Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Porträt: Ursula Froese-Hübner führt 40 Jahre in Kusel ihren eigenen Friseursalon

Geht nach 48 Berufsjahren in Ruhestand: Ursula Froese-Hübner.
Geht nach 48 Berufsjahren in Ruhestand: Ursula Froese-Hübner. Foto: Sayer

Dass die Haare perfekt geschnitten sind und in einem aparten Graublau schimmern, verwundert nicht. Schließlich ist Ursula Froese-Hübner Friseurin aus Leidenschaft. Nach 48 Berufsjahren und 40 Jahren mit eigenem Salon geht sie jetzt in Ruhestand. Die Schere an den berühmten Nagel hängt sie aber noch nicht.

Ursula Froese-Hübner kommt aus Kusel-Diedelkopf. Ihr Vater war Schneidermeister – die Liebe zum guten Aussehen war ihr also quasi in die Wiege gelegt. Als 15-Jährige begann sie ihre Friseurlehre beim Salon Kappes in Steinbach. Danach arbeitete sie bei Voborsky in Kusel – „damals noch unter dem alten Chef“ – und in Ramstein beim Salon Budell. Es folgte der Besuch der Meisterschule in Kaiserslautern, den sie im Juli 1978 mit dem Meisterbrief abschloss. Am 10. Mai 1979 machte sie sich in der Bahnhofstraße 47 in Kusel selbstständig – und behielt den Salon 40 Jahre lang.

Stammkundschaft aufgebaut

Dass das Geschäft etwas versteckt im Hinterhof liegt, empfand sie nie als Nachteil. Im Gegenteil, dies habe eine private Atmosphäre geschaffen. „In Kusel hat man keine Laufkunden, man lebt von Stammkundschaft“, erzählt die 63-Jährige. Und die habe sie sich aufgebaut. Sie startete damals gleich mit zwei Mitarbeiterinnen und zwei Lehrlingen. „Ich brauchte sogar eine Genehmigung, um ausbilden zu dürfen, weil ich noch so jung war“, erinnert sie sich. All die Jahre hindurch habe sie stets zwei, drei Auszubildende gehabt. In Hoch-Zeiten beschäftigte Froese-Hübner 15 Personen. Unter all den Leuten waren übrigens nur zwei Männer: ein Auszubildender und ein Geselle.

„Früher sind die Frauen alle sechs Wochen zum Friseur gegangen – und zwischendurch wurden die Haare nicht gewaschen“, erinnert sich die Meisterin mit Grausen. Dauerwellen, Färben und Tönungen waren gefragt – ihr fällt spontan ein Farbton namens „Chinchilla“ ein, ein tiefes Violett, das eine Zeit lang sehr gefragt gewesen sei. Dauerwellen ließen sich heute nur noch Ältere legen, aber sogenannte Stützwellen gebe es auch für längeres Haar. Allein: „Das kann heute kaum noch einer.“ Mit ihr werden sich auch viele Kundinnen noch an die ersten Farb-Strähnen erinnern, die durch eine Badekappe gezogen wurden – und es ziepte gehörig.

„Glatzkopf mit Vorgarten“

„Es kommt alles wieder“, sagt Ursula Froese-Hübner, auf die immer neuen Moden auch bei den Frisuren angesprochen. Da in ihrem Salon stets auch Männer frisiert wurden, weiß sie, dass das, was heute Undercut heißt, früher einmal als „Glatzkopf mit Vorgarten“ bezeichnet wurde. Wie eignet man sich immer wieder die neuesten Trends an? Die 63-Jährige erzählt, dass sie keine Schulungen mehr gebraucht habe: „Ich gucke mir eine Frisur an, dann weiß ich, wie es geht.“ Überhaupt würde sie sich, wenn sie selbst zum Haareschneiden ginge, immer eine ältere Kollegin aussuchen: „Die hat alles drauf.“

„Haareschneiden ist eine Kunst“, sagt sie mit Überzeugung. Und findet es gut, wenn in einem Salon die Mitarbeiterinnen ihrer Kreativität freien Lauf lassen und nicht jedem Kunden die Frisur machen, die gerade in ist.

Auch als Psychologin gefragt

Überhaupt: das Verhältnis Kunde – Friseur. Dabei sei Vertrauen das Wichtigste. Man müsse immer sagen: „Es ist Ihr Kopf“, sonst vergraule man die Leute. Beratung sei immens wichtig, eine Veränderung gehe nicht von heute auf morgen, zum Beispiel, wenn sich eine Kundin entscheide, die Farbe herauswachsen zu lassen und grau zu tragen.

Oft ist die Friseurin auch Psychologin: „Die Leute erzählen von Familie, Beruf, finanziellen Problemen, Kümmernissen. Und man muss schweigen können“, berichtet sie. Und fragt sich, warum man gerade beim Friseur soviel loslässt – vielleicht wegen der entspannten Atmosphäre samt Kopfmassage.

Nachfolgerin gefunden

Loslassen muss nun auch die 63-Jährige. Was ihr aus mehreren Gründen nicht schwer fällt. Sie hat eine Nachfolgerin gefunden: Simone Diel aus Kirn baut bereits das Geschäft in der Bahnhofstraße um, will es im Dezember neu eröffnen. Bis Ende des Jahres noch wird Ursula Froese-Hübner jeden Montag im Kuseler Seniorenheim Zoar Haare schneiden. Das tut sie bereits seit sieben Jahren. Und ihre teils hochbetagten Kunden hätten schon Sorge, wer dann komme, wenn sie aufhöre. Denn sie weiß: „Mit ihnen muss man ganz behutsam umgehen.“

Doch sie verhehlt auch nicht, dass sie nach fast 50 Jahren im Beruf, 50 bis 60 Arbeitsstunden pro Woche und im Schnitt 28 Kunden pro Tag auch mal an sich denken will: „Ich bin froh, dass ich so alt bin und jetzt mal rauskomme.“

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