Kusel „Man kann ja fast dabei meditieren“

Alles Lug und Trug? Allein der Verkaufsförderung dienend, wobei der Verbraucher weiter im hohen Gras versinkt? Auf dem langen Blatt der regalfrischen Sense prangt das Prädikat „mähbereit“ oder gebrauchsfertig. „Kannsche de Hase gewwe“, knurrt ein Teilnehmer des Sensenkurses am Haus Lochfeld bei Wittersheim. Stimmt: „Damit geht nix“, bestätigt der Fachmann, dass die noch farbglänzende Baumarkt-Sense allenfalls zum Halmekitzeln taugt. „Ohne Dengeln hat’s ja überhaupt keinen Wert“, schreibt Gerhard Niklas seinen Schützlingen ins Arbeitsheft. Und dann schwingt der Gymnasiallehrer in Ruhe ein Gerät von gänzlich anderer Güte: Na, da knickt jeder noch so widerborstige Halm ein. Schwungvoll holt Niklas aus, lässt die Schneide sausen. „So geht’s. Leicht beugen, schwingen, immer nur fünf bis zehn Zentimeter weit schneiden“, erläutert der Kursleiter. Schnitter Niklas gerät so richtig in Fahrt, ist kaum mehr zu bremsen. Wenig Kraftaufwand ist nötig, um mal eben drei Quadratmeter hüfthohen Bewuchses abzugrasen. „Ist ganz einfach. Man kann fast dabei meditieren...“ Ganz so einfach ist es aber doch nicht. Denn vors Sensen haben die Altvorderen das Dengeln gesetzt. Seit der Steinzeit sei solcherlei Mähgerät bekannt, referiert Niklas. Nun, damals gab es wohl keinen Baumärkte, mithin niemanden, der Mählustigen vorgegaukelt hätte, sie könnten einfach loslegen. Das notwendige Schärfen aber birgt ein Problem: Beides lässt sich nicht in den 90 Kursminuten erledigen. So kommt es, dass an diesem ersten Freitagabend im Juli einige der Kursteilnehmer gar nicht dazu kommen, ihre Sensen auch zum Einsatz zu bringen. Denn: Sie haben zwar gesehen, wie gedengelt wird, auch selbst auf dem Holzklotz Platz nehmen und sich versuchen dürfen. Um das Blatt des eigenen Mähgeräts richtig mit dem Hammer zu bearbeiten, braucht es aber Zeit. „Ich hab’ auch gedacht, ich könnte gleich loslegen. Aber die schneidet ja nix, das neue Blatt ist völlig stumpf“, bedauert Manfred Müller aus Blieskastel. Also will er seine Sense daheim flott machen. So, wie es Niklas gezeigt hat: Dengeln diene dazu, die Schneide auszutreiben, heißt dünner zu klopfen, und zu härten. Dabei wird Wasser verwendet, der Hammer stets benetzt. So würden Schmutz und Rost entfernt. Zur Kühlung diene das Wasser eher nicht: „So schnell schaffe mer jo net...“ In der Tat hat bis Kursbeginn die Meinung vorgeherrscht, Schärfen sei mit Wetzen gleichzusetzen. Niklas aber klärt auf, dass das Bearbeiten allein mit dem Wetzstein nur bedingt Erfolg verheißt: Ohne Dengeln stumpfe die Schneide immer rascher ab, das Wetzen müsse in immer kürzeren Abständen wiederholt werden. Und wie oft muss gedengelt werden? Komme drauf an, bleibt die Antwort vage: „Oft reicht einmal im Jahr. Aber das ist auch abhängig davon, wie viel man mäht.“ Stefan Karren hat sich die Antwort auf zwei weitere wichtige Fragen erhofft, allerdings nicht erhalten: Wie oft – und wann – solle man eigentlich mähen. „Dieses Jahr ist es ja ganz schlimm. Ich habe schon jetzt so oft gemäht wie sonst im ganzen Jahr, Wahnsinn“, sagt der Ormesheimer mit Blick auf den vielen Regen, der Gras wuchern lässt. Niklas erklärt erst das Dengeln, danach das Wetzen, zeigt auch, wie man die Sense beim Schärfen mit dem Steine halten soll. Spitze weg vom Körper, den Unterarm auf das Blatt gestützt, schützt sich der Benutzer. Der übrigens auf seine Kleidung achten solle: „Lange Hose, festes Schuhwerk, am besten Sicherheitsschuhe“, empfiehlt er. Und dann geht’s ans Werk. Halbkreisförmig flutscht das Blatt knapp oberhalb des Bodens durchs Gras. Nicht zu weit vorarbeiten – höchstens zehn Zentimeter, empfiehlt der Kursleiter. Markus Scheller probiert es – „ist Übungssache“, sagt der Erfweilerer lachend. Scheller will praktischen Nutzen aus dem Abend ziehen. Daheim hält er Pferde, auf dem Areal gibt es Ecken, „die muss ich mähen, und das geht mit Sense am besten“. Allerdings eignet sich ja der Handmäher auch und gerade für Großflächen. Wichtigstes Argument pro Sense aber, so betont Christian Stein vom Landratsamt in Homburg, Programmmacher für Haus Lochfeld und somit Organisator des Kurses: Umweltschonender mähen als mit der Sense sei ja kaum möglich.