Kusel Per Bus zum möglichen Ausbildungsplatz
Fünf Betriebe in sieben Stunden: Nicht im Getümmel auf einer Ausbildungsmesse, irgendwo in einer großen Veranstaltungshalle, sondern ganz nah und unter realen Bedingungen vor Ort konnten 30 Schüler der Berufsbildenden Schule (BBS) Kusel am Dienstag Betriebe kennenlernen. Erstmals ist diese Bustour zur Berufsorientierung, vor allem für Menschen mit Migrationshintergrund, organisiert worden.
Mit einem roten Bus waren sie unterwegs, haben fünfmal Station gemacht: in Waldmohr beim Systemhersteller Minitec und dem Betonfertigteile-Hersteller MB Effizienzkeller; in Albessen auf dem Bauernhof von Jörg Brassel; in Kusel war die Gruppe aufgeteilt auf das Alten- und Pflegeheim Zoar und das Haus im Westrich, ein Wohnheim mit Tagesförderstätte für Menschen mit Beeinträchtigung; auf der Konker Erlenhöhe bei Schäfer Landtechnik. Mittagessen gab es zudem im Jugendhaus Kusel. Vielleicht war diese Stärkung der Grund, dass die jungen Männer und einigen Frauen auch bei ihrer letzten Station noch so aufmerksam und interessiert waren. Nicht nur der rote Traktor, der in der Halle stand, interessierte die BBS-Schüler. Auch ein Gerät, das Frank Schäfer und seine Angestellten gerade zum Fräsen von Banketten selbst konstruiert haben und nun bauen, zog ihre Aufmerksamkeit auf sich. Und sie hatten viele Fragen, umringten den Landmaschinenmechaniker-Meister und seine Angestellten. Wie lange dauert die Ausbildung? Was sollte man können und was lernt man? Wird hier auch an Autos geschraubt? „Wenn Du diesen Beruf kannst, kannst Du später alles machen“, warb Schäfer. Landmaschinenmechaniker seien sehr begehrt, weil es an Fachkräften mangelt und weil sie in vielen anderen Bereichen einsetzbar sind. „Wir haben alles dabei: Karosserie, Elektrik, Hydraulik und Pneumatik, auch Mechanik und Konstruktion.“ Abwechslungsreich sei der Beruf, es werde auch mal getüftelt und viel Köpfchen sei dabei gefragt – Mathematik- und Physikkenntnisse ebenso wie handwerkliches Geschick. Die Vielfalt konnten die 30 Besucher vor Ort sehen: Vom älteren Radlader, der wieder hergerichtet wird, bis zum Futtermischer mit WLan, der auf dem Hof steht zum Verkaufen. Ein oder zwei der Schüler könnten das Zeug zu dem Beruf haben, meint Schäfer nach dem Besuch. Ein Praktikum habe er angeboten, dann werde sich mehr zeigen. Vier Lehrlinge sind zurzeit in dem Betrieb beschäftigt und auch weiterhin will der 35-Jährige Firmeninhaber ausbilden, sich die Leute, die auf dem Markt kaum zu finden seien, selbst ’ranziehen. Einen Mann mit Migrationshintergrund ausbilden? Warum nicht, er sei da offen, meint Schäfer. Über die Offenheit der Schüler haben sich die Organisatoren jedenfalls gefreut. Die Bustour sei ein freiwilliges Angebot für über 18-jährige Schüler im Berufsvorbereitungsjahr gewesen, erklärt Jörg Schwarze, Lehrer für Fachpraxis in Elektrotechnik. Auch zwei deutsche Schüler waren dabei. In fünf Klassen holen an der BBS Schüler ihren Hauptschulabschluss nach – mit unterschiedlichen Bleibeperspektiven. Was mit EDV oder Automechatroniker seien die häufigsten Berufswünsche, weiß Schwarz: „Da muss man auch manchen Zahn ziehen.“ Das Pilotprojekt ist von Thomas Braun von der Kausa-Servicestelle bei der Handwerkskammer in Kaiserslautern, der Koordinierungsstelle Ausbildung und Migration, initiiert worden. Die Vorstellungen und Wünsche von Menschen mit Migrationshintergrund kennt er aus Beratungsgesprächen. Die Arbeit als Landwirt hätten die Menschen aus Afghanistan, Eritrea oder Syrien sich beispielsweise ganz anders vorgestellt, zeigt er auf, dass sich die Tour schon gelohnt habe. Außerdem habe eine junge Frau direkt einen Praktikumsplatz im Alten- und Pflegeheim Zoar klarmachen können, berichtet er erfreut.