Kusel
Rettungshubschrauber fliegt seit einem Monat von Eßweiler aus
Seit 2. September ist „Christoph 66“, der Hubschrauber der ADAC Luftrettung, nun bereits in Eßweiler stationiert. Die erste Bilanz fällt von allen Seiten positiv aus. Die meisten Einsätze fliegt der Helikopter im Kreis Kaiserslautern, der Kreis Kusel folgt an zweiter Stelle.
„Wir sind gut am fliegen“, berichtet Rüdiger Neu, Regionalleiter Flugbetrieb Südwest bei der ADAC Luftrettung. Im Durchschnitt habe man 4,5 Einsätze pro Tag. Und auch Ortsbürgermeister Peter Gilcher hat nur Gutes zu berichten. Die fliegenden Lebensretter seien kaum zu hören, sie so nah am Ort zu wissen, hingegen beruhigend. In Eßweiler selbst wurde der Heli zwar noch nicht gebraucht. „Aber in Offenbach-Hundheim war er soweit ich weiß schon im Einsatz“, berichtet Gilcher.
126 Einsätze bislang
Das „Revier“ von „Christoph 66“ ist der Rettungsbezirk Kaiserslautern. Seit der Stationierung in Eßweiler sei der Helikopter zu 126 Einsätzen abgehoben. „Davon waren 23 sogenannte Sekundäreinsätze – also Patientenverlegungen. In 60 Fällen haben wir den Patienten versorgt, aber nicht im Heli transportiert. Dazu kommen 35 Fälle, in denen der Patient auch im Hubschrauber mitgeflogen ist“, zählt Neu auf.
Fehlen noch acht Einsätze, um auf die von Neu angegebene Zahl 126 zu kommen. „Das waren die klassischen Fehleinsätze“, erklärt der Regionalleiter. „Also Fälle, wo wir schon unterwegs waren und von der Leitstelle wieder abberufen wurden, weil es für uns vor Ort – aus welchen Gründen auch immer – nichts oder nichts mehr zu tun gab.“ Solche Fehleinsätze seien zwar ärgerlich, ließen sich aber nicht vermeiden. „Wir stehen mit sechs Prozent aber noch richtig, richtig gut da. Zum Vergleich: Es gibt auch Helikopter an anderen Standorten, die zum Teil eine Fehleinsatzquote von über 30 Prozent haben“, weiß Neu.
Kaiserslautern und Kusel vorne
Im Landkreis Kaiserslautern hatte man befürchtet, dass die Versorgung leiden könnte, wenn der Helikopter aus Eßweiler startet. Bis Ende August war noch der Helikopter der Johanniter Lufthilfe für den Einsatzbereich zuständig. Und der war bekanntlich in Sembach, also wesentlich näher an der Barbarossastadt, stationiert. Doch Neu kann beruhigen. „Ein Blick in unsere Statistik zeigt, dass wir nach wie vor hauptsächlich im Landkreis Kaiserslautern unterwegs sind – genauer gesagt in 24 Prozent unserer Einsätze“, erklärt der Regionalleiter. Auf Rang zwei liege der Landkreis Kusel mit 17 Prozent, gefolgt vom Donnersbergkreis (16 Prozent) und Bad Kreuznach (15 Prozent). „Wir hatten auch einzelne Einsätze beispielsweise in Worms, Pirmasens oder Frankenthal, aber hauptsächlich sind wir eben in den Kreisen Kaiserslautern und Kusel unterwegs.“
Keine Klagen im Ort
Auch in Eßweiler gab es im Vorfeld Bedenken. Allerdings nicht wegen der Versorgung, sondern eher wegen des möglichen Lärms. Doch das seien nur wenige Stimmen gewesen. „Die meisten Einwohner sehen die Stationierung nach wie vor positiv“, berichtet Ortsbürgermeister Peter Gilcher. Von Lärmbelästigung könne seiner Meinung nach keine Rede sein. „Ich höre ihn ab und an mal von weitem, aber eine Lärmbelästigung ist das nicht.“ Das hört auch Neu gerne, schließlich gebe man sich alle Mühe, den Lärm in Grenzen zu halten. „Zum einen ist der Flugplatz weit genug vom Ort entfernt, und zum anderen steigen wir nach Möglichkeit direkt nach dem Start auf unsere Flughöhe, so dass im Ort eigentlich kaum etwas zu hören sein dürfte.“ Ohnehin vermeide man direkte Überflüge. „Wir fliegen wirklich nur direkt über den Ort, wenn es gar nicht anders geht“, versichert der Regionalleiter Flugbetrieb.
Infrastruktur wächst
Um die notwendigen Voraussetzungen für die jeweiligen Besatzungen zu schaffen, musste die ADAC Luftrettung auf dem Flugplatz in Eßweiler auch so einiges an Infrastruktur aufbauen. „Da das aber zunächst ja nur eine Art Testbetrieb ist, behelfen wir uns da zurzeit mit zwei Wohnwagen, die als Ruheräume, und zwei weiteren, die als Büro und Aufenthaltsraum dienen“, erklärt Neu. Dazu komme ein Sanitärcontainer. Außerdem stehe der Tanklastwagen mittlerweile auch in Eßweiler und als Nächstes solle, unter anderem für Landungen bei „arg matschigem Untergrund“, noch eine „kleine Abstellfläche“ asphaltiert werden.
Ganz nebenbei sind auch Arbeitsplätze entstanden. Aus den sechs sogenannten Luftraumbeobachtern, die es zum Start Anfang September waren, sind laut Neu mittlerweile zehn geworden. „Diese Luftraumbeobacher sind gesetzlich vorgeschrieben“, erklärt der Regionalleiter. „Sie arbeiten im Schichtdienst – immer zwei pro Tag – und ihre Aufgabe ist es unter anderem, bei Starts und Landungen für Sicherheit zu sorgen; zum Beispiel die Feuerlöschmittel bereit zu halten, um in einem eventuellen Notfall sofort zur Stelle sein zu können.“