Kusel Typisch Klischee

Typisch Mann, typisch Frau, Klischees und Vorurteile, Diskriminierung und Gewalt, Homophobie und Stereotypen. Das Zusammenleben der Geschlechter und der Menschen allgemein ist immer noch viel zu häufig davon geprägt. Die Evangelische Jugendgemeinde Zweibrücken hat am Freitagabend im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Move“ in der Karlskirche mit „Move against 6ism“ und dem Titel „Lieb doch, wen du willst“ vor etwa 100 Gästen das Thema aufgegriffen.
Klischees, die Fundamente sexistischen Verhaltens, von Vorurteilen und Diskriminierung. Woher kommen sie? Schaffen wir sie selbst? Was bedeuten Vorfälle wie die in Köln für die Gesellschaft? Was sagen sie über die Gesellschaft aus? Solche Fragen stellten die Jugendlichen sich und ihren Gästen in der Zweibrücker Karlskirche. Die Erwartungen an Männer wie an Frauen wurden in kurzen Beiträgen ebenso kritisch beleuchtet wie Rollenbilder, die von so genannten Promis vorgelebt werden und lange Zeit unübersehbar in Barbie-Puppen zementiert wurden. Auch die vielfach bestehende Zweideutigkeit vieler Begriffe und Worte gehört dazu. Das Rollenbild in Syrien wurde von der jungen Syrerin Reem beschrieben. Sie erzählte von dem Erwartungsdruck an Frauen und Männer, von den vorsichtigen Modernisierungen und von ihrer Angst, dass der Krieg alles Erreichte zerstört. Aufgelockert wurde der Abend mit verschiedenen, themenbezogenen Musikstücken wie „As long as you loved me“ und „I kissed a girl“. Sie wurden von Jugendbands der Region gespielt. Das Publikum war nicht nur passiver Zuhörer, sondern gestaltete den Abend aktiv mit. So gehörte es zur Veranstaltung, über „typisch männliche“ und „typisch weibliche“ Eigenschaften wie Orientierungssinn, Kommunikation und Gefühle abzustimmen. Dabei stellte sich heraus, dass Klischees nicht nur über Frauen bestehen. Männer sind genau so davon betroffen. Das zeigte sich schon bei der Begrüßung, bei der Männer unerwartet Blumen erhielten und Frauen die Hand gegeben wurde. Erwartungsgemäß ist es genau anders herum. Auch Erklärungen wurden gesucht. Ist es vielleicht so, dass das menschliche Gehirn erst einmal „in groben Kästen denkt“ und dann entsprechendes Verhalten erwartet? Wie sehr Klischees zum Käfig werden können, wurde auch beim Thema „Anders sein“ zur Sprache gebracht. „Wer sich anders verhält, ist schnell ein Freak. Es ist einfacher, mit der Masse zu schwimmen. Doch das Ergebnis ist der Sinnverlust“, gab Jugendpfarrer Günter Sifft zu bedenken. Er forderte die Anwesenden auf, keine Abziehbilder oder billige Kopien irgendwelcher Erwartungen zu sein, sondern sich vielmehr zu fragen: „Wer bin ich denn eigentlich?“ Man solle über sich selbst nachdenken, auf die Gefühle achten, Impulse in seiner Umgebung suchen und auch mit anderen darüber reden. „Nicht mit den Leithammeln, sondern mit Freunden.“ (sach)