Kusel Wildkatze: Scheuer Jäger und eifriger Wanderer

Nur wenige Menschen bekommen die Wildkatze zu sehen. Doch in der Nähe des Truppenübungsplatzes Baumholder und in ruhig gelegenen
Nur wenige Menschen bekommen die Wildkatze zu sehen. Doch in der Nähe des Truppenübungsplatzes Baumholder und in ruhig gelegenen Jagdrevieren wurde sie bereits gesichtet.

In Rheinland-Pfalz sollen noch fast 3000 Wildkatzen leben. Kreisjagdmeister Bernd Klinck hat sie in seinem Jagdrevier häufig gesehen.

Die europäische Wildkatze besitzt in etwa die Größe einer Hauskatze, stellt aber eine genetisch unterschiedene Art dar, obwohl sie vom Laien leicht mit einer grau getigerten Hauskatze verwechselt werden kann. Im Gegensatz zu dieser besitzt sie eine etwas verwaschene Fellfarbe, einen buschigen Schwanz mit dunklen Ringen und wirkt auch etwas gedrungener. Vor allem ist sie sehr scheu und meidet menschliche Behausungen und Kontakte, weshalb Erhebungen über die Stärke ihrer Population sehr schwierig sind. Das Tier hält sich vornehmlich im Wald auf und zieht sich dorthin zurück, jagt aber häufig an Waldrändern, auf angrenzenden, extensiv genutzten Wiesen und Feldern sowie sonnigen Felsformationen, wo immer es Mäuse, seine Hauptnahrung, aufspüren kann. Im 19. Jahrhundert ist die Wildkatze, die als heimtückisch und gefährlich galt, in Europa fast ausgerottet worden. Dies ist nun Geschichte, denn das selten gewordene Tier genießt jetzt ganzjährig Schutz. Aber unverminderter Landschaftsverbrauch durch Siedlungen, Industrie und Straßenbau, besonders Autobahnbau, und große, intensiv mit Pestiziden behandelte Agrarflächen haben ihre Lebensräume zerschnitten, ihre Wanderwege unterbunden und ihre Anzahl sinken lassen.

Naturschutz seit den 90ern

Für ganz Deutschland schätzt man 5000 und davon allein für Rheinland-Pfalz 3000 Exemplare. Ab den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts haben die Naturschutzverbände und mit ihnen Politik, Verwaltung sowie Forst- und Jagdbehörden die Gefahr für die Wildkatze erkannt und mit Forschungsaufträgen, Unterstützung von Pilotprojekten und konkreten Maßnahmen gegenzusteuern versucht. 2009 wurde ein Aktionsplan zum Schutz der europäischen Wildkatze aufgestellt, durch den bis 2019 der Lebensraum der Wildkatze durch Verbesserung des Biotops Wald verdoppelt werden soll. Ziel ist ein naturnaher Wald mit liegendem und stehendem Totholz, mit Baumhöhlen, belassenen Baumtellern, natürlichen Verjüngungsflächen und Unterholz, wodurch Unterschlupf für die Wildkatze und ihre Jungen geschaffen wird. Die Kuseler Forstamtsleiterin Gabi Klein-Hempel weist darauf hin, dass in ihrem Bereich auf die natürlichen Belange Rücksicht genommen werde. Die Teilnahme an dem „Bat-Programm“ des Landes zur Förderung von Biotophölzern, Althölzern und Tothölzern führe zu einer Biotopverbesserung, was nicht nur für Pflanzen und Tiere, sondern durch die Bodenverbesserung auch für den Forst von Vorteil sei. Hinzu kämen die Herausnahme von Waldbereichen aus der Bewirtschaftung durch Ausgleichsmaßnahmen und die Einrichtung von sich selbst überlassenen Waldrefugien. Im Einzelfall wird auch auf die besonderen Belange von Tieren eingegangen, zum Beispiel indem der Abtransport von Holz gestoppt wird, wenn in einem Holzpolter junge Wildkatzen festgestellt werden.

Mäuseburgen und Brünbrücken

Bernd Klinck hat in seinem Jagdrevier auch noch Steinhügel aufgehäuft und richtet im Winter mit Stroh gefüllte sogenannte Mäuseburgen ein, um Kleinlebewesen einen Lebensraum zu geben. Doch damit nicht genug. Zu den Eigenarten der Wildkatze gehört, dass sie weite Wanderungen unternimmt. Zum Beispiel, weil Jungtiere ab einem bestimmten Alter von den Alten vertrieben werden und sich ein neues Revier suchen müssen. Dadurch entsteht auch ein genetischer Austausch zwischen verschiedenen Populationen. Auf der Suche nach einem noch nicht besetzten Biotop treffen die Tiere immer wieder auf Straßen, die sie an der Wanderung hindern oder wo sie dem Verkehr zum Opfer fallen. Auch bei baum- und strauchlosen Feldern schrecken die scheuen Waldtiere davor zurück, ohne Deckung eine größere Distanz zurückzulegen. Vor diesem Hintergrund gewinnt der Bau von Grünbrücken wie die bei Wattenheim über die A 6 sowie die Anlage von längeren Waldkorridoren, die bestehende Waldgebiete verbinden, an Bedeutung.

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