Kusel Obsternte: Der Frühling hat’s vermasselt

91-88996492.jpg

In diesem Jahr strotzen die Apfelbäume nicht gerade vor Früchten. Obstbauern im Landkreis Kusel berichten von teils heftigen Ernteeinbußen. Der Regen bis Ende Juni hat großen Anteil daran. Beim Saftproduzenten Niehoffs Vaihinger in Lauterecken hat man sich mit der Situation arrangiert und greift auf Früchte aus dem Lager zurück.

Bereits jetzt zieht das Statistische Landesamt in Bad Ems eine Bilanz der Obsternte in Rheinland-Pfalz. Nach den Zahlen der Statistiker müssen sich Obstbauern in diesem Herbst auf eine deutlich geringere Apfelernte einstellen als sonst. In Zahlen heißt das: 25.000 Tonnen Äpfel – das klingt zunächst nach einer ganzen Menge, doch dieser Wert liegt gut ein Viertel unter dem des Vorjahres. Wie die Ernte jeweils ausfällt, das hänge natürlich mit der Blüte und mit den Nachtfrösten zusammen, betont Gunter Müller, Obstbrenner aus Matzenbach. „Es unterscheidet sich im Grunde von Baum zu Baum“, sagt Müller. Er beobachtet dieses Phänomen nicht nur bei seinen eigenen, sondern auch bei den Bäumen von Kollegen aus der Umgebung. „Es gibt Bäume, die vollhängen mit Äpfeln, auf anderen wiederum sieht man keinen einzigen.“ Der Schnapsbrenner, der noch einige andere Obstsorten anbaut, kann eine allgemeine Aussage zur Ernte machen: „Es gibt in jedem Fall weniger Obst dieses Jahr.“ Maria Trautmann aus Nanzdietschweiler, die für ihren Obstbaubetrieb etwa 17 Sorten Äpfel hegt und pflegt, kann schon jetzt im September, obwohl noch nicht jede Apfelsorte ernte- oder essreif ist, feststellen: „Die Apfelernte fällt schlicht und einfach nicht gut aus.“ Besonders bei der Sorte Elstar verzeichnet Trautmann einen erheblichen Rückgang: „Dieses Jahr sind es etwa 70 Prozent weniger Elstaräpfel als sonst.“ Bei der Sorte Idared seien es dagegen um die Hälfte weniger. Und die Topasäpfel hingen zwar an den Bäumen, fielen aber insgesamt kleiner aus als in den guten Erntejahren. Die Obstfachfrau züchtet auch Sorten, deren Bäume nur alle zwei Jahre Früchte tragen, doch das ist für sie nicht der wesentliche Grund für die geringe Ausbeute. „Das große Problem ist, dass es bis Ende Juni so viel geregnet hat“, erklärt sie. „In dem verregneten Frühling flogen keine Bienen, und die Apfelblüten konnten nicht befruchtet werden. Und wenn es gerade mal nicht geregnet hat, kam meistens starker Wind auf. Den mögen die Bienen ebenso wenig wie den Regen.“ Wenn überhaupt, seien die alten Apfelsorten in diesem Jahr besser davongekommen. „Die kommen später in die Blüte“, schildert Trautmann. Rainer Kressmann von Niehoffs Vaihinger, dem Fruchtsafthersteller mit Standort in Lauterecken, spricht ebenfalls von einer unterdurchschnittlichen Ernte und nennt die verspäteten Frostnächte im Mai als Gründe. „Andere Bundesländer sind dieses Jahr besser dran. Aber diese regionalen Unterschiede verlagern sich auch von Jahr zu Jahr: Es gab Jahre, da hatten wir eine satte Ernte, und in anderen Gebieten Deutschlands sah es nicht so gut aus.“ Auf solche Jahre bereitet Vaihinger sich vor und arbeitet mit gelagerten Vorräten. „Wir haben gelernt, mit der Natur zu arbeiten“, sagt Kressmann. Info Am heutigen Samstag öffnet Niehoffs Vaihinger seine Pforten für interessierte Besucher. Der Tag der offenen Tür am Standort Lauterecken, Bahnhofstraße 40, beginnt um 11 Uhr. |phj

x