Kusel „Nicht immer gibt es ein Pillchen“

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KUSEL. Das Telefon stand kaum still bei der RHEINPFALZ-Sprechstunde am Mittwoch zum Thema Magenerkrankungen. Die Bandbreite der Fragen, mit denen sich die Anrufer an Volker Bertolino, Chefarzt für Innere Medizin am Kuseler Westpfalz-Klinikum, wandten, reichte vom Reizdarm über Nebenwirkungen von Medikamenten und Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten bis hin zu Problemen nach Operationen.

Noch vor Beginn der RHEINPFALZ-Sprechstunde läutete das Telefon erstmals. Der 84-jährige Anrufer klagte über akute Magenschmerzen, Brechen und Durchfall. „Das klingt eher nach einem Infekt“, sagte der Chefarzt, nachdem der Anrufer weitere Symptome geschildert hatte. Der Anrufer solle sich etwas Ruhe gönnen, ein Mittel gegen den Durchfall nehmen. „Derzeit geht etwas um. Das dauert dann zwei bis drei Tage und dann sind sie sicher wieder fit.“ Die nächste Anruferin klagte über krampfartige Schmerzen im linken Oberbauch, Probleme mit dem Stuhlgang sowie den sogenannten Reflux, bei dem Mageninhalt zurück in die Speiseröhre fließt. „Ich vermute, dass es sich um eine Erkrankung des Dickdarms handelt“, sagte Bertolino, nachdem er die Anruferin auch nach Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Medikamenteneinnahme gefragt hatte. „Von den Symptomen könnte es sich um eine Divertikel-Erkrankung handelt, also eine Aussackung.“ Diese könnten verstopfen, was zu starken Schmerzen und Schwellungen im jeweiligen Bereich und schließlich zu einer schlechteren Verdauungsfunktion in diesem Bereich führe. Der Arzt empfahl, zunächst über natürliche Produkte die Darmtätigkeit anzuregen. „Da kann man morgens ein Glas Traubensaft auf nüchternen Magen trinken oder Weizenkleie mit viel Wasser zu sich nehmen“, erläuterte Bertolino. Eine Überweisung ins Krankenhaus solle sich eine 73-Jährige Frau ausstellen lassen, die über Juckreiz und Schmerzen im Bauchbereich klagt. „Das Schwierige an der Diagnose ist, dass Leber, Bauchspeicheldrüse, Galle, Magen und Zwölffingerdarm auf engstem Raum beieinander liegen. Da weiß man oft nicht, woran es liegt“, verdeutlichte der Chefarzt. Nach den Schilderungen der Frau könne es sich um eine Leberentzündung handeln, allerdings müsse man den Magen-Darm-Trakt genauer untersuchen – „wohl auch endoskopisch“. Nach einer Magen-Operation hat eine Anruferin Probleme mit der Nahrungsaufnahme und verträgt verschiedenen Nahrungsmittel nicht. „Viele Menschen unterschätzen, dass die Probleme länger anhalten“, sagte der Chefarzt. In diesem Fall wurde der Patientin der Zwölffingerdarm entfernt, so dass der Körper nun kein Gluten mehr verarbeiten kann. „Man muss die Ernährung komplett umstellen, fünfmal täglich kleine Mahlzeiten zu sich nehmen“, so Bertolino weiter. Jeder kleine Verstoß gegen die Diät führe zu Bauchschmerzen, Blähungen oder Verdauungsstörungen. Nicht immer ließen sich jedoch die Beschwerden auf eine Grunderkrankung zurückführen, schilderte der Chefarzt einem weiteren Anrufer, der die Symptome einer Magenschleimhautreizung und eines Reizdarmes beschrieb. Kurzfristig könne man durch Medikamente die Beschwerden etwas einschränken, aber, und das sei das Schwierige, man müsse individuell die Unverträglichkeiten herausfinden. „Das beginnt bei den Essgewohnheiten über die Tagesform bis hin zu den äußeren Lebensumständen des Patienten.“ Gerade bei Lebensmittelunverträglichkeiten – zum Beispiel Laktose, Fruktose oder Gluten – müsse man die Ernährung umstellen. „Nicht immer gibt es ein Pillchen, das das regelt.“ Magen-Beschwerden können, wie im Falle eines anderen Anrufers, auch durch Medikamente entstehen. „Viele Schmerzmittel haben diese Nebenwirkung. Aber es gibt auch Ersatzpräparate oder einen Magenschutz“, sagte der Chefarzt. Vor allem bei älteren Patienten, die sehr viele Medikamente einnehmen, könne man in regelmäßigen Abständen den Tablettenplan überprüfen und versuchen, das eine oder andere wegzulassen. (hlr)

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