Kusel Lauterecken: So hilft die Tafel Bedürftigen

In der Saarbrücker Straße in Lauterecken befindet sich der Tafelladen, der dienstags und donnerstags geöffnet ist.
In der Saarbrücker Straße in Lauterecken befindet sich der Tafelladen, der dienstags und donnerstags geöffnet ist.

„Vielen Dank für alles, was Ihr für mich tut. Sobald ich wieder einen Job habe, arbeite ich bei Euch ehrenamtlich mit.“ Briefe wie dieser, den eine junge Mutter an Weihnachten an die Mitarbeiterinnen der Lauterecker Tafel schrieb, zeigen, wie wichtig ihre Arbeit ist. Seit Mai 2007 verteilt die Tafel Lebensmittel an Menschen aus den Verbandsgemeinden Lauterecken-Wolfstein und Meisenheim. Die RHEINPFALZ war bei einer Ausgabe dabei.

Schon eine halbe Stunde vor dem Ausgabetermin – dienstags von 10 bis 11 und donnerstags von 15.30 bis 16.30 Uhr – ist der Warteraum des Tafelladens in der Saarbrücker Straße belegt. Noch ist das Fenster zu, doch dahinter sind die ehrenamtlichen Helferinnen schon eifrig am Werkeln. Schließlich muss alles vorbereitet werden, ehe die Kunden kommen. Silvia Graf organisiert den Innendienst. 17 Frauen helfen mit, außerdem gibt es zwei Ein-Euro-Joberinnen. 19 Männer sind im Außendienst tätig – alles Rentner. Sie fahren das Transportfahrzeug, sammeln beim Handel oder bei Handwerksbetrieben Lebensmittel ein, die nicht mehr verkauft, aber noch verzehrt werden können. Manchmal führen Sonderfahrten zu Industriebetrieben – da gibt es dann große Mengen an Yoghurt oder Pizza.

Noch ist die Auswahl groß

„Lebensmittel retten – Menschen helfen“ lautet der Grundsatz der Tafeln. Und Hans Habermann, Vorsitzender des Vereins Tafel Lauterecken, weiß: Bis Ende Januar sieht’s gut aus mit den Lebensmitteln, bis März dann schlecht, denn Frisches ist teurer und die Märkte kalkulieren anders. Das heißt, es wird nicht so viel aussortiert. Doch sieht es noch recht gut aus: In den Regalen liegen Tüten mit Orangen und Birnen, es gibt sogar ein paar Päckchen mit Erdbeeren, Salat, Spinat, Kohl, Kartoffeln. Ein Kühlschrank ist gut bestückt mit Käse, Butter, Yoghurt et cetera, auch Wurstpäckchen und Eier sind da. „Drei vorne, drei hinten“, lautet die Devise bei der Ausgabe. Das heißt, drei Frauen geben die Lebensmittel aus, drei sorgen für Nachschub. An diesem Donnerstag werden die Lebensmittel nicht knapp. Übrigbleiben soll aber auch nichts, zumindest nichts Verderbliches.

Lebensmittel holen kann nicht jeder

Punkt 15.30 Uhr geht es los. Die Leute stehen bereits an. Wenn einer sich vordrängelt, wird er von den anderen gemaßregelt. „Huddel gibt’s selten“, sagt Hans Habermann. Lebensmittel holen kann nicht jeder. Die Bedürftigkeit wird überprüft – anhand von Rentenbescheid, Bescheid über ALG II, landläufig Hartz IV genannt, Grundsicherung und so weiter. Und: Jeder, der in den Tafelladen kommt, muss zwei Euro bezahlen. Geschenkt gibt es also nichts. „Wie viele Personen?“ lautet stets die erste Frage der Helferinnen. Es sind Leute dabei, die für eine ganze Familie Lebensmittel holen, aber auch Einzelpersonen. Viele Ältere. Im Januar sind 78 Familien mit insgesamt 153 Personen in den Tafelladen gekommen. Zwei Familien kamen an allen acht Ausgabetagen, 14 nur einmal im Monat. Insgesamt wurden im vergangenen Monat 258 Abholungen für 601 Personen registriert. Vor einem Jahr waren es noch 314 Abholungen für 759 Personen.

