Kusel „Quantensprung der Stadtentwicklung“
Das war weit mehr als nur wohlklingende Zukunftsmusik, die der Kuseler Stadtrat am Dienstag gehört hat: In den Büros der Firma Zimmer in Steinwenden trommeln die Verantwortlichen bereits auf die Schreibtischplatten. Sie möchten schnellstens loslegen, um einen Schandfleck aus dem Bild der Kuseler Innenstadt zu tilgen. Wie sich der frühere VKE-Komplex in der Bahnhofstraße präsentieren soll, war am Dienstagabend ebenso Thema wie die Gestaltung des einstigen Brauerei-Gemäuers am Rosengarten.
Von einem regelrechten „Quantensprung in Sachen Stadtentwicklung“ sprach Ulrike Nagel. Die Stadtbürgermeisterin hatte zur Sitzung Repräsentanten der Zimmer Hoch- und Tiefbau GmbH sowie der Bauunternehmung P.A. Budau (Idar-Oberstein) geladen. Die beiden Unternehmen wollen dafür sorgen, dass zum einen der marode Komplex der früheren Vereinigten Kuseler Eisenwarenhandlungen (VKE) zwischen Bahnhofstraße, Hofacker und Grabenpfad verschwindet. Zum anderen sollen die vor sich hin gammelnden Gebäude der früheren Emrich-Brauerei zwischen Bahnhofstraße, Kreisel, Niederhofer- und Lehnstraße einem Neubau-Komplex Platz machen. Damit einhergehend sollen gut 20 Wohnungen sowie respektabel große Gewerbeflächen entstehen. Und: Die Lebenshilfe darf sich auf ein modernes Domizil mit bedarfsgerechten Wohneinheiten für Behinderte freuen. Wie mehrfach berichtet, hatte die Stadt die frühere „Untere VKE“ im Frühling im Zuge einer Zwangsversteigerung erworben. Die Stadtbürgermeisterin hatte früh davon gesprochen, dass es ernsthafte Interessenten gebe. Tatsächlich ging es sehr schnell, jetzt steht der Investor schon fest. „Wir hatten sowieso in Kusel tätig werden wollen. Hier sind wir ja auch verwurzelt, haben viele Mitarbeiter aus dem Kuseler Land“, sagte Stefan Becker gestern im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Becker ist Architekt, fungiert bei Zimmer als Leiter für den Projektbau, also alle (schlüsselfertigen) Bauvorhaben, die die Firma in Eigenregie stemmt. Becker erläuterte das Vorhaben vorm Stadtrat eingehend, erntete dabei für die Form der Präsentation mit dreidimensionalen Computergrafiken ausdrückliches Lob. Die Pläne sehen vor, dass das markante Gebäude, das zuletzt die „Halle der Gelegenheiten“ beherbergt hat, in seiner momentanen Gestalt erhalten bleibt. Allerdings muss es komplett entkernt und mit einem neuen Dach versehen werden. Die Grundmauern aber bleiben bestehen. Die restlichen Gebäude – Hallen, die sich entlang des Grabenpfades Richtung Schwebelstraße ziehen – werden abgerissen. Dort entsteht in einem stumpfen Winkel zum repräsentativen Eckhaus ein neuer Trakt. Im Erdgeschoss des sanierten „Altbaus“ soll eine Gewerbefläche – 609 Quadratmeter groß – gewerblichen Zwecken dienen. Bevorzugt werde, so erläuterte Becker, eine gastronomische Nutzung. „Wir haben nach Interessenten Ausschau gehalten. Es gibt schon welche“, sagte Becker gestern. In den beiden Obergeschossen sollen Wohnungen entstehen. Ausschließlich Wohnraum – alles in allem 1090 Quadratmeter – wird im Neubautrakt geschaffen. Das Projekt „Wohnen am Grabenpfad“ sieht, verteilt auf zwei Obergeschosse und ein etwas zurückversetztes Staffelgeschoss darüber, zehn Wohnungen vor. Im Erdgeschoss sind, hinter einer Mauer dem Blick entzogen, Autostellplätze geplant. Ein Treppenhaus im „Gelenk“ zwischen dem sanierten Haus und dem Neubautrakt weist einen Fahrstuhl auf. Die Wohnungen sind allesamt über einen außenliegenden „Laubengang“ zu erreichen; also einen offenen Flur, der zum Grabenpfad hin mit Fassadenelementen verkleidet werden soll. Das Unternehmen sei an einer schnellstmöglichen Verwirklichung interessiert, betonte Becker. „Sobald die Tinte unter dem Vertrag trocken ist, wollen wir in die Planung gehen“, so der Projektleiter. Sei der Kaufvertrag besiegelt und die Immobilie von der Stadt in den Besitz der Firma übergegangen, wolle man noch in diesem Jahr in die Vermarktung einsteigen, möglichst schon im kommenden Frühling Baumaschinen anrollen lassen. Schnell gehen soll es auch am Rosengarten. Paul Uwe Budau, Geschäftsführer der Firma P.A. Budau, erläuterte das Rosengarten-Projekt. Dort soll, wie berichtet, die alte Bausubstanz abgerissen werden. Auf den gewohnten Grundrissen soll entlang der Bahnhofstraße neu gebaut werden. Der Vertrag mit der Lebenshilfe als „Ankermieter“ sei bereits unter Dach und Fach, sagte Budau. Geplant sind auch Gewerbeflächen – Stichwort Eisdiele – und Wohnungen.