Kusel Viele, viele Wildunfälle

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Die Polizeiinspektion (PI) Lauterecken hat gestern Vormittag die Unfallstatistik für das Jahr 2015 vorgelegt. Die wesentlichen Erkenntnisse: Auch in den Verbandsgemeinden Lauterecken-Wolfstein und Meisenheim sind die Unfallzahlen gestiegen, an gut der Hälfte der Unfälle sind Wildtiere beteiligt und die Wahrscheinlichkeit, dass Unfallflüchtige gefasst werden, ist gestiegen. Verkehrstote gab es auch 2015 keine.

Erik Hippchen und Bernhard Christian Erfort stellten das „Lagebild Verkehrssicherheit“ in Lauterecken vor. „Wir sind ein bisschen überrascht“, räumt Hippchen gleich zu Beginn ein, „und wir können es uns auch nicht so recht erklären, woran das liegt.“ Insgesamt ist es 2015 im Bereich der PI Lauterecken zu 909 Verkehrsunfällen gekommen, 2014 waren es 792 (14,7 Prozent mehr). Hippchen wagt einen Erklärungsversuch: „Gerade bei uns im ländlichen Raum sind die Menschen immer mehr auf ihr Auto angewiesen – ob für die Fahrt zur Arbeit, zum Arzt oder zum Einkaufen.“ Auch würden immer mehr ältere Menschen noch selbst Auto fahren. Hippchen: „Das sind alles Puzzleteile, die genauen Ursachen sind uns unklar.“ Zudem seien die Unfallzahlen in den vergangenen Jahren immer sehr niedrig gewesen, hätten unter dem Durchschnitt im Bereich der Polizeidirektion Westpfalz gelegen. Ein „Riesenbatzen“ sind die Wildunfälle. Deren Anteil liegt bei 51,6 Prozent (469 Fälle) – mehr als jeder zweite Unfall im Bereich der PI Lauterecken war 2015 also ein Wildunfall. Hippchen: „Es gibt bei uns kaum einen Tag ohne.“ Der Beamte hat sogar die beteiligten Tierarten parat: „Sieben Dachse, vier Füchse, sieben Hasen oder Kaninchen, ein Vogel, zwei Fasane, eine Wildkatze, 24 Wildschweine und 418 Rehe.“ Dass es 2015 keine Verkehrstoten auf den rund 300 Kilometern Straßen, die die PI Lauterecken betreut, gegeben hat, freut die Beamten sehr. Hippchen: „Wir hoffen, dass das auch in diesem Jahr so bleibt.“ Die Anzahl der Verkehrsunfälle mit sogenannten Personenschäden ist dagegen gestiegen: Waren es 2014 noch 71 mit Verletzten (23 schwer, 48 leicht), sind es 2015 87 gewesen (mit 28 Schwerverletzten und 59 Leichtverletzten). Hippchen erläutert: „Bei den schweren Unfällen sind pro Unfall mehr Personen verletzt worden, beispielsweise beide beteiligte Fahrer oder mehrere Mitfahrer in einem Wagen.“ Erfreulich: In der Langzeitbetrachtung ist das Jahr 2015 nach 2014 das Jahr mit den wenigsten Verunglückten. Im vergangenen Jahr kündigte Inspektionsleiter Arno Heeling an, dass man im Bereich Unfallfluchten verstärkt aktiv werden wolle. Tatsächlich ist die Aufklärungsquote von 33,6 Prozent im Jahr 2014 auf 41 Prozent geklettert – bei 117 Unfallfluchten (2014: 119). „Jetzt sind wir nah am Durchschnitt der Polizeidirektion“, sagt Hippchen, „der liegt bei 44,6 Prozent.“ Weiterbildungsmaßnahmen bei den Beamten und „intensivere Recherchen“ haben laut Hippchen den Anstieg ermöglicht. Die häufigsten Unfallursachen sind überhöhte oder unangepasste Geschwindigkeit (152 Fälle, 2014 waren es 122) und Wenden und Rückwärtsfahren (130, Vorjahr: 122). Leicht angestiegen sind die Ursachen „Alkohol“ und „Sonstige Untüchtigkeit“ (bei körperlichen Beschwerden). Als positiv verbuchen die Beamten auch, dass es relativ wenige Unfälle mit Kindern gegeben hat, nämlich lediglich drei. Anders sieht das bei den Jungen Erwachsenen aus, die an insgesamt 161 Unfällen beteiligt waren. Hippchen: „Die Risikogruppe ist auch bei uns leider gut vertreten. Obwohl es gesellschaftlich gesehen ja eine sehr kleine Gruppe ist.“ Dagegen sei die größte Bevölkerungsgruppe, die Senioren, bislang in der Lauterecker Unfallstatistik eher unterrepräsentiert gewesen, doch „die schließen auf“, sagt Hippchen. 2015 sind 116 Unfälle unter Beteiligung von Menschen über 65 Jahren passiert. Die Polizei erwartet in den kommenden Jahren einen weiteren Anstieg. Hippchen: „Das Thema Mobilität im Alter wird in den nächsten Jahren wohl auch eine Herausforderung an die Politik.“ Der Beamte berichtet, dass die Polizei die Senioren mit Präventionsveranstaltungen zum Thema Autofahren nicht erreiche: „Da ist wohl die Angst groß, dass wir ihnen den Führerschein abnehmen.“ (bgi)

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