Kusel Wanderung durch die Zeit
Mit Treffpunkt in Wolfstein von Heusweiler nach Lauterecken laufen. Mit dem Urweltmuseum Geoskop und der Kuseler Pollichia-Gesellschaft geht das. Zwar nicht von Ort zu Ort, aber durch die Zeit. 22 Teilnehmer, Profis wie Laien, waren am Samstag neugierig und gingen mit Museumsleiter Sebastian Voigt auf die erdgeschichtliche Exkursion „Als Wolfstein am Äquator lag“.
An der engsten Stelle des Lautertals eröffnet nicht nur die Burg Alt-Wolfstein den Blick übers Land. Wer kundig ist, kann ihn dort auch in die Erdgeschichte richten. Rund 303 Millionen Jahre alt ist das Gestein, das an der Bundesstraße an die Oberfläche kam, als der Hang beim Bau das Kasinos von K. O. Braun in den 1970er Jahren angeschnitten wurde. Ein hartes Gestein ist es, mit das älteste, das im Landkreis mit bloßem Auge zu sehen ist; ein Konglomerat gefüllt mit gut gerundeten Kieseln, die Flüsse mit sich ständig verändernden Läufen weit mit sich getragen haben müssen. Aus dem Massif Central in Frankreich, den Vogesen und dem Schwarzwald kämen die Kiesel wohl her, erläutert Sebastian Voigt die urweltlichen Fließrichtungen. Ein ganzes Bündel laminierter Schautafeln hat der 42-Jährige dabei. Zum Einstieg in die Tour im Tal zwischen Königsberg und Eisenkopf kommen sie zum ersten Mal zum Einsatz. In seinen Erklärungen lässt der Geologe und Paläontologe in anschaulichen Beispielen jene Welt lebendig werden, die im ausgehenden Erdaltertum die Gegend ums heutige Wolfstein kennzeichnete. 5000 Kilometer südlich, fast am Äquator, lag das heutige Lautertal damals, in einem riesigen Gebirgstal, 1000 Kilometer vom Ozean, aber über Land verbunden mit den heutigen USA und dem heutigen Russland. 40 Millionen Jahre lang existierte diese „von Bergen umgebene Badewanne“, und Schicht um Schicht füllte sie sich auf mit dem Abtragungsschutt von weiter oben. Bis vor etwa 320 Millionen Jahren das Saar-Nahe-Gebirge abgetragen war, war im Tal eine bis zu 8000 Meter mächtige Gesteinssäule entstanden. Ihre einzelnen Schichten, Geologen und Urweltwissenschaftler sprechen von Formationen, kommen heute an verschiedenen Stellen zwischen Saar und Nahe, Glan und Lauter in größerer Dimension an die Oberfläche. Nach diesen Orten sind sie benannt. Das ist der Grund, warum die Tour am Samstagnachmittag von der Heusweiler-Formation bis zur Lauterecken-Formation führen sollte, oder, neuzeitlich ausgedrückt, von Alt-Wolfstein über den Königsberg und den Vogelsberg nach Reckweilerhof. Ganz geschafft hat die Gruppe die Strecke dann doch nicht – in Sichtweite der Wahnwegen-Formation ist es schon so spät, dass Voigt abkürzt. Vier Kilometer Strecke über einen Boden, der vom späten Karbon bis ins frühe Perm gebildet wurde, in sumpfigen Wäldern, dann Fluss- und Seenlandschaften, später Halbwüsten. Vulkanausbrüche mit ihrer einströmenden Schmelze haben irgendwann dafür gesorgt, dass die Gesteinsschichten nicht mehr waagrecht liegen, sondern wie eine Treppe laufen. Den Zick-Zack-Anstieg durch den Wald vom Tal hinauf zum Veldenz-Wanderweg macht das nicht weniger anstrengend. Steter Begleiter: die Konglomerate der Heusweiler-Formation. Die nämlich ist mit Abstand die mächtigste Schicht auf dieser geologischen Meile am Königsberg. Die Breitenbach-Formation dagegen ist in nur 80 Metern abgeschritten, die Remigiusformation noch schneller. Geologen erkennen den Boden an wenigen Merkmalen, Laien an den Flurnamen: Namen wie Felsenwald und Sanddell etwa reflektieren am Königsberg den Aufbau des Untergrunds. Doch es geht nicht nur um die Geologie und um die Art von Fossilien, die in den jeweiligen Schichten typischerweise eingebettet sind. Am Königsberg wurden jahrhundertelang Bodenschätze gesucht: Eisenerze, Quecksilbersulfat, Schwerspat, Uranerze, Kohle, wenn auch wenig. Zeugnisse dieser ebenso harten wie unrentablen Arbeit – der Schwerspat bei Aschbach etwa war so verunreinigt, dass er für das lukrative Geschäft mit Schiffsanstrichen unbrauchbar war – finden sich einige entlang des Wegs. Die „Blaue Halde“ ist wohl das bekannteste. Kerstin Keller und Martin Kirch aus Oberweiler-Tiefenbach sind nach dreieinhalb Stunden Exkursion begeistert. „Meine geologischen Kenntnisse reichten nicht über das Kalkbergwerk hinaus“, sagt Kirch lachend. Das hat sich am Samstag geändert.