Kusel
Musikschule Kuseler Musikantenland feiert am Samstag, 8. Juni, 70. Geburtstag
Sie ist die älteste im Land, aber jung wie eh und je: Die Musikschule Kuseler Musikantenland feiert am Samstag, 8. Juni, ihren 70. Geburtstag. Und zwar dort, wo alles begann: in Lauterecken.
Viele Standorte hat die Musikschule schon gehabt, seit zwei Jahren ist sie in den Räumen der ehemaligen Landschreiberei in Kusel untergekommen. Doch los ging es bereits im Oktober 1948 in Lauterecken als „Musikabteilung“ der Verbandsberufsschule unter der Leitung von Musikdirektor Hubert Schnitzler, wie Baldur Melchior in einem Beitrag zum Westrichkalender 2000 schrieb. Drei Jahre später erwarb der Landkreis in Lauterecken ein Haus, um dort die Musikschule unterzubringen. Gleichzeitig wurde sie in Kreismusikschule umbenannt.
Nachdem Schnitzler 1954 aufgehört hatte, wurde beschlossen, die Kreismusikschule aus der Berufsschule auszugliedern und eine eigenständige Einrichtung des Landkreises zu schaffen. Die Schulleitung übernahm Paul Lehnert – von 1955 bis 1958. Weil es nur geringe Schülerzahlen und deswegen Finanzschwierigkeiten gab, wurde 1958 entschieden, die Kreismusikschule nach Kusel zu verlegen. Die Leitung übernahm Kurt Zill. Bis 1962 gab es steigende Schülerzahlen, verschiedene Zweigstellen im Kreis wurden eingerichtet.
Wie Melchior anlässlich des 50. Jubiläums berichtete, folgte Zill der Konzertpianist Georg Koller nach und leitete die Kreismusikschule von 1963 bis 1978. Er verpflichtete nicht nur Berufsmusiker als Lehrkräfte nach Kusel, aus der Schule ging auch eine Reihe von Musikern hervor, die eine erstaunliche Karriere machten.
Sein Nachfolger war ab 1978 Walter Mottl, ein ausgebildeter Geiger, der 1999 verstarb. Ein Jahr später folgte ihm Thomas Germain nach, der die Kreismusikschule seitdem leitet. Der offizielle Name lautet heute Musikschule Kuseler Musikantenland, seit 1978 ein eingetragener Verein.
Froh über heutiges Domizil
Thomas Germain sagt im Gespräch mit der RHEINPFALZ, dass die Musikschule sehr glücklich sei, über ein eigenes Gebäude zu verfügen – diesen „Luxus“ hätten die meisten anderen im Land nicht. Als er 2000 nach Kusel gekommen sei, sei die Schule im Keller der Luitpoldschule untergebracht gewesen. Der Umzug in die ehemalige Landwirtschaftsschule Am Haselrech sei schon eine deutliche Verbesserung gewesen. Dass man heute in der aufwendig renovierten Landschreiberei arbeiten dürfe, sei schon ein großes Privileg.
All dies bedeute nicht, dass man die Aktivitäten in Kusel konzentriere. Nach wie vor sei die Musikschule in über 60 Orten im Landkreis tätig, habe sogar eigene Räume in Brücken, Herschweiler-Pettersheim, Offenbach-Hundheim und nun im frisch renovierten Schloss in Lauterecken, weshalb man mit der Feier auch gewartet habe.
Gruppen- statt Einzelunterricht
Und wie hat sich die Musikschule in all den Jahren verändert? Thomas Germain nennt zu allererst die Unterrichtsformen. Während es früher vor allem Einzelunterricht gegeben habe, sei heute Gruppenunterricht der Alltag. Neu seien Kooperationen mit Kindergärten und Schulen. Musikalische Früherziehung habe zwar bereits vor 40, 50 Jahren angefangen, doch habe sich die Zusammenarbeit verändert.
Los ging es mit dem Programm der Bundesregierung „Kultur macht stark“, das darauf abzielt, dass alle Kinder Musikerziehung genießen können – nicht nur die, die in Kursen der Musikschule angemeldet sind. Angelika Rübel, die stellvertretende Schulleiterin, ergänzt, dass Ziel die Integration durch Musik sei. Für die Projekte im Kindergarten sei die Musikschule Dienstleister.
Außerdem so Germain, arbeite die Musikschule mit Allgemeinbildenden Schulen zusammen, zum Beispiel in den Bläserklassen. Und es gebe gerade in den Ganztagsschulen viele Kooperationen.
Die meisten Schüler, nämlich 1400, zählte die Musikschule vor etwa 15 Jahren. Seit fünf bis sechs Jahren liegt die Zahl laut Germain bei etwa 1000 – hinzu kämen aber noch 800 Kinder und Jugendliche in den Kitas und Schulen, mit denen man zusammenarbeitet. Die Musikschule zählt 30 Lehrkräfte, die alle angestellt sind.
Gitarre, Blockflöte und Klavier beliebt
Auch wenn sich die Zeiten ändern: Die Instrumente, die am meisten gelernt werden, bleiben gleich. So nennt Germain Gitarre, Blockflöte und Klavier als Spitzenreiter. Neu sei die Ensemble-Arbeit: „Es entspricht dem Zeitgeist: Jugendliche musizieren gerne gemeinsam. Das hat auch einen sozialen Aspekt“, schildert Germain.
Miteinander musizieren und Projektarbeit, das kennzeichnet auch die rund zehn Chöre der Musikschule. „Die Stimme als Instrument steht immer zur Verfügung“, betont Angelika Rübel, die seit 2000 die Arbeit ihres Vaters Leo Stoffel fortführt.
Auf die Frage, ob aus der Musikschule auch schon echte Stars hervorgegangen sind, zögern beide Leiter. Welche herauszuheben, das fänden sie unfair. Doch es sei schon so, dass aus vielen Absolventen Berufsmusiker geworden seien oder dass Schüler Musik studieren wollten. Und auch im Lehrerkollegium gibt es etliche, die in der Musikschule einst angefangen haben.
Info
Die Musikschule feiert das 70-jährige Bestehen am Samstag, 8. Juni, mit Musik im Veldenz-Schloss in Lauterecken. Ab 10.45 Uhr gibt es dort einen Empfang und ein Konzert für Groß und Klein. Anschließend kann der neue Unterrichtsraum besichtigt werden, Lehrkräfte aus allen Sparten stehen für eine Beratung zur Verfügung.