Kusel
Steinbach am Glan: Als Waldpädagogin selbstständig gemacht
Trend Waldbaden? Nicht mit Alexandra Knapp aus Steinbach am Glan. Die Forstwissenschaftlerin und Waldpädagogin begreift den Wald als Erlebnis- und Lernort. Mit „Waldspuren“ hat sie den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und will eben jene mit Klein und Groß entdecken.
Auf dem Feldweg, der von der Kreisstraße nach Börsborn in den Steinbacher Wald führt, zeigt sich Knapp überrascht von den dichten Schwärmen Märzfliegen, die junge Eichen umlagern. Bei ihrem Waldspaziergang am Vortag habe sie noch weit weniger dieses auch Markusfliege genannten Insekts angetroffen. Die junge Frau hat einen geschulten Blick dafür, was im Wald so alles kreucht und fleucht – etwa für einen Ameisenhaufen oder schwarzblaue Waldmistkäfer, die in großer Zahl unterwegs sind. Dem einen oder anderen Käfer, der auf dem Rücken liegt, hilft sie wieder auf die Beine.
Geradewegs in den Wald führte der Ausbildungsweg die 33-Jährige nicht. Nach dem Abitur machte sie in Trier eine Lehre zur Buchhändlerin und liefert dafür eine überzeugende Erklärung: „Ich lese total gerne.“ Der Ausbildung im Buchhandel folgte ein Sprung in die Welt. Mit Jobben und Reisen habe sie Irland kennen- und lieben gelernt. Zudem habe sie in dem halben Jahr ihre Englischkenntnisse verbessert, sagt Knapp.
Dublin, München, Stuttgart
Von Dublin ging es nach München, von der Grünen Insel ins Studium eines grünen Berufs. An der Freisinger Studienfakultät der TU München studierte sie Forstwissenschaft und Holzwirtschaft. Unter anderem lernte sie dabei das Prinzip der nachhaltigen Nutzung kennen, das der Sachse Hans Carl von Carlowitz (1645-1714) vor 300 Jahren für die Forstwirtschaft einführte. Er forderte, dass bei der Waldbewirtschaftung nicht mehr Holz eingeschlagen wird als nachwächst. In einer Fortbildung qualifizierte Knapp sich zur staatlich zertifizierten Waldpädagogin. Waldpädagogik will jungen Menschen Einblicke in den Erfahrungsraum Wald geben und spielerisch Lernprozesse anstoßen.
Nächste Station für die Steinbacherin nach dem Examen war Stuttgart, wo sie im „Haus des Waldes“ arbeitete. Die Einrichtung mit einem festen Team und ehrenamtlichen Helfern, die seit 30 Jahren besteht, vermittelt jährlich rund 45.000 Besuchern, was es mit dem Wald so alles auf sich hat.
Die Arbeit im Haus des Waldes habe sie als spannend erlebt und viel dabei gelernt, sagt die Forstwissenschaftlerin. Etwa bei dem Projekt waldpädagogischer Anhänger, der Arbeitshilfen, Materialien, Werkzeuge und Ausrüstung enthält, mit denen an das Ökosystem Wald herangeführt wird. Mittlerweile verfüge jedes Forstamt in Baden-Württemberg über eine derartige mobile Arbeitshilfe.
Schritt in die Selbstständigkeit
Mit diesen vielfältigen Erfahrungen im Rucksack ist die Waldpädagogin nunmehr freiberuflich in der Pfalz und im Saarland unterwegs: In Programmen auf den Spuren des Waldes lernen die Teilnehmer den Wald als Lebensraum, Klimafaktor und Kulturerbe mit seinen Baumarten und Tieren, mit Licht und Schatten unter den Baumwipfeln kennen. Dabei gehe es auch darum, die Entfremdung vom Wald, der nicht selten als bedrohlich wahrgenommen werde, abzubauen.
In erster Linie an Schulen und Kindergärten richteten sich die Waldtouren, sagt Knapp. Projekttage, mehrtägige Veranstaltungen oder jahreszeitenspezifische Programme könnten gebucht werden, ebenso geführte Waldwanderungen für Gruppen und Vereine. Auch Kindergeburtstage ließen sich im Wald gut feiern. Ein Knirps aus Waldmohr, der fünf wurde, verbrachte gerade mit zwölf anderen Kindern spielerisch und forschend unter Leitung der Forstwissenschaftlerin einen besonderen Waldgeburtstag. Während der drei Stunden in freier Natur wurden Spinnentiere, Käfer und Tausendfüßler unter die Lupe genommen, das Vogelleben oder Bachläufe erkundet.
Wald pur erleben
Derzeit ist Knapp dabei, ein Netzwerk mit Kontakten zu knüpfen: zum Forstamt in Kusel, zur Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, dem Naturfreundehaus in Steinbach, zu Schulen und Kitas in der Region. Über Flyer und ihre zweisprachige Webseite will die Waldpädagogin über ihr Programm auch US-Amerikaner informieren. Das Wichtigste für den Start von „Waldspuren“ aber sei die Mundpropaganda, weiß sie.
Dem aktuellen Hype um das Waldbaden begegnet Knapp eher reserviert – auch wenn in ihrem Firmennamen „WALDsPURen“ schreibt, also Wald pur drin steckt. Heimat dieser Therapiemethode sei Japan, wo ganz andere, nicht mit Mitteleuropa vergleichbare Lebens- und Wohnverhältnisse bestünden, meint sie.