Kusel „Nur die Grammatik ist sehr schwer“

Sind stolz auf den erfolgreichen Abschluss des Deutschkurses: Adem Isaak Hassen (zweiter von links) und Iqbal Zafar (rechts). Di
Sind stolz auf den erfolgreichen Abschluss des Deutschkurses: Adem Isaak Hassen (zweiter von links) und Iqbal Zafar (rechts). Die Lehrerinnen Dina Wagner (links) und Anne Weyrich betreuten den Kurs.

18 Teilnehmer erhielten am gestrigen Donnerstag ein Zertifikat über den erfolgreichen Abschluss eines Sprachkurses – einem von zwei Teilen eines Integrationskurses an der Kuseler Volkshochschule. Zuvor mussten die Teilnehmer aber noch einmal ihre grauen Zellen gehörig anstrengen, denn es galt, die Prüfung nach dem zweiten Kursteil „Leben in Deutschland“ zu absolvieren.

Es herrscht angespannte Stille im Raum 205 des Horst-Eckel-Hauses. Hier und da raschelt Papier, an den Tischen verteilt sitzen 18 Menschen und brüten über teils wirklich kniffligen Fragen. Auf den ersten Blick eine ganz normale Prüfung oder Klassenarbeit – könnte man meinen. Ein Blick auf den Fragebogen bringt aber Licht ins Dunkel. „Wie heißt die deutsche Verfassung?“, „Was ist mit dem Begriff Rechtsstaat gemeint?“ und alle möglichen Fragen über das Leben in Deutschland, zu Meinungs- und Glaubensfreiheit sowie freien Wahlen, aber auch beispielsweise zum Europaparlament sind dort zu finden. Es ist die Abschlussprüfung des Integrationskurses „Leben in Deutschland“. Insgesamt mussten die Teilnehmer die Antworten auf über 300 Fragen kennen, von denen in der Prüfung aber nur 33 abgefragt wurden – mindestens 15 davon mussten in 60 Minuten richtig beantwortet werden, um den Test zu bestehen. Zusammengestellt wird dieser Test zentral beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Über den Fragen grübelt beispielsweise Iqbal Zafar, der ursprünglich aus Pakistan kommt, seit knapp dreieinhalb Jahren in Deutschland ist und in Gries lebt. Zur Zeit absolviere er eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker in Brücken. An einem anderen Tisch sitzt Kidane Gamazghi. Der 25-Jährige stammt aus Eritrea und lebt seit fast drei Jahren in Deutschland. Aktuell wohnt er in Erdesbach und würde in Zukunft gerne den Tischlerberuf erlernen. Auch der 26-jährige Adem Isaak Hassen kommt ursprünglich aus Eritrea und lebt in Kusel. In seiner Heimat habe er bereits als Maler gearbeitet und würde hier diesen Beruf gerne so richtig von der Pike auf erlernen. Daneben sitzt die 26-jährige Rahwad Idris, ebenfalls aus Eritrea, die gerne Altenpflegerin werden oder in der Gastronomie arbeiten möchte. Sie alle sind sich einig: Etwas über Deutschland und vor allem die deutsche Sprache zu lernen, habe richtig Spaß gemacht – nur die Grammatik sei wirklich sehr, sehr schwer. Doch alle haben sie einen Grund zur Freude, denn sie erhielten gestern Morgen bereits ein Zertifikat über den erfolgreichen Abschluss des ersten Kursteils – eines 600 Stunden umfassenden Deutschkurses, den sie bereits im vergangenen November abgeschlossen haben. Die Ergebnisse der gestrigen Prüfung werden zum Bamf geschickt und dort ausgewertet. Die Ergebnisse erhalten die Teilnehmer dann per Post. „Die Teilnehmer eines solchen Kurses werden ein dreiviertel Jahr voll beschult. Das ist schon eine Menge, was die da lernen“, erklärt Alexandra Matern, Leiterin der Kuseler Volkshochschule. „Und sie haben wirklich toll mitgezogen. Es ist einfach anerkennenswert, und ich bin richtig stolz auf die Gruppe.“ Und obwohl es eine bunt zusammengewürfelte Truppe mit Menschen aus verschiedenen Nationen war, habe es nie Probleme gegeben. „Im Gegenteil. Unsere Teilnehmer sind allesamt äußerst höflich, zuvorkommend und bedanken sich sogar bei den Lehrerinnen für den Unterricht“, macht Matern deutlich. Jene angesprochenen Lehrerinnen sind Dina Wagner und Anne Weyrich. Sie haben den Kurs „Leben in Deutschland“ betreut und wurden dafür beide am Ende von der Kreisvolkshochschule für „ihren tollen Einsatz und das viele investierte Herzblut“ mit einem Blumenstrauß bedacht. Den vorangegangenen Sprachkurs hatte Jacques Cook geleitet. „Insgesamt hatten wir 19 Teilnehmer, die den Sprachkurs absolviert haben. Davon haben elf auf B1-Niveau und sieben auf A2-Niveau abgeschnitten. Nur einer ist leider durchgefallen, kann den Kurs aber nachholen“, erklärt Matern. A2-Niveau bedeutet, dass der Lernende häufig gebrauchte Ausdrücke verstehen, sich in routinemäßigen Situationen verständigen und die eigene Herkunft und Ausbildung sowie die direkte Umgebung und Dinge im Zusammenhang mit unmittelbaren Bedürfnissen beschreiben kann. Eine Stufe höher angesiedelt ist das B-Niveau. Um das zu erreichen, muss der Teilnehmer beispielsweise die Hauptpunkte aus Texten in Standardsprache zu Arbeit, Schule oder Freizeitthemen verstehen. Die höchsten Stufen sind das C1, beziehungsweise C2-Niveau. „Das sind dann aber schon Sprachkenntnisse auf Hochschulniveau“, sagt Matern. Und dass die Gruppe trotz aller Unterschiede im Laufe der gemeinsamen Kurszeit zusammengewachsen ist, war nach der Übergabe der Zertifikate deutlich zu erkennen. Denn zum Abschied wurden ungezählte Fotos gemacht, man umarmte sich und wünschte sich gegenseitig alles Gute. Und auch die beiden Lehrerinnen wurden mit Worten des Dankes bedacht und waren beliebtes Motiv für Erinnerungsfotos.

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