Kusel Schnell von Fremden zu Fans geworden
Am Fußballspiel interessiert, mit dem Betze-Virus infiziert, in die Fangemeinde integriert: Das trifft auf die 20 Flüchtlinge und ehrenamtlichen Helfer des Bosenbacher Netzwerks Asyl zu, die am Freitagabend auf Einladung von Lotto Rheinland-Pfalz das Heimspiel des FCK gegen Fortuna Düsseldorf live im Fritz-Walter-Stadion verfolgen.
Etwas ungläubig sitzen die Asylsuchenden an den reservierten Tischen des Lotto-Treffs in der Nordtribüne. „So big“, „so groß“, sei das Stadion, sagt einer der jungen Männer zurückhaltend. Mit vier Kleinbussen sind die 20 Personen – Flüchtlinge aus Somalia, Zentralafrika, dem Kosovo, Albanien, Pakistan und Ägypten sowie ehrenamtliche Helfer des Bosenbacher Netzwerks Asyl – in die Barbarossastadt gekommen, um die Roten Teufel anzufeuern. Im August hatte Stefan Schwarze, Leiter der Lotto-Zweigstelle in Kaiserslautern, die Gruppe eingeladen. „Das ist eine tolle Idee, den Menschen einen solchen Abend zu ermöglichen“, sagt Norman Roth, Pfarrer in Jettenbach und Koordinator der Netzwerkarbeit – eine Karte kostet immerhin 240 Euro. Er habe auch nicht lange suchen müssen, um genügend Fußballbegeisterte zu finden: Sowohl Bewohner aus Bosenbach als auch Jugendliche, die in einer Wohngruppe des CJD in Eßweiler untergebracht sind, folgten der Einladung nur allzu gern. „Wir laden zu jedem Heimspiel Gäste und Gruppen ein, die sich sozial engagieren. Durch die Aktualität des Themas ist es aber ein ganz besonderer Abend“, sagt Lotto-Mitarbeiter Stefan Schwarze. Noch 15 Minuten bis zum Spiel. Von der Westkurve dringen Fangesänge in den VIP-Bereich. Das Buffet ist mittlerweile geplündert, die Teller geleert. „Jetzt kann es losgehen. Wir gehen raus“, wirft Roth in die Runde. Noch ein Erinnerungsfoto, für das sich auch FCK-Legende Hans-Peter Briegel zur Gruppe gesellt, dann geht’s ins Stadion. Die Westkurve stimmt gerade „You’ll never walk alone“ an, hält die Schals in die Höhe – ein Gänsehautmoment. Die Gruppe reagiert unterschiedlich auf das Treiben im Stadion. Die meisten scheinen die Situation erst einmal einordnen zu wollen. Ein komplett anderes Bild vermittelt Ahmed Bachir, der sofort vom Betze-Virus infiziert ist. Der 25-Jährige reißt seinen Schal nach oben und grölt mit. „Olé, olé, …“ Der Zentralafrikaner stimmt mit „FCK, FCK, FCK“ seinen eigenen Fangesang an. Aufmerksam beobachtet auch Sajid Ali Orakzai das Geschehen auf dem Platz. „Ich kenne die Regeln nicht. In meinem Heimatland wird eher Cricket gespielt“, sagt der 23-jährige Pakistani. „Aber es ist toll, wie die Leute gemeinsam feiern. Das ist ein Gefühl von Freiheit“, ergänzt er in Englisch. Dann wird es wieder laut. Nach einem Konter fällt das 1:0 für den FCK. Alle springen auf, jubeln, schreien, fallen sich in die Arme. Ahmed Bachir springt auf seinen Sitz, klatscht alle ab, die um ihn herumstehen und ruft laut „FCK, FCK, FCK.“ Fußball sei seine Leidenschaft. „Das macht mich glücklich“, sagt er in gebrochenem Deutsch. Pfarrer Roth ergänzt, dass der 25-Jährige hin und wieder auch für die SG Föckelberg/Bosenbach am Ball ist. Halbzeit. Im Lotto-Treff werden Getränke gereicht, und die Gruppe zieht ein Zwischenfazit. „Das ist für alle sicher ein Erlebnis, das sie nie vergessen werden“, sagt Rosi Dick, „das lenkt etwas von dem ab, was sie bereits erleben mussten.“ Mit breitem Grinsen auf dem Gesicht setzt sich Ahmed Bachir zur Gruppe. „Alles okay. FCK gewinnt“, ist er überzeugt. Und er behält recht. Bis zum Spielende darf die Gruppe noch zweimal jubeln. Auch die, die anfangs noch etwas schüchtern wirkten, sind nun mit Feuereifer bei der Sache. „Ein sehr guter Abend, wir gewinnen“, wirft nun auch Arsim Kinolli ein. Das Spiel ist vorbei. „Tschüss Düsseldorf. Danke Kaiserslautern“, sagt Bachir, der vom lauten Rufen mittlerweile heiser ist. Auch Stefan Schwarze ist zufrieden. „Das ist eine tolle Gruppe, die viel Stimmung gemacht hat. Und das Ergebnis hat ja auch gestimmt.“ (hlr)