Kusel Lauterecken: Scanner und Barcode statt Karteikarten

Ute Weichel (rechts) folgt auf Hilde Döhnert als Leiterin der Stadtbücherei. Gemeinsam stellen sie gerade die Ausleihe auf digit
Ute Weichel (rechts) folgt auf Hilde Döhnert als Leiterin der Stadtbücherei. Gemeinsam stellen sie gerade die Ausleihe auf digital um.

In der Stadtbücherei Lauterecken ändert sich einiges. Hilde Döhnert, die 15 Jahre die Leitung innehatte und sich bald zurückziehen wird, sowie die seit Oktober angestellte Ute Weichel aus Lohnweiler übertragen momentan den Bestand in ein elektronisches System. Mehr als 1800 Medien wurden bereits eingepflegt, sodass das aufwendige und nicht mehr zeitgemäße Karteisystem bald der Vergangenheit angehören wird. Außerdem steht ein weiterer Raum im Stadthaus zur Verfügung, der die Kinderabteilung beherbergen wird.

Auf dem Tisch liegt der frisch eingetroffene finale Band der Clifton-Saga von Jeffrey Archer, und sofort fallen viele aktuelle Bücher in der gut sortierten Bücherei auf. Am auffälligsten ist jedoch der neue Computer samt Scanner, mit dem künftig alle Ausleihen und Rückgaben registriert werden. So kann die neue Leiterin Ute Weichel bei Leserfragen, die sie nicht aus dem Stegreif beantworten kann, schnell die benötigten Informationen finden, während Döhnert erst zu Hause nachsehen konnte. Außerdem seien immer mehr E-Mails an die Bücherei gerichtet worden, welche jetzt leichter abgerufen werden können. Wichtiger ist jedoch, den Bestand in ein elektronisches System einzupflegen, welches das alte Karteikartensystem ablösen wird. Bisher erstellte Döhnert für jedes Buch drei Karten. Diese Arbeit wird komplett entfallen. Bücher sind bald schneller zu finden. Durch die Umstellung ändere sich nichts für die Leser, versichern Döhnert und Weichel. Auch weiterhin würden sie beraten, doch dann werden die Barcodes auf Büchern, CDs und Spielen gescannt – ähnlich wie beim Einkaufen. Eine E-Book-Ausleihe ist aktuell noch nicht geplant. Die Kinderabteilung haben die beiden Frauen bereits erfasst, und auch die neuen Eingänge werden direkt ins System eingespeist. Wie lange sie damit noch beschäftigt sein werden, lasse sich nicht abschätzen. Bisher haben sie für etwas mehr als 1800 Medien schon zehn Vormittage à dreieinhalb Stunden investiert. Da die Bücherei in der Übergangszeit nicht geschlossen wurde, wie die Landesbüchereistelle Neustadt geraten hatte, haben sie jedoch keinen Zeitdruck.

Viele historische Romane

Der Bestand umfasst rund 3000 Medien – nicht nur Bücher und Zeitschriften, sondern auch Spiele, DVDs sowie Hörbücher. Im Bereich der Erwachsenenliteratur sind viele historische Romane, aber auch Krimis, Thriller und ähnliches zu finden. Dagegen sind keine Fantasyromane, Fremdsprachiges oder mit Preisen ausgezeichnete Bücher vorhanden, jedoch über die sogenannte Fernleihe zu besorgen. Dass Hilde Döhnert „ihre“ Leser gut kennt, zeigte sich beim Gespräch über neue Bücher. „Die Räuberbraut“, ein historisches Werk von Astrid Fritz, bei dem Schinderhannes und sein Julchen im Fokus stehen und auch Lauterecken, Wiesweiler oder Offenbach vorkommen, legte sie nach entsprechenden Hinweis sofort für den Mann einer Besucherin zurück. Ute Weichel kennt noch nicht so viele Leute, aber sie sei mit Herzblut dabei, lobt ihre Vorgängerin. Wichtig ist beiden, dass Menschen zum Lesen gebracht werden, denn Büchereien haben allgemein immer weniger Besucher und Ausleihen.

Glücklich und stolz

Sobald die Umstellung erfolgt ist, will Weichel Aktionen starten, um dem gegenzusteuern. Wichtig sei dabei auch die räumliche Erweiterung, damit größere Gruppen in die Bücherei eingeladen werden können und weil eine gemütliche Abteilung mit Sitzsäcken für Kinder sowie eine kleine Begegnungsstätte eingerichtet werden sollen. Die Präsentationsmöglichkeiten werden zunehmen. Döhnert betont im Gespräch mit der RHEINPFALZ, dass sie glücklich und stolz sei, in Ute Weichel eine engagierte Nachfolgerin gefunden zu haben. Diese macht darauf aufmerksam, dass die Stadtbücherei für jeden geöffnet ist und nicht etwa nur Lautereckern zur Verfügung steht. Dass wüssten viele Leute nicht. Außerdem sind Anmeldung und Ausleihen kostenlos – zumindest wenn man die dreiwöchige Rückgabefrist nicht verstreichen lässt. Info Ab dem 4. Januar ist die Bücherei wieder montags von 17 bis 19 Uhr und donnerstags von 16 bis 18 Uhr geöffnet. Im Flur befinden sich sehr viele ältere, jedoch gut erhaltene Kinderbücher, die aus dem Bestand genommen wurden und kostenlos in gute Hände abzugeben sind.

x