Kusel Verordnete Verschlankung

Mit großen Schritten nähern sich die katholischen Pfarreien im Dekanat Kusel der unter dem Namen Gemeindepastoral verordneten Verschlankung. Einer davon sind die Pfarrgremienwahlen am 10. und 11. Oktober. Bevor das Bistumskonzept zum 1. Januar umgesetzt wird, gilt es jetzt, Kandidaten zu finden.
Die Pfarreigemeinschaft Lauterecken mit 2070 Katholiken sei bei der Suche schon recht weit, erläutert die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Inge Lütz. Was für das Gros der Katholiken im Bistum noch Zukunftsmusik ist, haben die drei Gemeinden in Lauterecken, Reipoltskirchen und Wolfstein schon erprobt: „Wir konnten das Zusammenwachsen ausprobieren“, sagt Lütz, denn seit den Wahlen 2011 werde kooperiert. Die Pädagogin aus Oberweiler-Tiefenbach ist seither Vorsitzende des gemeinsamen Pfarrgemeinderats, der 33 Orte in den Landkreisen Kusel, Donnersberg und Bad Kreuznach vertritt. Sie kündigte an, erneut zu kandidieren. Sorge, genügend Kandidaten zu finden, hat Lütz nicht. Insbesondere in Wolfstein werde ein Generationenwechsel erwartet. Doch auch erfahrene Ehrenamtliche, etwa Angelika Ehrhardt aus Nußbach, wollen weitermachen. Für Administrator Anton Ociepka, der die Pfarrei seit dem Weggang von Mathias Köller leitet, ist es wichtig, die Gemeinde in einem guten Zustand an den neuen Pfarrer zu übergeben. Thomas Becker kommt am 1. September nach Lauterecken, Ociepka wird dann wieder Kooperator. Neben der Pfarrei Heiliger Franz Xaver in Lauterecken werden im Dekanat Kusel mit 18.066 Katholiken die Pfarreien Heiliger Christophorus (Kübelberg) und Heiliger Remigius in Kusel entstehen. Unter dem Motto „Weil es mich angeht“ wirbt die Kuseler Pfarrei St. Ägidius um Kandidaten für die drei neuen Gremien. Vorschläge, wer die Großpfarrei mit 7377 Katholiken in drei Landkreisen und zwei Bundesländern vertreten soll, können bis 30. August eingehen, erläutert die Vorsitzende des Wahlausschusses, Christa Kuhn. Nur noch ein Vertreter aus Kusel werde in den gemeinsamen Verwaltungsrat entsandt. Bisher gehörten dem Gremium sieben Mitglieder an. „Auf dem neuen Verwaltungsratsmitglied lastet viel Verantwortung“, weiß Kuhn, Mitglied im Verwaltungsrat der Pfarrei St. Ägidius. Denn der Gewählte habe künftig auch bei Entscheidungen über Immobilien etwa im entfernten Reichenbach-Steegen mitzuentscheiden. Die neuen Verfahren stellten die Gemeinde vor Herausforderungen. Die neuen Strukturen seien teilweise noch unbekannt. Zwar gebe es schon Treffen und Kooperationen mit den künftigen Partnern der Großpfarrei. Ungewiss sei hingegen der zeitliche Aufwand. Dennoch: „Die ehrenamtliche Arbeit macht viel Spaß“, betont Kuhn, die sich auch im Katholikenrat engagiert. Kuhn wünscht sich in den Verwaltungsrat mehr Frauen. Mehr Männer seien hingegen im Gemeindeausschuss willkommen, der teilweise die Aufgaben des bisherigen Pfarrgemeinderates wahrnimmt. Zwar seien schon einige Kandidaten erkoren, dennoch wären mehr wünschenswert: „Damit es auch eine richtige Wahl ist.“ Präsenzpflicht habe künftig nur noch der leitende Pfarrer, Dekan Rudolf Schlenkrich in Kusel, erklärt Kuhn. Die Pfarrer Kazimierz Cwierz und Roland Spiegel werden Kooperatoren und dürfen ihren Wohnsitz frei wählen. Die Katholiken der Pfarrei Offenbach bilden eine Ausnahme, sie gehören zum Dekanat Birkenfeld im Bistum Trier. Zuständig ist Pfarrer Peter Sens. Die größte Pfarrei im Landkreis Kusel wird im Süden Heiliger Christophorus mit 8619 Katholiken. In Kübelberg werde schon allerhand vorbereitet, berichtet Pfarrer Stefan Czepl von gemeinsamem Pfarrbüro und Pfarrblatt. Geplant werde ferner die Aufteilung der Arbeitsbereiche der Hauptamtlichen – ohne Pastoralreferent Olaf Riebes, der nach Zweibrücken wechsele. Was die Kandidatensuche betrifft, ist Czepl entspannt. „In Elschbach und Schönenberg verlief die Suche bisher schon erfreulich“, schildert er. Auch junge Neueinsteiger seien in Sicht. In Brücken wollten aus den bestehenden Gremien einige weitermachen, sagt der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Peter Ganter. Auch der 43-Jährige kandidiert für den Pfarreirat. Ganter, kein Freund des vom Bistum verordneten Strukturwandels, hat selbst länger überlegt, ob er weiter mitmischen will. „Dass etwas passieren muss, war zwar klar“, räumt er mit Blick auf Pfarrermangel, zurückgehende Katholikenzahlen und Finanzen ein. Seiner Meinung nach wäre die Bildung von Pfarreiverbünden aber sinnvoller gewesen. Den Kopf in den Sand stecken will Ganter dennoch nicht. Die Zukunft hänge auch vom Engagement der Gemeindemitglieder ab. Nun gelte es, die neue Gemeinsamkeit auch zu leben. (suca)