Kusel „Sanierung 20 Jahre zu spät“

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Lauterecken. Über 60 Geschäfte, Dienstleister und Betriebe mit Sitz in der Stadt Lauterecken beteiligen sich an der Werbegemeinschaft Erlebnis Lauterecken (erlebnis-lauterecken.de). Die Innenstadt lohne nach den städtebaulichen Investitionen einen Besuch, sagt deren Vorsitzender Stefan Jacob. Für die ortsansässigen Geschäfte sieht Jacob dennoch eine düstere Zukunft.

Wie beurteilen Sie die wirtschaftliche Entwicklung in der Innenstadt?

Die Ladengeschäfte werden weniger. Das ist kein Problem allein von Lauterecken, sondern ein bundesweites. Wir leiden unter identischen strukturellen Problemen:. Landflucht und auch Internethandel. Die Kunden kommen zwar in die Läden, um sich beraten zu lassen. Aber sie kaufen, wo es am billigsten ist. Über Anbieter, die keine Beratung leisten. Die muss ja auch bezahlt werden. Deshalb auch der Werbeslogan von Erlebnis Lauterecken: Durch ihren Einkauf um die Ecke sagen Sie ja zu unserer Region. Jeder, der das Sterben der kleinen Innenstädte beklagt, muss sich klar sein, dass sie leben können, wenn auch jemand dort kauft. Das sichert Arbeitsplätze vor Ort. Wie steuert die Werbegemeinschaft gegen? Der Ansatz ist, über Aktionen wie Verlosungen Leute in die Geschäfte zu bringen. Wir geben Gutscheine aus und veranstalten verkaufsoffene Sonntage mit Programm. Natürlich muss man dafür Geld in die Hand nehmen. Unser Budget beträgt nicht mehr als 800 bis 1000 Euro im Monat. Es geht darum, die Innenstadt lebendig zu halten. Die Kunden dürfen den Weg in die Innenstadt nicht verlieren. Viele Besucher auf der Draisinenstrecke etwa kommen nicht weiter als bis zum Bahnhof. Die Innenstadt wurde in den vergangenen Jahren aber verschönert. Beispiel Schloss. Die Innenstadt ist heute sehr schön. Die Stadt lohnt einen Besuch. Allerdings kam die Sanierung 20 Jahre zu spät. Was in der Zwischenzeit verloren gegangen ist, kann man heute nicht mehr aufholen. Das ist vorbei. Das klingt pessimistisch. Ich gehe davon aus, dass es in zehn Jahren in der Innenstadt keine Fachgeschäfte mehr geben wird. Es gibt allgemein wenig junge Leute in der Stadt und den Dörfern drumherum. Der Nachwuchs fehlt, in der Geschäftsnachfolge und in der Kundschaft. Wir merken das in unserem eigenen Geschäft auch stark. Porzellan etwa hat nicht mehr den Stellenwert wie früher. Jüngere Kundschaft zieht es eher zu Ikea. Viele Handwerksbetriebe und Dienstleister aus unserer Werbegemeinschaft haben ihr Geschäftsgebiet schon weit in die Vorderpfalz ausgeweitet, weil die heimischen Aufträge das Geschäft nicht tragen. Die verbliebenen Geschäfte in der Innenstadt werden wohl nicht weitergeführt werden, ich sehe zurzeit nirgendwo Nachwuchs. Lautereckens Innenstadt steht auch im Ruf, speziell im Gastronomiebereich nicht die besucherfreundlichsten Öffnungszeiten zu haben. Das hängt vom jeweiligen Betreiber ab. Jeder gestaltet seinen Betrieb selbst. Wir können niemanden die Öffnungszeiten vorschreiben. Auch der Einzelhandel hat ja am Mittwochnachmittag traditionell geschlossen. Es soll ja nun noch ein Café eröffnet werden. Vielleicht wird es dann besser. Sonntagsausflügler bringen für die Fachgeschäfte keinen direkten Nutzen. Durch einen Bummel werden sie aber natürlich auf das Angebot aufmerksam. Wünschen Sie sich mehr Unterstützung von der Stadt? Die Stadt kann meiner Meinung nach wenig tun. Sie ist kein Unternehmen. Wir erhalten bei Aktionen schon viel Unterstützung. Wobei wir feststellen, dass etwa kurzfristige Werbemaßnahmen, zum Beispiel durch Werbebanner oder Hinweisschilder, sich durch die stadtplanerischen Vorgaben jetzt nicht mehr ganz so einfach gestalten. Da muss viel abgestimmt werden, weil alle Interessen unter einen Hut zu bringen sind. Auch die der Stadtplaner. Zur Person Stefan Jacob ist 57 Jahre alt. Gemeinsam mit seiner Frau Marion führt er das 1860 gegründete Traditionsgeschäft Friedrich Kirchner in der Bahnhofstraße Lauterecken (www.kirchner-shop.de) mit einer Angestellten. Das Sortiment umfasst Porzellan, Glas, Geschenke, Hausrat und Küchenaccessoires sowie Werkzeuge, Eisenwaren, Befestigungsartikel und Stahl. Angegliedert ist ein Paket-Shop. |kgi

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