Kusel Wie würden Sie entscheiden?

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Heute entscheiden die Briten per Volksabstimmung über den Verbleib in der Europäischen Union. Seit geraumer Zeit liefern sich EU-Befürworter und -gegner in den Medien einen hitzigen Schlagabtausch. Doch wie stehen hier lebende Briten zu der Debatte um den sogenannten Brexit? Die RHEINPFALZ hat mit der gebürtigen Britin und Wahl-Konkerin Judith Raddatz gesprochen.

Seit 1999 lebt Judith Raddatz in Deutschland. Geboren wurde sie aber in Skelton im Nordwesten Englands. 2002 hat sie Martin Raddatz aus Konken geheiratet und ist seit 2013 Inhaberin des „Gasthaus Gerlach“. Sie erklärt im Gespräch mit der RHEINPFALZ, dass die Briten in der Tat eine gespaltene Beziehung zu Europa haben: „Großbritannien hat sich zu dem ganzen Thema Europa schon immer ein bisschen zurückgehalten – ,Insel-Mentalität’ könnte man sagen. Wir reden über Europa, wir machen Urlaub in Europa, aber irgendwie zählen wir nicht dazu.“ Ob dieses Gefühl der Nicht-Zugehörigkeit in einem Austritt aus der EU gipfelt, das entscheidet sich heute per Volksabstimmung. Für die einen ist der Brexit ein nötiger Schritt – unter anderem, um die Wirtschaft anzukurbeln. Die Brexit-Gegner hingegen berufen sich beispielsweise auf Studien, die eine bis zu 9,5 Prozent schrumpfende Wirtschaftsleistung voraussagen. Für das negative Bild, das zumindest ein Teil der britischen Bevölkerung offenbar vom restlichen Europa hat, macht Raddatz unter anderem die britischen Massenmedien verantwortlich: „Die EU hat in Großbritannien einen sehr schlechten Ruf. Unsere Medien schreiben nur über Bürokratie, Skandale und Regeln. Regeln mit hohen Kosten. Andere EU-Länder tun aber laut unseren Medien einfach was sie wollen – ohne Konsequenzen. Ob das wahr ist oder nicht, sei dahingestellt, aber so werden wir von unseren Medien über die EU ,informiert’.“ Legt man die letzten Umfragen zugrunde, dürfte es heute eine sehr knappe Abstimmung werden. Lange waren die Brexit-Befürworter in der Mehrzahl, doch die Pro-EU-Bewegung hat immer mehr an Boden gut gemacht und lag zuletzt knapp vorne. Auch unter den Freunden und Verwandten von Judith Raddatz in England gehen die Meinungen auseinander: „Meine Mutter will zum Beispiel für einen EU-Verbleib stimmen. Es gibt aber auch Freunde und Verwandte, die für den Brexit sind.“ Raddatz wünscht sich, dass sich ihre Landsleute für einen EU-Verbleib aussprechen: „Ich hoffe, dass Großbritannien in der EU bleibt. Lieber um die Familie kämpfen, zusammen stark bleiben, über Probleme reden und gemeinsam Lösungen finden – anstatt die Familie einfach so zu verlassen.“ |dbu

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