Kusel Kusel: Pachtpreise für landwirtschaftliche Flächen regional unterschiedlich
Wer heute in Rheinland-Pfalz landwirtschaftliche Flächen pachten möchte, der muss tief in die Tasche greifen.
Nach Angaben der Statistiker ist das so viel wie noch nie seit dem Start der Erhebung vor gut 40 Jahren. Im Vergleich zu 2013 seien die Pachtentgelte um rund 19 Euro je Hektar gestiegen. Dies entspricht einer Erhöhung um neun Prozent. Für neu gepachtete Flächen mussten Landwirte im Durchschnitt 314 Euro pro Hektar zahlen. Wie das Statistische Landesamt weiter mitteilt, werden in Rheinland-Pfalz fast zwei Drittel der Flächen gepachtet. Dass die Entgelte für gepachtete Flächen angestiegen sind, kann Helmut Steinhauer von Hof Veldenz in Lauterecken bestätigen. Zwar bewirtschaftet Steinhauer mit der Familie einen hohen Teil an eigenen Flächen, doch einiges sei auch zugepachtet. Die Entwicklung der Pachtentgelte ist laut Steinhauer allerdings regional unterschiedlich. Dies habe unter anderem mit Strukturentwicklungen von Betrieben zu tun, aber auch mit der niedrigen Zinspolitik der Europäischen Zentralbank. Da Pachtverträge meist für längere Zeiträume abgeschlossen werden, steigt das Preisniveau nur langsam an. „Die Pachtpreise sind in Bewegung“, bemerkt Steinhauer und fügt hinzu: Bei Pachtverhältnissen von sechs, neun oder zwölf Jahren sei nicht jeder bereit, seine Äcker langfristig zu verpachten. Werden Pachtverträge eigentlich immer noch mündlich abgeschlossen? „Mündlich abgeschlossene Pachtverträge sind gültige Verträge“, sagt Steinhauer. Die meisten Landwirte zögen heute allerdings einen schriftlichen Vertrag vor. Ausschlaggebend für den Pachtpreis sind Steinhauer zufolge die Bodenqualität, Ertragsfähigkeit und Rentabilität der Flächennutzung. In Ostdeutschland, wo es wesentlich größere Strukturen gebe als in unserer Region, seien die Preise enorm gestiegen, weiß der Landwirt aus Lauterecken. Laut einer Arbeitsgruppe von Bund und Ländern sind auch die durchschnittlichen Kaufpreise für Äcker zwischen 2007 und 2012 in Westdeutschland um 36 Prozent gestiegen, im Osten um sogar 132 Prozent. In der Kreismitte hat es nach Beobachtungen von Landwirten wenig Bewegung beim Pachtpreis gegeben. So lägen die Pachtpreise in der Region um Quirnbach bei rund 50 bis 150 Euro pro Hektar, berichtet der Liebsthaler Landwirt Ralf Klein. Dass die Preise auf einem Höchststand sind, kann er nicht bestätigen. In der Vorderpfalz, wo die Böden besser sind, sei das vielleicht gravierender. „Aber wir ernten ja nur einmal im Jahr.“ In der hiesigen Region sei der Ertrag nicht so gut, daher auch der Pachtpreis noch akzeptabel, sagt Klein, der selbst 300 Hektar gepachtet hat und 140 Stück Milchvieh hält. Allerdings seien auch Böden dabei, bei denen man draufzahle, etwa wenn der Ertrag wegen schlechter Witterung ausfalle. Auch im Norden des Landkreises seien die Preise noch unter dem Landesdurchschnitt, wie Joachim Kreischer aus Buborn berichtet. Dies hänge mit der Qualität der Böden, Geländetopografie und vor allem auch der Niederschlagsmenge zusammen. Kreischer expandierte früh und pachtete viel Land. Der Acker- und Grünlandbetrieb, der vor allem auf Gemarkungen in Buborn, Hausweiler und Herren-Sulzbach wirtschaftet, gehört wohl zu den größten im Kreis und könnte auch noch Land hinzunehmen. „In den vergangenen zehn Jahren war der Preis relativ konstant“, schildert Kreischer. Bei Neuverpachtungen beobachte er mitunter jedoch Bieter-Konkurrenz, die den Preis nach oben treibe. Keinen Mangel an Pachtflächen registriert Ralf Klein. In der Region um Quirnbach gebe es noch genug Äcker, wenn Kollegen aufhören. Und dies geschieht nach Angaben der Statistiker immer häufiger. So wirtschafteten 2016 noch rund 17.600 landwirtschaftliche Betriebe in Rheinland-Pfalz. Das waren knapp 500 weniger als ein Jahr zuvor. Gegenüber 1999 habe sich die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe sogar mehr als halbiert, lautet ein Ergebnis der Agrarstrukturerhebung. Der Rückgang sei vor allem auf die kleineren Betriebe zurückzuführen: Betriebe, die weniger als fünf Hektar bewirtschaften, verringerten sich gegenüber 1999 um 75 Prozent. Dagegen stieg die Zahl der Großbetriebe, die 100 Hektar und mehr bewirtschaften, an. Sie erhöhte sich seit 1999 um knapp 900 Betriebe (plus 70 Prozent). Großbetriebe bewirtschaften in Rheinland-Pfalz rund die Hälfte der landwirtschaftlich genutzten Fläche. |suca