Kusel
Tafeln im Landkreis Kusel versorgen fast 1000 Menschen mit Lebensmitteln
Die drei Tafeln im Landkreis sind aktuell gut bestückt. In Kusel gibt es sogar so viele Lebensmittelspenden, dass noch mehr Menschen bedient werden könnten. Wegwerfen heißt dann die Devise – die dem Tafelgedanken allerdings komplett widerspricht.
„Wir haben seit längerer Zeit oftmals mehr Lebensmittel zur Verfügung, als wir an den Ausgabetagen weitergeben können“, berichtet der Vorsitzende der Kuseler Tafel, Manfred Hohl. Gleichzeitig weiß er, dass vor allem in den kleinen, entlegenen Dörfern Menschen mit Minimalrenten leben, denen geholfen werden könnte. Der Verein hat bereits mehrere Aktionen gestartet, um an diese Personen heranzukommen. So habe man über die Ortsbürgermeister sowie über die Kirchen Kontakte knüpfen wollen – bislang ohne Erfolg. Auch an Sozialstationen, Caritas und Diakonie würden Broschüren zur Verteilung weitergegeben. Hohl: „Wir versuchen, die Leute anzusprechen.“ Doch aus Scham wollten sich viele nicht „outen“. Auch fehlende Mobilität sei ein Grund, dass die Tafel nicht aufgesucht werde, erklärt Hohl.
Vor wenigen Jahren startete der Verein daher die Belieferung durch Paten, bei dem nicht mobilen Bedürftigen Lebensmittel nach Hause gebracht werden. „Es haben sich viele Paten gemeldet, schildert Hohl, „aber die Gegenseite fehlt“. Aktuell übernähmen rund 15 Paten Lieferungen an 20 bis 25 Personen.
Bis 40 weitere Personen möglich
Hohl zufolge kann die Tafel noch 30 bis 40 Personen zusätzlich versorgen. Der Lebensmittel-Überschuss werde unter anderem bei Discountern produziert. Mitunter stünden kistenweise Lebensmittel im Hof. „Wenn man die Mengen sieht, die jeden Tag weggeworfen werfen, könnte man meinen, in Deutschland sind Lebensmittel nichts mehr wert“, sagt er.
Doch findet auch die Tafel nicht immer genügend Abnehmer. Brot könne zwar verfüttert werden, doch vieles lande auch auf dem Misthaufen eines Bauern. „Da wird es einem ganz anders“, bekennt Hohl. Denn in erster Linie gehe es dem Verein doch darum, Lebensmittel zu retten.
Spenden erhält die Tafel auch von Bäckereien, Privatleuten und Kirchen, etwa beim Erntedankfest. Demnächst werden die Fahrer eine Großspende von Rewe in Köln abholen.
Ein Drittel ausländische Familien
Die 2005 gegründete Tafel in Kusel versorgt aktuell 466 Personen in der Verbandsgemeinde, davon 240 Kinder. Etwa ein Drittel der 160 Bedarfsgemeinschaften seien ausländische Familien. Die Anzahl der Abnehmer steige langsam, während die der Ausländer rückläufig sei. Stattdessen registrieren die Tafel-Helfer mehr Alleinerziehende. Zudem werden mehr Abnehmer erwartet, die nur eine kleine Rente erhalten. „In den Städten ist das schon ein enormes Problem“, sagt Hohl zum Thema Altersarmut.
Dass bei der Tafel alles reibungslos läuft, dafür sorgen 45 Ehrenamtliche. Ein Dutzend Männer sind für die Transporte zuständig, die Frauen helfen in Ausgabe und beim Sortieren der Waren. Auch Helfer aus Syrien seien engagiert. Weitere Ehrenamtliche seien gerne gesehen, vor allem Männer, die Transporte übernehmen könnten. Für den Transporter, Miete, Steuern und Versicherungen werden laut Hohl monatlich 1500 Euro aufgebracht. Die Summe werde aus den Beiträgen der Abnehmer und Spenden finanziert.
Hohe Fluktuation in Lauterecken
Seit Mai 2007 verteilt die Tafel in Lauterecken Lebensmittel an Menschen aus den Verbandsgemeinden Lauterecken-Wolfstein und Meisenheim. Aktuell seien 218 Abnehmer gemeldet, davon 82 Kinder. Von den 95 Bedarfsgemeinschaften waren im Oktober allerdings nur 63 zur Abholung da, erläutert Vorsitzender Hans Habermann aus Merzweiler.
Habermann registriert eine hohe Fluktuation unter den Abnehmern, insbesondere bei Ausländern. Es gebe immer wieder Leute, die sich zwar anmelden, dann aber nicht mehr gesehen werden. Die meisten seien Empfänger von Arbeitslosengeld II, es gebe zwar einige Rentner mehr, aber das Thema Altersarmut könne er mit Blick auf die Tafelbesucher nicht festmachen. „Entgegen dem Trend ist die Nachfrage geringer“, berichtet der ehemalige Bürgermeister der Verbandsgemeinde Lauterecken.
Zahl der Abnehmer sinkt
Waren es 2016 noch insgesamt 733 Personen, die zu verschiedenen Terminen kamen, sank die Zahl der Abnehmer 2017 auf 648. Aktuell liegt sie – nach einem kleinen Anstieg 2018 auf 675 – nur noch bei 600. Und zwar bei gleichbleibendem Warenangebot, wie Habermann schildert. „Unsere Tafel ist gut bestückt“, sagt er.
Von außerhalb erreichen die meisten die Ausgabestation an der Saarbrücker Straße mit Fahrgemeinschaften, per Bus oder Bahn. Groß sei die Not bei alleinerziehenden Frauen, berichtet Habermann, der auch schon gehört hat: „Wir haben heute nichts mehr zu essen.“ Knapp die Hälfte der Abnehmer seien derzeit Ausländer.
Wie auch bei den Kollegen in Kusel sind beim 25-köpfigen Team in Lauterecken ebenfalls weitere Ehrenamtliche willkommen. Lebensmittel, die keine Abnehmer finden, werden an Schaf- und Geflügelhalter oder zur Biogasanlage der Familie Steinhauer transportiert.
Um sich zu tragen, ist die Tafel auf Spenden angewiesen. „Der Beitrag von zwei Euro pro Abholung reicht nicht aus“, sagt Habermann. Besonders erfreulich sei das Engagement der Grundschule Wolfstein, deren Schüler jedes Jahr zu Weihnachten Päckchen für die „Tafel-Kinder“ packen.
Im Süden geht es gut auf
Im Südkreis engagieren sich 35 bis 40 Ehrenamtliche für die Tafel. Von Brücken aus werden aktuell 50 bis 60 Familien versorgt, berichtet Vorsitzende Erika Scheuer. „Im Moment sind es weniger Abnehmer“, berichtet sie. Um Fahrdienste und Ausgabe der Lebensmittel kümmerten sich Männer und Frauen gemeinsam, es gebe genügend Helfer. „Bei uns geht es gut auf“, berichtet Scheuer, die von Beginn an im Jahr 2006 dabei ist. Müll werde wenig produziert. „Unsere Biotonne ist nur halbvoll“, betont sie.
Altersarmut schlage sich bei der Tafel in Brücken nicht nieder. Alleinerziehende, Arbeitslose und Rentner sowie Russlanddeutsche, die noch keine Arbeit haben, gehörten zu den Hauptkunden. Über die Räume an der evangelischen Kirche ist der Verein froh, wenn auch ältere Menschen einen Berg hochlaufen müssten und wenig Parkmöglichkeiten vorhanden seien.