Kusel Müller wartet auf Anfragen

Nachdem Sozialdemokrat Andreas Müller bei der Wahl ums Bürgermeisteramt der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein ausgeschieden ist, fällt an Pfingstsonntag die Entscheidung in einer Stichwahl. Wie nutzen die beiden amtierenden Bürgermeister und Kandidaten Egbert Jung und Michael Kolter diese Zeit, um beim Wähler noch zu punkten – und welche Rolle spielt Müller dabei?
Für Jung kam das knappe Ergebnis nicht unerwartet. Er ist davon ausgegangen, dass die Entscheidung zwischen den Amtsinhabern fällt. Allerdings bescheinigt er im Gespräch mit der RHEINPFALZ Andreas Müller, „ein starker Kandidat“ gewesen zu sein. Jetzt komme es darauf an, möglichst viele Bürger noch einmal für die Wahl an Pfingstsonntag zu mobilisieren. Wer das am besten schaffe, der habe auch die größten Chancen. Er werde noch einmal appellieren, zur Wahl zu gehen. Einen Einbruch bei der Stichwahl wie vor acht Jahren möchte Jung vermeiden. Schwer einzuschätzen sei, wie sich die Wähler von Andreas Müller beim entscheidenden Wahlgang verhalten. Ob er das Gespräch mit Müller sucht, damit der dann eine Wahlempfehlung für ihn ausspricht, wollte Jung noch nicht bestätigen. Er sei noch nicht entschieden. Normalerweise würde ein SPD-Wähler seine Stimme nicht einem CDU-Mann geben, analysiert er. Möglicherweise komme aber durch die Fusion auch ein wenig Lokalpatriotismus zum Tragen, so dass die Wähler schwerpunktmäßig den Kandidaten ihrer (bisherigen) Verbandsgemeinde bevorzugten, hofft Jung. Bis zum Wahltag, dem 8. Juni, will er noch weiter mit Infoständen öffentlich präsent sein. Auch Michael Kolter wird sich weiterhin in der Öffentlichkeit zeigen, allerdings mit reduziertem Programm und nicht mehr mit Infoständen. Das könne den Bürgern auch mal zu viel werden, meint Kolter zu einer ständigen Präsenz vor Ort. Er werde „zuerst einmal denken und dann handeln“, sagte er gestern zur RHEINPFALZ. Fest steht für ihn auf jeden Fall, dass er mit Andreas Müller über eine mögliche Wahlempfehlung reden will. Mit seinem Abschneiden in der Verbandsgemeinde Lauterecken ist Kolter noch nicht zufrieden, räumt er offen ein. Möglicherweise hänge das ja damit zusammen, dass man ihn als „Auswärtigen“ betrachte, dem man noch nicht das ganze Vertrauen schenken wolle. Die vorgezogene Entscheidung für die Sanierung des Rüllbergbades sei sicher Egbert Jung positiv angerechnet worden. Dass er an diesem Beschluss nicht rütteln werde, habe er ja bereits bei der RHEINPFALZ-Podiumsdiskussion in Oberweiler-Tiefenbach deutlich gemacht, sagt Kolter. Dabei werde es bleiben, versichert er. Auch er will in der Bevölkerung für eine hohe Wahlbeteiligung werben. Wer am Pfingstsonntag nicht zu Hause sei, solle auf jeden Fall die Möglichkeit der Briefwahl nutzen. „Es hätten ein paar Stimmen mehr sein können“, kommentiert Sozialdemokrat Müller sein Ergebnis. Sein Ausscheiden trägt er dennoch mit Fassung und Gelassenheit. „Das Leben geht weiter“, sagt er und freut sich nun wieder auf mehr Freizeit, die er mit seiner Familie verbringen kann. Immerhin habe er für seinen Wahlkampf rund 7500 Kilometer zurückgelegt und etwa 1000 Stunden geopfert. Nicht unmittelbar nach dieser Wahl, aber rechtzeitig vor der Stichwahl werde er seinen Wählern und Parteigenossen eine Wahlempfehlung geben. Er geht davon aus, dass Kolter und Jung noch auf ihn zukommen, um mit ihm über eine Empfehlung zu reden. „Die werden jedenfalls nicht warten, bis ich auf sie zukomme“, sagt Müller mit einem Lachen: „Ich werde mich auf jeden Fall äußern.“