Kusel Lange Wartezeiten bei Psychotherapeuten

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Wer als Kassenpatient einen Termin beim Psychotherapeuten braucht, wartet im Landkreis Kusel meist zwischen sechs Monaten und einem Jahr. Zwar gibt es zum 1. April eine neue Psychotherapie-Richtlinie, die unter anderem regelmäßige Sprechstunden und Akutbehandlungen ermöglichen soll, doch die meisten Psychotherapeuten versprechen sich davon keine Verbesserung der Situation – zumal immer mehr Menschen eine psychotherapeutische Behandlung in Anspruch nehmen wollen.

Peter Brettle, Präsident der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz, geht von einem Mangel an Psychotherapeuten in Rheinland-Pfalz aus. Während die Kammer von Wartezeiten von mehr als zwölf Wochen berichtet, spricht Brettle von solchen zwischen sechs Monaten und einem Jahr. Auf eine Anfrage der RHEINPFALZ verwies die Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz an die Kassenärztliche Vereinigung. Diese antwortete jedoch nicht. Die meisten Psychotherapeuten im Kreis Kusel gehen ebenfalls von zu langen Wartezeiten und einem Mangel an Therapeuten aus. Die Patienten von Susann Hänig, die eine Praxis für Kinder- und Jugendpsychotherapie in Waldmohr betreibt, müssen mit Wartezeiten zwischen sechs und zwölf Monaten rechnen, wie sie Auskunft gibt. Sie hat eine kassenärztliche Zulassung als Psychotherapeutin, Therapien werden folglich in der Regel über die Krankenkasse abgerechnet. Der Bedarf an Psychotherapien im Kindes- und Jugendalter nimmt ihrer Meinung nach zu. Das liege zum einen daran, dass sowohl Eltern als auch Kinder und Jugendliche solchen Therapien heutzutage aufgeschlossener gegenüberstünden und dadurch die Angebote eher wahrgenommen würden. Auf der anderen Seite „bringt die heutige Zeit viel mehr Stress für die gesamte Familie mit sich“, wodurch immer mehr Kinder und Jugendliche Hilfe benötigten. Darüber hinaus seien auch Erzieher und Lehrer in Kindergärten und Schulen sensibler für dieses Thema. Immer häufiger würden diese Eltern empfehlen, ihre Kinder von Psychotherapeuten behandeln zu lassen, sagt Hänig. Ab dem 1. April tritt eine neue Psychotherapie-Richtlinie in Kraft. Es werden beispielsweise regelmäßige Sprechstunden für einen ersten Kontakt eingeführt und Akutbehandlungen ermöglicht. Hänig sieht die Reform allerdings kritisch: „Positiv ist zu bewerten, dass Patienten schneller einen Ersttermin bekommen werden“, sagt die Psychotherapeutin. Dies habe den Vorteil, dass „schneller gezielt in andere Hilfsbereiche weiterempfohlen werden kann“. Dennoch ändere dies nichts an den Kapazitäten. „Nach der schnellen Erstversorgung wird es wahrscheinlich immer noch zu langen Wartezeiten kommen, bis die eigentliche Therapie beginnen kann“, befürchtet sie. Geholfen ist den Patienten mit der Reform ihrer Meinung nach nicht ausreichend. „Langfristig müsste es im Kreis mehr Psychotherapeuten mit einer kassenärztlichen Zulassung geben“, sagt Hänig. Walter Stein, Angestellter des Medizinischen Versorgungszentrums Conmedico mit einer Praxis in Kusel, ist Nervenarzt, Psychiater und Psychotherapeut. Auch er findet, dass die Wartezeiten für Patienten bei Psychotherapeuten zu lange sind. Die Reform wird seiner Meinung nach an dem eigentlichen Problem, den mangelnden Kapazitäten, nichts ändern. Denn der Bedarf an entsprechenden Therapien in der Bevölkerung nehme zu. Grund dafür ist auch laut Stein, dass viele Bürger Psychotherapien heutzutage aufgeschlossener gegenüberstehen, der Anteil der Patienten im Kindes- und Jugendalter zugenommen hat und nicht zuletzt viele ankommende Flüchtlinge entsprechende Hilfe brauchen. Bei letzteren könnten zudem sprachliche Barrieren neben den langen Wartezeiten ein zusätzliches Problem darstellen. Auch Wilfried Tischer, Vorsitzender des Vereins zur Hilfe für psychisch Kranke im Kreis Kusel und Petra Heyd-Jung, die eine Praxis in Kusel hat, halten die Wartezeiten für zu lange. Silvia Schäfer, Sozialarbeiterin und Heilpraktikerin für Psychotherapie, arbeitet in der Tagesklinik des Pfalzklinikums in Kusel und betreut zusätzlich Patienten psychotherapeutisch, sie hat jedoch keine Kassenzulassung. Das bedeutet, dass ihre Patienten die Therapie ohne entsprechende Versicherung aus eigener Tasche zahlen müssen. Ihrer Meinung nach gibt es zu wenige Psychotherapeuten im Umkreis. Wartezeiten von mindestens einem halben Jahr seien die Regel. Sie sieht die Kassenärztliche Vereinigung in der Pflicht. Diese müsste in der Region mehr Psychotherapeuten zulassen. Gabriele Müller, Heilpraktikerin für Psychotherapie mit einer Praxis in Kusel, ebenfalls ohne Kassenzulassung, kann eine Unterversorgung in und im unmittelbaren Umfeld von Kusel hingegen nicht bestätigen. Ihrer Meinung nach ist das Problem in anderen Teilen von Rheinland-Pfalz noch viel drängender. Die Wartezeiten bei Therapeuten ohne kassenärztliche Zulassung seien deutlich niedriger. Patienten würden jedoch lieber längere Wartezeiten in Kauf nehmen, statt für eine Behandlung bei Therapeuten ohne kassenärztliche Zulassung aus eigener Tasche zu zahlen.

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