Kusel Sich bei Angriffen zu helfen wissen

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Nach Köln und anderen Vorfällen ist das Sicherheitsgefühl der Deutschen erschüttert. Mittel zur Selbstverteidigung wie Pfefferspray werden verstärkt nachgefragt. Ein anderer, zeitaufwendigerer Weg, sich zu wappnen, sind entsprechende Selbstverteidigungskurse. Verschiedene Schulen bieten solche Kurse auch in Zweibrücken und der Umgebung an. Doch hat die Nachfrage wirklich zugenommen? Wenn ja, wo liegen die Gründe?

„Definitiv ja, die Nachfrage nach Selbstverteidigungsangeboten ist gestiegen“, berichtet Marc Hock, Inhaber und Trainer der Kampfsportschule Zweibrücken. „Wir veranstalten in regelmäßigen Abständen entsprechende Kurse. Zwei bis drei pro Jahr, für gewöhnlich haben die anderthalb Monate Vorlauf. Anfang 2016 haben wir wie jedes Jahr einen Kurs angesetzt, innerhalb von fünf Tagen war er voll. Ein zweiter Termin war ebenfalls innerhalb von fünf Tagen ausgebucht. Mittlerweile haben wir fünf Kurse veranstaltet, drei in Zweibrücken, einen in Kaiserslautern und einen in Pirmasens. Alle waren sehr stark besucht.“ Den Grund für den starken Andrang sieht er in den Vorfällen an Silvester in Köln. „Das war entscheidend. Man weiß auch kaum, was man noch glauben kann. Das sorgt für Unsicherheit und auch Angst.“ Gruppenbelästigung ist dabei ein ganz neues Phänomen und entsprechend hat Hock die Kurse angepasst. Generell rät er, Selbstverteidigungskurse „bei Leuten mit Ahnung zu belegen. Es geht in erster Linie darum, Situationen richtig einzuschätzen, Gefahren zu vermeiden und aus gefährlichen Situationen raus zu kommen. Um Selbstsicherheit, nicht um Selbstüberschätzung.“ Für ihn hat die erhöhte Nachfrage einen bitteren Beigeschmack. „Auf diese Art von Werbung hätten wir sehr gern verzichtet.“ Ob es wirklich an Silvester 2015 liegt, daran zweifelt Helmut Ertel von der Volkshochschule Zweibrücken. „Selbstverteidigungskurse sind eine saisonale Sache, die werden mal mehr, mal weniger nachgefragt.“ Dennoch bietet die VHS dieses Jahr bereits fünf Selbstverteidigungskurse ,Von Frauen für Frauen` an. „Der erste war innerhalb von drei Tagen ausgebucht. Der zweite war ebenfalls direkt voll und die drei, die jetzt noch anstehen, sind ebenfalls alle fast ausgebucht.“ Eigentlich hatte die VHS solche Kurse gar nicht geplant. „Unser Trainer Jan Frenzel, der in Rodalben eine Kampfsportschule betreibt, hat die Idee angesprochen. Denn bei ihm herrscht starke Nachfrage. Wir haben es dann ausprobiert.“ Bei der VHS komme die Nachfrage aber auch daher, dass die Kurse vom Land gefördert werden, also günstiger seien. Viele der Teilnehmerinnen kommen laut Ertel zudem aus der Verwaltung und haben beruflich mit schwieriger Klientel zu tun. „Sie trainieren auf Halde und für ihr Selbstbewusstsein.“ Bei den regelmäßig angebotenen Kinderkursen hat sich gar nichts verändert. „Vormachen müssen wir uns allerdings nichts. Wir bleiben an dem Thema dran, bieten weiterhin an und schauen, ob es so bleibt. Sich selbst verteidigen zu können, ist generell nicht schlecht“, sagt VHS-Leiter Ertel. Ganz normal wie bisher läuft währenddessen das Geschäft bei Michael Hecht, der in Homburg Taekwondo lehrt. „Man merkt überhaupt nichts, wir haben wie immer mehrere Kurse und die sind wie immer voll. Auch sind bei uns mehr Kinder, weniger Erwachsene.“ Außerdem werde Taekwondo eher als Kampfsport, weniger als Selbstverteidigung wahrgenommen. „Die Leute ziehen sich nach Ereignissen wie in Köln eher zurück oder machen was anderes, Krav Maga oder Alpha Combat“, vermutet Hecht. Die Nachfrage nach Kursen kann er aber nachvollziehen. „An Silvester war ich mit Bekannten, darunter auch Frauen, in Saarbrücken am Schloss unterwegs. Da waren extrem viele Jugendliche und in zwei Stunden haben wir selbst drei plumpe Anmachen erlebt. Junge Männer haben sich unvermittelt ganz dicht vor die Frauen gestellt und sie einfach nur angestarrt. Das war ein sehr unangenehmes Gefühl, weil die vermehrt in Gruppen unterwegs waren.“ Auch bei Michael Stäudel, Inhaber der Shotokan-Schule Homburg, hat sich nichts verändert. „Bei uns sind weder die Nachfragen noch die Anmeldungen merklich angestiegen“, berichtet er. Andreas Kiefer vom WingTsun-Zentrum in Zweibrücken macht ganz bewusst keine Werbung und bietet auch keine Lehrgänge an. Ereignisse wie in Köln will er nicht als Geschäftsanlass nehmen. Daher „ist der Hype bei uns zum Glück noch nicht angekommen“. Von einem generellen Ansturm auf Selbstverteidigungskurse weiß auch Homburgs Pressesprecher Jürgen Kruthoff nichts zu berichten. „Unsere Frauenbeauftragte Anke Michalsky bietet dieses Jahr einen Kurs in Selbstverteidigung für Frauen an. Doch obwohl er bereits mehrfach angekündigt wurde, waren vor einigen Tagen noch immer Plätze frei. Sie arbeitet hier mit dem Polizeisportverein Neunkirchen zusammen, dort wiederum war der Kurs direkt voll. In Homburg dagegen scheint der Bedarf nicht so groß zu sein und es besteht kein Druck aus der Bevölkerung“, berichtet Kruthoff.

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