Kusel „Wahlgeschenke sind Gift für die Handwerksbetriebe“

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Zum jährlichen Obermeistertag der Kreishandwerkerschaft Westpfalz versammelten sich gestern die Handwerksmeister erstmals im Kreis Kusel. Zu Gast in der Zehntscheune auf Burg Lichtenberg war auch der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer.

Auch Brigitte Mannert, Präsidentin der Handwerkskammer der Pfalz, sowie die beiden Vizepräsidenten Dieter Schnitzer und Michael Lehnert durfte der Vorsitzende Kreishandwerksmeister Gerrit Horn in der Zehntscheune begrüßen. Landrat Winfried Hirschberger betonte in seinem Grußwort die lange Tradition des Handwerks im Kreis Kusel. Er bedauerte den Verlust vieler Handwerksbetriebe im Landkreis, die „nicht auf Wachstum ausgerichtet waren“. Zentrales Thema der Veranstaltung waren die Bemühungen des deutschen Handwerks zum Erhalt des Meisterbriefs. „Die Meisterpflicht in Deutschland ist unverzichtbar“, machte Wollseifer in seiner Ansprache deutlich. Der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks bezeichnete eine hohe berufliche Qualifikation als Grundstein für gute Qualität und kündigte an, auch weiterhin für den Erhalt des Meisterbriefs und gegen eine von Brüssel aus gesteuerte Deregulierung zu kämpfen. Zur aktuellen Politik sagte Wollseifer, die „Wahlgeschenke der großen Koalition“ seien Gift für die Handwerksbetriebe. Er betonte, dass die Betriebe ihre guten Ergebnisse nicht wegen, sondern trotz der Beschlüsse der Regierung erwirtschafteten. Aber auch Themen wie den demografischen Wandel und die Rente mit 63 griff Wollseifer auf. „In Zeiten, in denen unsere Gesellschaft immer älter wird, halte ich es für ein falsches Signal, unsere Fachkräfte früher in den Ruhestand zu schicken.“ Statt viel Geld dafür auszugeben, Menschen früher in Rente zu schicken, hätte man lieber Maßnahmen ergreifen sollen, um die Arbeit im höheren Alter attraktiver zu gestalten, und dieses Geld besser dazu nutzen sollen, einen vernünftigen Lebensstandard im Ruhestand zu ermöglichen, sagte Wollseifer. Er warf auch einen Blick in die Zukunft und berichtete von Plänen des Zentralverbandes, ein sogenanntes „Duales Abitur“ einzuführen, bei dem an dualen Gymnasien mit technischer oder wirtschaftlicher Ausrichtung mit dem Abitur auch ein Berufsabschluss möglich werden soll. Auch das aktuelle Flüchtlingsthema sprach Wollseifer an: Getreu dem Slogan des Deutschen Handwerks „Bei uns zählt nicht, wo man herkommt. Sondern wo man hin will“ solle man Jugendlichen aus Flüchtlingsfamilien eine neue Perspektive schaffen. Im Rahmen des Obermeistertags wurden außerdem fünf Mitglieder der Kreishandwerkerschaft Westpfalz für ihre langjährige Vorstandsarbeit mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet. Darunter auch Gerd Backes, Dachdeckermeister aus Glanbrücken, der für 22 Jahre Vorstandstätigkeit in der Dachdeckerinnung Westpfalz geehrt wurde. Weitere Auszeichnungen gingen an Helmut Jochum aus Heltersberg, Gesamtfachbeiratsleiter der Friseurinnung Pfalz-Mitte-Nord, für 31 Jahre Vorstandsarbeit, Silvia Schmid-Radunz aus Kaiserslautern für 20 Jahre im Vorstand der Innung für Kürschner und Modeschaffende Handwerke Südwest, Klaus Strobel, Maler- & Lackierermeister aus Contwig, für 22 Jahre im Vorstand der Innung der Maler und Lackierer Westpfalz und Wolfgang Sofsky aus Zweibrücken, der seit ebenfalls bereits 22 Jahren im Vorstand der Straßenbau- und Tiefbauinnung der Pfalz aktiv ist. (dbu)

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