Kusel
Lauterecken: Turnerheim wird nun doch nicht versteigert
Eigentlich sollte das Turnerheim in Lauterecken am Mittwoch unter den Hammer kommen. Doch die Versteigerung des in die Jahre gekommenen Gebäudes, einem Stück Lauterecker Stadtgeschichte, findet nun doch nicht statt. RHEINPFALZ-Recherchen ergaben: Der Eigentümer hatte ausstehende Rechnungen nicht bezahlt, das vor der Versteigerung aber nachgeholt.
Das Turnerheim ist schon seit einigen Jahren immer wieder ein Thema in Lauterecken. Im Jahr 2015 hatte die Gläubigerversammlung des insolventen Turnvereins Lauterecken einen Insolvenzverwalter beauftragt, das Turnerheim zu verkaufen, um den Verein zu entschulden (wir berichteten). Gekauft hatte die Immobilie dann ein Mann aus München.
Nun sollte das Turnerheim am Mittwoch in einer sogenannten Schuldversteigerung einen neuen Besitzer finden. Ein Anruf beim zuständigen Amtsgericht in Kusel brachte allerdings die überraschende Information, dass das Zwangsversteigerungsverfahren eingestellt worden ist. Über die Gründe dafür könne man vonseiten des Amtsgerichtes nichts sagen. Eine Sprecherin verwies an das zuständige Finanzamt in München – wo man mit Verweis auf das Steuergeheimnis allerdings auch keine Auskünfte erteilen wollte.
Berthold verwaltet seit 2015
Einige Telefonate später meldete sich am anderen Ende der Leitung dann aber der Lauterecker Volker Berthold. Und er konnte Licht ins Dunkel bringen. Seit 2015 verwaltet er das Gebäude für den Eigentümer und weiß: „Da waren zwischenzeitlich zwei, eigentlich sogar drei Gastronomen drin und die haben Schulden angehäuft – zum Beispiel was Strom und Wasser betrifft“, erklärt Berthold. Weil sich das aber schlecht beweisen lasse, sollte natürlich der Eigentümer für die Forderungen gerade stehen. „Und das hat er einfach nicht eingesehen und hat es mal drauf ankommen lassen. Bevor das Gebäude nun aber quasi fast verschenkt wird, hat er die Schulden dann doch beglichen“, berichtet Berthold im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Was das allerdings mit dem Finanzamt München zu tun hat, wohin das Kuseler Amtsgericht verwiesen hatte, bleibt unklar.
Ziel sei es weiterhin, einen Pächter zu finden. „Allerdings muss den Interessenten klar sein, dass man hier nicht einfach nur Geld verdienen kann, ohne etwas zu investieren. An dem Gebäude muss doch das ein oder andere gemacht werden“, sagt der Verwalter. Genau daran seien die letzten Pächter immer gescheitert.
Stadt will nicht kaufen
In Lauterecken hatte man in der Vergangenheit auch darüber nachgedacht, das Turnerheim eventuell zur Stadthalle umzubauen. Doch bei einer möglichen Versteigerung am Mittwoch hätte es ohnehin kein Gebot vonseiten der Stadt für die auf 154.000 Euro Verkehrswert angesetzte Immobilie gegeben. „Zu diesem Preis ist das definitiv kein Thema“, sagte Lautereckens neue Stadtbürgermeisterin Isabel Steinhauer-Theis auf Anfrage. Man hätte höchstens noch einmal darüber nachgedacht, wenn das Turnerheim nicht hätte versteigert werden können und der Preis daraufhin niedriger angesetzt worden wäre, so die Stadtbürgermeisterin weiter. „Aber jetzt das Gebäude Hals über Kopf zu ersteigern, ohne vorher den Sanierungsbedarf genau zu kennen, wäre ein großer Fehler“, fügt Steinhauer-Theis hinzu. Sie hatte sich im Gespräch mit der RHEINPFALZ aber gewünscht, dass sich bei der Versteigerung „vielleicht ein Privatinvestor aus Lauterecken oder Umgebung“ findet.