15 Nationalitäten

Die Zahl der Kunden ist zurückgegangen. Im Frühjahr 2015 hatte die Tafel wegen des Ansturms noch einen Aufnahmestopp verfügen müssen. Unter den Kunden sind neben Deutschen noch 14 weitere Nationalitäten. Am zahlreichsten sind Syrer vertreten – 69 Personen. Der Anteil der Migranten liegt bei 49 Prozent. Das stellt auch große Herausforderungen an die Helferinnen: „Wir lernen viele Fremdsprachen kennen“, sagt Hiltrud Klein. Doch mit ein bisschen Englisch komme man weiter. Eine Helferin kassiert gleich am Anfang die zwei Euro – egal wie groß die Familie ist. „Wir hatten auch schon Familien mit zehn Kindern. Die stammten aus Russland. Heute haben wir nur zwei Familien mit fünf Kindern.“ Die Helferinnen kennen ihre Kundschaft. Achten auch darauf, Muslimen nichts mit Schweinefleisch anzubieten. „Was heißt denn Porcini?“ ruft Silvia Graf in die Runde. Die mit Steinpilzen gefüllten Tortellini sollen an den Mann gebracht werden. Und sie erzählt, dass sie Pak Choi, den asiatischen Kohl, erst mal zu Hause ausprobiert hat, damit sie den Kunden sagen konnte, wie er zubereitet wird.

Pizza scheidet für Muslime aus

Unter der Theke lagern jede Menge Brötchen und Brot. Die einen wollen nur helle, die anderen lieber Vollkornbrot oder geschnittenes. Als die Vorräte zur Neige gehen, wird Nachschub geholt – Brot und Brötchen werden in großen Gefriertruhen gelagert. Ebenso jede Menge Pizza – leider nur Salami, sodass sie für Muslime ausscheidet. Die ehrenamtlichen Helferinnen erzählen, dass sie im Bekanntenkreis auch schon kritisiert wurden für ihre Arbeit. Silvia Graf: „Ich sage denen dann immer, dass alles, was die Leute kriegen, sonst im Müll gelandet wäre. Dann sind sie still.“ Und Habermann ergänzt: „Wenn Kunden die zwei Euro nicht haben, die sie für die Lebensmittel zahlen müssen, dürfen sie die das nächste Mal bringen.“ Denn auf das „Tütengeld“ ist die Tafel, die sich rein selbst finanziert, angewiesen. Zum Glück sei man in der Region gut vernetzt und es gebe regelmäßig Spenden.

"Vielen Dank Euch allen"

Auch gegen Ende der Ausgabezeit reißt der Strom der Kunden nicht ab. Mancher spekuliert vielleicht darauf, all das zu bekommen, was noch da ist. Doch die Helferinnen achten darauf, dass keiner zu kurz kommt. Eine betagte Kundin, so erzählt Silvia Graf, kam früher sogar von Einöllen zur Lebensmittelausgabe gelaufen. An diesem Tag sind auch ganz junge Kundinnen samt Babys dabei. „Vielen Dank Euch allen“, verabschiedet sich eine. Info —Als erste Tafel im Landkreis Kusel wurde im Juli 2005 die in Kusel gegründet. Internet: www.kuseler-tafel.de —Am 4. Mai 2006 startete die Schönenberg-Kübelberger Tafel im Südkreis. Internet: www.schoenenberg-kuebelberger-tafel.de.

Die Helferinnen der Tafel (von links): Waltraud Feistel, Ilse Schär, Silvia Graf, Evi Stahlschmidt, Hiltrud Klein und Simone Nag
Die Helferinnen der Tafel (von links): Waltraud Feistel, Ilse Schär, Silvia Graf, Evi Stahlschmidt, Hiltrud Klein und Simone Nagel.
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