Kusel
Medarder Fassadenhersteller IGM plant bereits nächste Erweiterung plus ein Forschungsinstitut
Werk 3 ist kaum eingeweiht, da tüftelt der Medarder Fassadenspezialist IGM bereits an der nächsten Erweiterung. Allerdings könnte das Probleme bereiten, denn am jetzigen Standort ist diese Erweiterung nicht möglich. Dafür könnte ein Institut für Fassadentechnik neu hinzukommen.
Irgendwie geht es in Medard derzeit ganz schnell. Kaum ist das Werk des Fassadenherstellers erweitert, schon gibt es Pläne für die nächste Erweiterung. IGM kommt kaum hinterher, ist bereits jetzt auf Monate hinaus ausgelastet, wie Geschäftsführer Michael Groß in einem Gespräch mit der RHEINPFALZ mitteilte.
Augenblicklich werden beispielsweise Fassadenelemente gefertigt für ein Prestigeprojekt der Deutschen Bahn in Frankfurt. Nahe Hauptbahnhof entsteht ein Bürogebäude mit dem Namen „Grand Central“, für das die Medarder für 35.000 Quadratmeter Fassadenfläche produzieren und montieren.
Auch um Anschlussaufträge ist Groß nicht bange: „Wenn alles unterschrieben wird, worüber wir zuletzt verhandelt und wofür wir auch schriftliche Absichtserklärungen haben, dann sind wir bis weit ins nächste Jahr hinein ausgelastet“, sagt er.
Umsatzziel 2020: 40 Millionen Euro
Die Expansion zeigt sich auch in der Kasse: Lag der Umsatz 2017 noch bei rund 25 Millionen Euro, so hat er im vergangenen Jahr die 30-Millionen-Euro-Marke geknackt. „Wenn alles nach Plan läuft, dann überschreiten wir 2020 die 40 Millionen“, sagt Groß.
Das rasante Wachstum ist einer der Gründe, warum die IGM bereits Werk 4 ins Auge gefasst hat, auch wenn dessen Bau laut Groß noch mindestens vier bis fünf Jahre dauern wird. Denn am bisherigen Standort wird sich diese mit weiteren rund 20.000 Quadratmetern Produktionsfläche nicht mehr realisieren lassen. Die angrenzenden Grundstücke können nicht in ausreichendem Maße bebaut werden, weil es sich dabei um Hochwasserflächen handelt. Und mit Hochwasser hat IGM in jüngster Vergangenheit schon ausreichend ungute Erfahrungen gesammelt.
Also sucht das Unternehmen mit aktuell rund 100 Mitarbeitern am Standort Medard und etwa 50 weiteren, die nach Bedarf eingesetzt werden, an anderen Orten nach einer Fläche, die für Werk 4 geeignet ist. Landrat Otto Rubly und die Kreisverwaltung seien dabei sehr hilfreich.
Mehrere Standorte im Gespräch
Mehrere mögliche Standorte seien im Gespräch, einer davon außerhalb des Kreises Kusel, sagt Groß, ohne Details zu nennen. Dass diese aus Fertigungsgründen nicht allzu weit vom Stammwerk in Medard liegen müssen, ist dabei kein Geheimnis.
Werk 4 soll aber nicht nur die Expansion bedienen, sondern das Unternehmen, sogar die ganze Branche zukunftsfähiger machen, wie Groß zuletzt bei der Feier des 20. IGM-Geburtstags in Frankfurt vor 150 geladenen Gästen betont hat. Dort plauderten Groß und sein Mit-Geschäftsführer Gunter Mohr mit TV-Star Frank Elstner, ein Freund von Groß, eine Stunde lang über Perspektiven für die Branche. Quintessenz: Auch die Fassadenhersteller können und müssen angesichts des Klimawandels ihren Beitrag leisten.
Dass dieser Beitrag erheblich sein kann, betont Groß auch im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Schon jetzt gibt es Fassaden, die selbst verdunkeln, wenn die Sonne darauf scheint. Wir werden Fassaden bekommen, die nicht nur selbstständig Strom und Wasser liefern, sondern die auch begrünt werden können“, skizziert er das Ziel. Notwendig seien dabei unter anderem Fassaden, deren Elemente nicht einfach nur glatt sind, sondern beispielsweise pyramidenförmig, um mehr Fläche etwa für Sonneneinstrahlung und zugleich Pflanzen Halt zu bieten.
Mehr Innovation nötig
Doch nicht nur die Form der Fassadenelemente spielt dabei eine Rolle, sondern auch deren Material und seine Verarbeitung. Und hier sieht Groß die Entwicklung als zu langsam an, die von Forschungsinstituten geleistet wird. „Da sind oft Leute am Ruder, denen es schwerfällt, sich auf die neuen Anforderungen einzulassen“, sagt er. Daher denkt er ganz laut über ein eigenes Forschungsinstitut für Fassadentechnik und Entwicklung nach, das mit Blick auf den Klimawandel stärker innovative Lösungen sucht.
Beifall dafür hat Groß nach eigenen Angaben nicht nur bei der Feier in Frankfurt bekommen, sondern vergangene Woche auch bei einem Termin mit Wissenschaftsminister Konrad Wolf. Und auch die Firma Schüco, wichtigster Lieferant von IGM, sei sehr interessiert an einer solchen Forschung, sagt er.
Wie wichtig die Suche nach neuen Werkstoffen ist, verdeutlicht ein anderes Beispiel. Die Herstellung von Glas wird stetig teuerer. Grund: Sand ist inzwischen weltweit Mangelware geworden, weil längst nicht jeder Sand geeignet ist für die Glasherstellung. Da nützen auch alle durch den Klimawandel wachsenden Wüsten der Welt nichts.