier sehr herzlich aufgenommen worden“, berichtet Hedwig Kraus. Die gelernte Weberin, die aus Nußbach stammt und unter anderem auf der Lampertsmühle bei Kaiserslautern gearbeitet hat, erinnert sich lebhaft an den Augenblick vor vier Wochen, als sie die Rauchwolken sah: „In dem Moment will man nur noch raus und dem Ganzen entrinnen“, sagt sie. Die Nachbarn in der Schillerstraße hätten sich alle sehr herzlich um die Hausbewohner gekümmert. Bewohner Manfred Neu war gerade in Lauterecken unterwegs, als das Feuer ausbrach. „Als ich zurückkam, durfte ich nicht mehr rein“, berichtet der 60-Jährige aus Aschbach, der jetzt ebenfalls in der Lauterecker „Kolonie“ in Bad Sobernheim untergebracht ist. „Hier in der Kurstadt lassen wir uns jetzt verwöhnen“, sagt Kraus. In ihrem neuen Zimmer mit Aussicht ins Grüne hat sie sogar etwas mehr Platz als zuvor in Lauterecken. Auch wenn es den Bewohnern in Bad Sobernheim gefällt – das Interesse, wie es mit dem Seniorenheim in Lauterecken weitergeht, ist spürbar. Wann jedoch Dachaufbau und Innenrenovierung eine Rückkehr erlauben, ist bisher noch unklar. „Wenn es dieses Jahr nicht klappt, dann feiern wir Weihnachten eben in Bad Sobernheim“, zeigt sich Hedwig Kraus gelassen.

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