Kusel Weihnachtsmann nur eine Kopie
Carl Plathner, Vorsitzender des Vereins „Institut für Naturheilkunde und Kommunikation“ aus Lohnweiler, welcher das Brauhaus betreibt, schloss sich erstmals der Aktion „weihnachtsmannfreie Zone“ des katholischen Bonifatiuswerks an. Aufkleber am Eingang und auf den Tischkarten machen die Gäste auf die Initiative aufmerksam. Doch die Tische sind auch mit lustigen Weihnachtswichteln geschmückt. Wie das? „Wir wollen den Kindern ja nicht den Spaß verderben“, betont Plathner. Es gehe ihm vielmehr darum, bewusstzumachen und in Erinnerung zu rufen, dass der Nikolaus eben nicht der Weihnachtsmann ist. Der Weihnachtsmann sei nur eine Kopie. „Er hat inzwischen vielerorts als Kunst- und Werbefigur den Nikolaus sehr clever abgelöst.“ An der Brauhaus-Theke wacht derzeit ein „echter“ Schoko-Nikolaus mit stattlicher Mitra und Bischofsstab. „An der Bischofsmütze und dem Stab erkennt man den richtigen Nikolaus“, erklärt Plathner. Manchmal habe er eine Bibel in der Hand, auch gibt es welche mit einer Kreuzkette. Der Nikolaus sei eine christliche Figur und nicht eine kommerzielle, die die Zeit bis Weihnachten streckt. Darauf aufmerksam zu machen, sei die Intention im Brauhaus, schildert der Katholik. Mit der Aktion wollen die Gaststättenbetreiber nun aber keineswegs als Spielverderber dastehen: „Wir können ja hier nicht so tun, als ob wir das Bistum sind“, meint Plathner augenzwinkernd. Nach dem ersten Adventswochenende startete in den meisten Geschäften die heiße Phase des Weihnachtsgeschäfts. Doch wie in zahlreichen Discountern sucht man auch im Lauterecker Wasgau-Supermarkt vergeblich nach einem „echten“ Nikolaus. Die Marktleitung wirkt irritiert über die Frage, ob es nicht auch Schokonikoläuse gibt. „Die sehen jetzt halt so aus“, meint die Angestellte und zeigt auf Regale voller weißbärtiger Zipfelmützenträger in Coca-Cola-Rot. Auch an manchen Hauswänden krabbelt er wieder empor – der Weihnachtsmann, in den USA als Santa Claus bekannt. Zurück geht die Figur dieses rundlichen, älteren Herrn mit Geschenkesack übrigens auf den niederländischen Sinterklaas, dessen Tradition niederländische Auswanderer nach Nordamerika brachten. Erfunden wurde der Weihnachtsmann vermutlich von dem New Yorker Clement Clarke Moore. Nach einem seiner Gedichte steigt Santa Claus mit einem Rentier-Schlitten – damals jedoch noch ohne den rotnasigen Rudolph – in der Nacht zum 25. Dezember durch den Kamin ins Haus und bringt Geschenke. Zusammenhänge zur Geburt von Jesus sind da eher schwer herzustellen. Als zeichnerischer Schöpfer der Figur gilt allerdings der Pfälzer Thomas Nast, der ihn 1862 erstmals für das Magazin „Harper’s Weekly“ nach dem „Belzenickel“ entwarf und seine Figur mit den Jahren weiterentwickelte. Ab den 1920er-Jahren verwendete Coca Cola die Figur des Weihnachtsmannes zu Werbezwecken. Der Weihnachtsmann stehe für Konsum und sei eine Erfindung der Werbung, finden dessen Kritiker, darunter auch der Bund der Deutschen Katholischen Jugend. Mit ihrer „Vorfahrt für den Nikolaus“-Aktion wollen die jungen Katholiken dazu anregen, das eigene Konsumverhalten zu überdenken – insbesondere an Weihnachten.