Kusel
Redaktion vor Ort in Wiesweiler: Kritik an fehlendem Engagement im Dorf
Welch ein Auflauf in Wiesweiler: Rund 50 Besucher kamen am Freitagnachmittag zu Redaktion vor Ort am Fischerplatz. Für den meisten Spaß sorgte allerdings eine Gruppe, die ganz zufällig beim RHEINPFALZ-Stand dazu stieß.
Der Nachmittag begann mit einem Unfall. Mit einem Auffahrunfall auf der Draisinenstrecke. Denn Burkhard Schohl, langjähriger Leiter der Autobahnmeisterei in Landstuhl, hatte zu seinem Ruhestand im November von drei befreundeten Kollegen benachbarter Straßenmeistereien – darunter der Kuseler Chef Gerhard Bell – einen Gutschein für eine Draisinenfahrt geschenkt bekommen. Und der wurde an diesem Tag eingelöst. Auf der Elektrodraisine.
Als Schohl den RHEINPFALZ-Stand sah, ließ er sofort anhalten. Zu schnell für die nachfolgende Draisine, die prompt, einigermaßen sanft, auffuhr und die mitgeführten Flaschen auf dem Gefährt zum Wippen brachte – unter dem Gelächter der Standbesucher. So war schnell für Gesprächsstoff gesorgt mit jenen, „die immer für die Straßensperrungen zuständig sind“, wie sie sich amüsiert ankündigten.
Das fröhlich gestimmte Quartett sorgte nach dem obligatorischen Kaffee nochmals für einen Lacher. Als es die unhandliche Elektrodraisine nur mit sehr viel Mühe und zusätzlicher Hilfe wieder ins Gleis bekam. Mit dem Spott, man könne froh sein, dass sie allesamt für Straßen und nicht für Schienen zuständig seien, konnten sie gut leben.
Klahr wartet auf die Stimmen
Fast hätte es sogar für eine politische Nachricht gereicht. Doch Ortsbürgermeister Ingfried Klahr wollte sich dann doch nicht zu der Zusage hinreißen lassen, wieder für das Amt zur Verfügung zu stehen. „Erst einmal sehen, wer wie viele Stimmen bekommt“, sagte er mit Blick auf die Bürgermeisterwahl durch den Gemeinderat. Wie ein klares Dementi klang das nicht, das Amt nach 25 Jahren noch ein letztes Mal zu übernehmen, wenn der Wähler und seine Ratskollegen das so wollen.
Die Zugezogenen sieht man nicht
Über die „quasi nicht existente Dorfgemeinschaft“ beklagte sich Manfred Schneider. Er lobte zwar ausdrücklich den Einsatz der Mitglieder des Gemeinderates, die freitagabends und sonntagmorgens das Dorfgemeinschaftshaus zu einer Gastwirtschaft machen, „aber wenn wir uns freitags zum Kartenspielen treffen, sind wir oft nur vier Leute“, haderte Schneider. Die einstigen Leerstände im Ort seien zwar mittlerweile wieder alle bewohnt, allerdings sehe man die Zugezogenen im Ort nie.
Ganz ähnlich bewertete das Heiner Böhmes, der vor fünf Jahren von Hütschenhausen nach Wiesweiler gezogen war. Seiner Ansicht nach könnte die Gemeinschaft noch besser, vor allem könnte aber das Engagement der Bevölkerung größer sein. „Es wird immer gerufen, der Gemeinderat soll was tun, aber selbst mal mit anpacken will kaum einer.“ An sich gefalle es ihm sehr gut in Wiesweiler, „nur die B 420, an der wir wohnen, ist ein Problem. Sonntags gemütlich draußen sitzen ist wegen der vielen Motorräder kaum möglich.“
Hundekot auf Spiel- und Bouleplatz
Ein Problem, das von mehreren Besuchern angesprochen wurde, ist ein unappetitliches. „Auf dem Spiel- und dem Bouleplatz müssen wir regelmäßig Hundekot entfernen, genau wie am Bahnweg, wo wir einen Garten haben“, beklagte sich Schneider, der sich gleich mehrere Punkte auf einen Zettel geschrieben hatte, um sie bei der Redaktion vor Ort anzusprechen. „Das ist auch auf dem Bürgersteig am Friedhof so“, pflichtete Karl Clodius bei, der 1960 aus Niedersachsen nach Wiesweiler gezogen war und seither RHEINPFALZ-Leser ist, wie er berichtete.
Ärger über die Verschmutzer
Das Thema Hochwasserschutz ist eines, das Rolf-Jürgen Gilcher beschäftigt. „Heftige Unwetter kommen ja immer häufiger vor und Flutgräben haben wir in Wiesweiler eigentlich genug – allerdings werden die so gut wie nicht gepflegt“, beklagte Gilcher. Außerdem falle ihm auf dem Arbeitsweg nach Kusel häufig auf, dass an vielen Stellen immer wieder illegal Müll entsorgt werde. „Überall wird von Umweltschutz geredet, aber manche entsorgen ihren Unrat einfach in der Natur, das muss doch nicht sein.“ Ebenso wenig könne er verstehen, dass die Parteien alle den Umweltschutz im Programm hätten, vor der Wahl aber wieder alles mit Plakaten zugepflastert sei – von Flyern und anderen Werbemitteln ganz zu schweigen.