Kusel Kuselerin arbeitete drei Monate in einem Waisenhaus in Tansania

„Am liebsten hätte ich sie alle mitgenommen“, sagt Tina Engels lachend. Die 29-Jährige Kuselerin hat die vergangenen drei Monate in einem Waisenhaus in Tansania gearbeitet. Dort kümmerte sie sich vorrangig um die einjährige Editha. Diese wurde mit einer Gaumenspalte geboren und muss über eine Magensonde ernährt werden – eine Operation in Tansania ist schwierig. Die Pädagogin hat nun eine Initiative gestartet, um das Mädchen für die Operation nach Deutschland zu holen.
Bloß nicht in eines der Kinder verlieben. Das sei der Rat der Betreuer im „Craddle of Love Babyhome“ in der Nähe von Arusha (Tansania) gewesen, in dem die 29-jährige Pädagogin Tina Engels die vergangenen drei Monate gearbeitet hat. Kein Problem. Oder doch nicht? „Von den Freiwilligen, die dort gearbeitet haben, hat es mit Sicherheit niemand geschafft, die Kleinen nicht ins Herz zu schließen.“ In dem afrikanischen Waisenhaus seien aktuell 29 Kinder untergebracht – von Neugeborenen bis zu Kindern, die drei Jahre alt sind. „Nicht bei allen sind beide Elternteile gestorben. Es sind Babys im Heim, deren Mütter die Geburt nicht überlebt haben und die Väter schlichtweg überfordert sind“, sagt die Pädagogin. In diesem Fall sei die Rückführung der Kinder in die Familie das Ziel. Das „Craddle of Love Babyhome“ ist ein privates Projekt, das vor rund zehn Jahren von der Amerikanerin Davona Church und ihrem Mann ins Leben gerufen wurde. Sie wollten Waisen und verstoßenen Kindern ein Heim bieten. „Ich habe ein Projekt gesucht, das nicht über eine große Organisation läuft“, erinnert sich Engels. Eher zufällig sei sie Anfang des Jahres auf das komplett durch Spenden finanzierte Waisenhaus, das mittlerweile von Davona Churchs Sohn Brandon geführt wird, aufmerksam geworden. „Ich hatte in Köln bereits mit Babys und Kleinkindern gearbeitet. Da hat das gepasst.“ Und doch sei es die ersten Tage schwierig gewesen. „Die meisten Angestellten sprechen Suaheli, da mussten wir uns mit Händen und Füßen verständigen“, sagt Engels. Auch die Arbeit im Heim sei mit der in Deutschland nicht zu vergleichen: Die Betreuer seien in Tansania für mehr Kinder zuständig. „Bei uns verbringt man in den Einrichtungen deutlich mehr Zeit mit einem Kind, dort ist es eine Gruppe. Hin und wieder war es Arbeiten wie am Fließband“, schildert die Pädagogin lachend: „Jede Mutter weiß: Wenn die Babys Hunger haben, dann haben sie Hunger.“ Mit der Kindernahrung sei es generell schwierig: Es gebe zwar Kindermilch zu kaufen. Die sei aber sehr teuer, sodass viele Eltern sich diese nicht leisten könnten. „Viele Eltern füttern ihre Kinder mit verdünnter Kuhmilch. Einige Kinder im Waisenhaus waren bei ihrer Aufnahme unterernährt. Da merkt man, wie gut es einem in Deutschland geht.“ Schnell hat sich die Pädagogin in dem neuen Umfeld zurechtgefunden. Die Sprachbarriere wurde durch Englisch sprechende Angestellte überwunden. Im Waisenheim half sie eifrig mit, fütterte und wickelte die Kinder, sang Kinderlieder und spielte mit ihnen. Dass es ihr so schwer fiel, Tansania vor rund einer Woche wieder in Richtung Kusel zu verlassen, lag allen voran an Editha. „Ich habe von Anfang an daran gedacht, wie es wohl sein wird, die Kleinen nach den drei Monaten wieder zu verlassen, aber so schwer habe ich es mir nicht vorgestellt.“ Nach rund zwei Wochen begann Engels sich um das kleine Mädchen zu kümmern. Die mittlerweile Einjährige wurde mit einer Gaumenspalte geboren. „Sie war älter, aber deutlich kleiner und leichter als die anderen Kinder ihrer Gruppe. Sie hat das Essen nicht bei sich behalten und musste deshalb über eine Magensonde ernährt werden.“ Mit neun Monaten wog Editha nur knapp drei Kilogramm, schaffte es nicht, das Spielzeug hochzuhalten. Alle zwei Stunden fütterte die 29-Jährige, die von ihrer Tätigkeit in Köln Erfahrung mit Kindern hatte, die über eine Magensonde ernährt werden müssen, das Mädchen. „Das dauerte oft mehr als eine Stunde.“ In den drei Monaten machte Editha große Fortschritte, nahm zu und wurde kräftiger. „An ihrem ersten Geburtstag habe ich sie das erste Mal lächeln gesehen.“ Kein Wunder, dass der Abschied da schwer fiel. Zumal Engels weiß, dass eine Operation dem Mädchen die Nahrungsaufnahme und somit das Leben erleichtern würde. Der Haken: Der vermeintliche Routineeingriff kann in Tansania nur bei Kindern vorgenommen werden, die rund acht Kilogramm schwer sind – „wegen der Narkose“. Deshalb will Tina Engels Editha für die Operation nach Deutschland holen. Zwei Ärzte der Klinik in Hattingen (Nordrhein-Westfalen) haben der 29-Jährigen bereits zugesagt, Editha kostenlos zu operieren. Übrig bleiben die Klinikgebühren, die Kosten für den Flug des Mädchens und des Vaters – „die Regierung lässt das Mädchen nur in Begleitung ihres Vaters außer Landes.“ Insgesamt rechnet Engels mit Kosten von rund 3000 Euro. Auf ihrer Facebook-Seite hat sie bereits einen Spendenaufruf gestartet, „die Hälfte des Geldes ist schon zusammengekommen.“ Info Wer Tina Engels Initiative unterstützen möchte, kann sich per E-Mail an editha@tina-engels.de wenden.