Kusel Opfer schildern Todesangst

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Todesangst: Gleich drei Zeugen haben gestern mit diesem Begriff deutlich gemacht, wie schlimm sie die Attacke eines 30-jährigen Mannes empfunden haben, der sie mit Messer, Steinen, Fäusten attackiert hat. Der Angeklagte, der am ersten Tag noch das Unschuldslamm gemimt hatte (wir berichteten gestern über den Prozessauftakt), blieb am zweiten Tag der Strafverhandlung vor dem Kaiserslauterer Landgericht weitgehend still.

Empört hatte der 30-Jährige zum Auftakt noch behauptet, man habe wohl den Falschen eingesperrt. Er, der seit Mai in Untersuchungshaft hat schmoren müssen, sei doch von all den anderen Beteiligten provoziert worden – und habe sich nur gewehrt. Seiner Lebensgefährtin habe er allenfalls ein, zwei nicht mal feste Ohrfeigen verpasst, die Polizisten hätten ihn mit Stöcken verprügelt, eins der angeblichen Opfer habe ihm gar die Zähne eingeschlagen. Was da allerdings gestern aufs Tapet kam, zeugte entweder von blühender Fantasie oder völliger Realitätsferne des Angeklagten. Nicht nur dass seine ehemalige Lebensgefährtin von massiven Misshandlungen berichtete: Eine Rechtsmedizinerin der Universität Mainz schilderte, was ihre Untersuchung der Frau wenige Tage nach den Attacken ergeben hatte. Demnach wies die Frau Folgen heftiger Schläge gegen den Kopf auf. In der Wohnung der 35-Jährigen hatte der Angeklagte mit dem Hammer gewütet. Welches Schlachtfeld er hinterlassen hatte, dokumentierten zahlreiche Fotos, die die Prozessbeteiligten vor der Großen Strafkammer betrachteten. „Ich habe ihn so noch nie erlebt“, berichtete die Ex-Freundin und ehemalige Arbeitskollegin. Ihr offenbar von Eifersucht geplagter damaliger Freund sei komplett ausgerastet. Dass der Mann danach mit einem Messer nach einer Frau gestochen hat, wertet die Staatsanwaltschaft als versuchte Tötung. Die 49-Jährige schilderte gestern, sichtlich emotional aufgewühlt, das Geschehen, das sich am 11. Mai nahe des Wolfsteiner Campingplatzes abgespielt hatte. Sie habe beim Spazierengehen mit Ehemann und Hund ein heftiges Scheppern gehört. Der Angeklagte habe, mit dem Fahrrad heranrauschend, ein Schild gefällt. Sie habe ihn angesprochen. Ob das denn sein müsse, habe sie ihn gefragt. Postwendend sei er auf sie zu, habe ein Messer gezückt und in Richtung ihres Oberkörpers gestochen. „Das war eine einzige Bewegung“, schilderte die Frau. Sie habe reflexartig einen Satz nach hinten gemacht, nur diesem Umstand sei zu verdanken, dass er sie nicht „abgestochen“ habe. Todesangst hatte die Frau nicht nur um sich. Auch um ihren Mann musste sie fürchten. Der war hinzugeeilt, hatte gebrüllt, die Aufmerksamkeit des Angreifers auf sich gelenkt. „Ich hatte Angst um ihn.“ Der Mann schilderte, dass er sich mit Pfefferspray gewehrt habe, er und zwei weitere Männer dann den Angreifer verfolgt hätten. Einer der drei sagte aus, wie er dem Mann mit dem Auto gefolgt – und unvermittelt von ihm angegriffen worden sei. Mit Schottersteinen habe er geworfen, ihn geschlagen. Ein Wort der Entschuldigung ist dem Angeklagten nicht über die Lippen gekommen. Der Prozess wird am Montag, 9 Uhr, fortgesetzt.

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