Kusel Vom Azubi in die Chefetage

91-85774938.jpg

GLAN-MÜNCHWEILER. Wenn die Volksbanken aus Glan-Münchweiler und Lauterecken im kommenden Jahr fusionieren, dann ist Christian Dietrich Teil des Vorstandsteams. Am kommenden Freitag rückt der 36-Jährige in die Chefetage des Glan-Münchweilerer Instituts auf.

Es sei schon ein sehr spannender Zeitraum, um den Vorstandsposten anzutreten, befindet Christian Dietrich. Da ist zum einen die angestrebte Fusion mit der Lauterecker Genossenschaftsbank, deren Vorbereitungen auf Hochtouren laufen (Die RHEINPFALZ berichtete mehrfach); zum anderen das schwierige Umfeld für Kreditinstitute – die anhaltende Niedrigzinsphase, der große Regulierungsdruck seit Beginn des Jahrtausends, der sich mit der Finanzkrise im Jahr 2009 noch deutlich verschärft habe, und nun der Brexit mit seinen noch nicht absehbaren Folgen. „Natürlich wäre ein bisschen weniger Trubel zum Einstieg schön gewesen – aber ich werde ja nicht ins kalte Wasser geschmissen“, sagt Dietrich. Was er damit meint: Schon seit 2013 ist der Nanzdietschweilerer mit Prokura ausgestattet, seither Teil des Führungskreises. In die Planungen der Fusion war er von Anfang an mit eingebunden; bei der neuen Bank, die voraussichtlich „Volksbank Glan-Münchweiler Lauterecken“ heißen wird, ist er designiertes Vorstandsmitglied neben Sabine Mack (Glan-Münchweiler) und Joachim Wagner (Lauterecken). Hilfreich sei es auch, dass sein Vorgänger Walter Hoffmann der Volksbank Glan-Münchweiler noch ein halbes Jahr erhalten bleibt, erst zum Jahresende in den Ruhestand geht. „So bleibt genügend Zeit, um in seine Aufgaben hineinzuwachsen“, sagt Dietrich. Dabei gehe es oftmals um ganz Alltägliches: „Wenn er mit Unterlagen ankommt, dann stelle ich mittlerweile – noch bevor es um Inhalte geht – die Frage: Wo finde ich das im Dateisystem?“, schildert Dietrich, der zum 1. Januar 2016 von der Bankenaufsicht (Bafin) als Vorstandsmitglied zugelassen wurde. Dass er bis Jahresende mit Hoffmann zusammenarbeiten könne, helfe, „einen sauberen, geordneten Übergang zu gewährleisten“. Die Karriereleiter hat Dietrich erklommen, ohne den Arbeitgeber zu wechseln: Im Jahr 2000 begann er die Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Volksbank Glan-Münchweiler, war danach Service- und Privatkundenberater, Zweigstellenleiter in Steinwenden, seit 2010 betreute er Firmenkunden, seit 2013 ist er Abteilungsleiter Firmenkundenbetreuung. Dass es für ihn so schnell so weit nach oben gehen würde, das habe er als 20-jähriger Azubi weder geplant noch erwartet, räumt der zweifache Vater ein. „Das ist der Vorteil bei einem kleinen Haus“, sagt Dietrich. „Wenn man Abteilungsleiter ist, steht man im Austausch mit dem gesamten Vorstand und Aufsichtsrat.“ Als dann vor zwei Jahren erste Überlegungen für die Hoffmann-Nachfolge angestellt wurden, sei er allen Verantwortlichen ein Begriff gewesen. Nun wird der ehemalige Azubi zum Chef, „auch derer, die mich damals ausgebildet haben“, weiß Dietrich. Er glaubt aber nicht, dass das zum Problem wird: „In 16 Jahren haben sich so viele Freundschaften entwickelt. Außerdem haben wir flache Hierarchien, da merkt man gar nicht, ob jemand eine Ebene höher oder niedriger angesiedelt ist.“ Und schließlich: „Sabine Mack hat das auch geschafft.“ Fehlen wird dem 36-Jährigen der Kundenkontakt, wenngleich der Vorstand bei der Volksbank Glan-Münchweiler – und später bei der fusionierten Bank – stets auch im operativen Geschäft tätig sein wolle. „Ich war seit meiner Ausbildung immer ganz nah an Privat- oder Geschäftskunden dran – jetzt werde ich nicht mehr erster Ansprechpartner sein. Daran muss ich mich schon gewöhnen.“ Den Start einfacher macht ihm das „sehr gute Geschäftsergebnis 2015“, das die Volksbank Glan-Münchweiler gestern Abend bei der Vertreterversammlung in der Kurpfalzhalle vorgestellt hat. Das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit fiel mit 6,36 Millionen Euro um gut 700.000 Euro besser aus als im Vorjahr, es wird eine unveränderte Dividende in Höhe von 5,5 Prozent ausgeschüttet. |tmü

x