Kusel
Schostakowitschs 15. Sinfonie in einer Kammermusikversion in Kusel
Sonia Achkar tritt immer wieder mit Werken der zeitgenössischen Musik auf und findet es wichtig, dass man als Künstler der zeitgenössischen Musik gegenüber offen ist. „Man muss sich die Frage stellen: Was machen die Komponisten aus dieser Welt? Und das ist bereichernd und förderungswürdig, man muss das den Leuten nahebringen. Musik ist ein Abbild der Erlebnis- und der inneren Gefühlswelt. Diese Erfahrungswelt soll man auf die Bühne bringen.“ Das ist ein Herzensanliegen von Sonia Achkar, die sagt: „Die Musik soll nicht nur gefallen, sondern auch wecken oder auch außermusikalische schockierende Ereignisse und Themen transportieren.“
Sonia Achkar selbst ist schon relativ früh mit zeitgenössischer Musik in Berührung gekommen. „Im Studium hab' ich mich natürlich damit beschäftigt, aber auch vorher schon bei Jugend musiziert und in Wettbewerben. Dann hab' ich festgestellt, dass das viel Spaß macht. Man kann neue Spiel- und Ausdrucksweisen des eigenen Instruments entdecken, erproben und teilen.“
„Schon fast ein Orchester“
Auf die Frage, wie sie damit umgeht, wenn Zuhörer sich der zeitgenössischen Musik verweigern, lächelt sie. „Wenn man das eine oder andere in den Moderationen erklärt und die Leute mitnimmt auf die Reise, funktioniert es.“ Davon ist sie überzeugt.
Für die 15. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch als Hauptwerk ihres Konzertes hat sie sich entschieden, weil sie hier mit Achim Seyler gemeinsam auftreten kann. „Das ist schon eine schlagzeug-lastige Sinfonie, das ist ein Dialog. Das Werk hat sehr vielschichtige Farben, und man kann schon fast ein Orchester mit der Mischung unserer beiden Trios darstellen. Außerdem ist der Schostakowitsch sehr rhythmisch, da geht“s schon ab, da kann man auch die Leute gut mitnehmen.“
Idee aus der Elbphilharmonie
Achim Seyler, der in Langenbach lebt, hat bei einem Konzert mit dem Ensemble Resonanz in der Elbphilharmonie in Hamburg von der Kammermusikversion dieser Schostakowitsch-Sinfonie erfahren. „Das hat mich auf die Idee gebracht, Sonia zu fragen, ob wir nochmal so ein Konzert wie letztes Jahr in Kusel machen wollen. Und wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir ein Programm darum herum bauen. Unsere Trios sollen ja auch noch was spielen.“
Achim Seyler ist erst relativ spät mit der zeitgenössischen Musik vertraut geworden. Aber er hatte immer den Wunsch, etwas Moderneres zu spielen - „nicht nur Sachen von vor 200 Jahren“. Außerdem hat das Schlagzeug im klassischen Orchester nicht so viel zu tun wie in der zeitgenössischen Musik. „Die experimentellen Sachen gab es erst ab dem 20. Jahrhundert.“
Ein Schlüsselerlebnis für ihn war „Ionisation“ für 13 Schlagzeuger von Edgar Varèse, das er in der Südwestfunksendung Studio für Neue Musik gehört hatte. „Das fand ich beeindruckend, das war Musik, die ich so in dieser Form nie gehört hatte.“ Auch Igor Strawinskys „Le Sacre du Printemps“, dessen Rhythmen mit ihrem maschinellen Charakter wie ein Vorbote des Ersten Weltkriegs auf ihn gewirkt haben, fand er sehr interessant. „Kann man das studieren? Wo lernt man das?“ Achim Seyler suchte nach Unterrichtsmöglichkeiten. Und mit der Tätigkeit beim Schlagzeugquartett ist er dann endgültig in die zeitgenössische Musik hinein gerutscht. „Das ist total spannend, manchmal werden auch Stücke für einen geschrieben. Irgendwann bin ich dabei geblieben.“
Von Sonia Achkar hatte Achim Seyler zwar schon früh gehört, doch engeren Kontakt zu ihr hatte er erst vor vier oder fünf Jahren. „Das war beim Kreisjugendmusikwettbewerb. Da wurde ich für die Jury angefragt, und Sonia war auch Mitglied.“ Und daraus hat sich eine Zusammenarbeit entwickelt, bereits zum zweiten Mal treten die beiden Kuseler gemeinsam in der Fritz Wunderlich-Halle auf, dieses Mal mit ihren Trios.