Kusel Kusel/Lauterecken: Tausende neue blaue Reflektoren

Bringen sie was oder nicht, die blauen Reflektoren? Dafür gibt es bundesweit noch keine verlässliche Studie.
Bringen sie was oder nicht, die blauen Reflektoren? Dafür gibt es bundesweit noch keine verlässliche Studie.

Polizei registriert erneute deutliche Steigerung bei den Wildunfällen und sucht nach Wegen der Eingrenzung

Die Anzahl der Wildunfälle hat in den Zuständigkeiten der Polizeiinspektionen Kusel und Lauterecken im vergangenen Jahr neue Höchststände erreicht. Nun soll mit tausenden blauer Reflektoren entlang der gefährdetsten Strecken gegengesteuert werden. Allerdings ist bis dato nicht erwiesen, dass dies überhaupt etwas bringt. Seit Jahren schon steigt die Anzahl der Wildunfälle im Verantwortungsgebiet der Polizeiinspektion Lauterecken stetig an – im vergangenen Jahr auf einen erneuten Höchststand geklettert. 557 Unfälle mit Wildbeteiligung wurden 2017 gezählt. Damit ist auch der Anteil der Zusammenstöße mit Tieren an der Gesamtunfallzahl auf Höchstniveau gestiegen. Deutlich mehr als die Hälfte aller Unfälle in den Verbandsgemeinden Lauterecken-Wolfstein und Meisenheim sind in die Kategorie Wildunfälle einzuordnen. Bei 979 Unfällen insgesamt ergeben die 557 Wildunfälle einen Anteil von 57 Prozent. Im Jahr zuvor waren es noch 53 Prozent (941 Unfälle, davon 501 Wildunfälle).

Knapp 40 Prozent aller Unfälle

Erik Hippchen, Sachbearbeiter Verkehr und Einsatz bei der Veldenz-Inspektion, hat auch eine Fünf-Jahres-Übersicht gegeben. Demnach wurden im Jahr 2013 „nur“ 360 Unfälle gezählt, bei denen Wildtiere eine Rolle spielten. Der größte Sprung war von 2014 bis 2015 zu verzeichnen, als die Zahl der Wildunfälle von 379 auf 469 um insgesamt 90 Zusammenstöße kletterte. 2016 wurden dann 501 Wildunfälle gezählt. Nicht anders sieht es bei der Polizei Kusel aus, die für die Verbandsgemeinden Kusel-Altenglan und Oberes Glantal zuständig ist. Im vergangenen Jahr wurde der Höchststand von 2016 nochmals deutlich übertroffen – die Zahl der Wildunfälle stieg um mehr als zehn Prozent auf 670. Hier sind das knapp über 40 Prozent aller Unfälle. Zwei Menschen wurden dabei schwer verletzt, drei weitere leicht, wie Sachbearbeiter Gert Kaiser aufgelistet hat. Bei den beiden Schwerverletzten handelte es sich um Motorradfahrer, die bei Ausweichmanövern gestürzt sind.

174 Unfälle auf Strecke Selchenbach-Konken

Kaiser hat für die Jahre 2011 bis 2016 eine Liste der Straßen erstellt, auf denen die meisten Wildunfälle passiert sind. Die Top 5 werden angeführt von der Strecke Selchenbach-Konken (174 Unfälle), gefolgt von Ohmbach-Krottelbach (149), Brücken-Schönenberg-Kübelberg (130), Blaubach-Oberalben-Ulmet (110) und die B 420 bei Ulmet (88 Unfälle zwischen 2011 und 2016). Die steigende Anzahl an Wildunfällen ist auch immer wieder Thema bei Besprechungen der Polizei – speziell mit der Kreisjägerschaft. Um gegenzuwirken, so sagt Hans Schmidt vom Sachgebiet Einsatz und Verkehr, werden die Jäger in den kommenden Monaten zwischen 8000 und 9000 blaue Reflektoren entlang jener Straßen im gesamten Landkreis aufhängen, die wegen Wildunfällen auffällig geworden sind. Aber: Ob das etwas hilft, ist bislang fraglich. Es gebe in ganz Deutschland keine Studie mit belastbaren Aussagen darüber, ob die Reflektoren tatsächlich zu einem Rückgang der Wildunfälle führen, weil das in der Natur nicht vorkommende blaue Licht Wildtiere vom Queren der Straßen abschreckt.

Jahre bis zur verlässlichen Statistik

„Auf einer der ersten Straßen bei uns mit Reflektoren, der Strecke Breitenbach-Altenkirchen, hatten wir in den Jahren danach einen deutlichen Rückgang. Doch vor zwei Jahren sind die Zahlen wieder schlagartig nach oben gegangen“, sagt er. Hinzu komme, dass die Gefahr von Wildunfällen natürlich auch mit der Größe der Wildpopulation zusammenhänge. Ist viel Wild unterwegs, können auch häufiger Unfälle geschehen. Die Kuseler Polizei will deshalb nun selbst gemeinsam mit der Kreisjägerschaft längerfristig Daten sammeln, wenn die neuen Strecken mit Reflektoren ausgestattet sind. Deren Entwicklung soll dann mit den Abschusszahlen der Jäger in Relation gesetzt werden, die zumindest ansatzweise einen Hinweis darauf geben, wie groß die Wildpopulation ist. Auf dieser Basis könne man dann vielleicht die Wirkung der Reflektoren zuverlässig abschätzen. Doch bis es verlässliche Statistiken gebe, dauere es Jahre.

Kein Schilder-Abbau aus Angst vor Klagen

Eine andere Idee, Autofahrer für das Thema Wildunfälle zu sensibilisieren und sie zu einer vorsichtigeren Fahrweise anzuhalten, ist inzwischen wieder vom Tisch: nämlich jene, das Gros der Verkehrsschilder „Wildwechsel“ abzubauen und nur dort welche zu belassen, wo ein Wildunfall-Schwerpunkt ist. Dies würde, so wäre die Hoffnung, im Schilderwald entlang unserer Straßen die Aufmerksamkeit für dieses Schild wieder erhöhen. Doch die Straßenmeisterei habe den Abbau der Schilder abgelehnt. Grund: Wenn es dann auf einer dieser Strecken ohne Schilder doch zu Wildunfällen komme, könne man sicher sein, dass früher oder später einer der betroffenen Autofahrer klage, weil eben nicht vor dem Wildwechsel gewarnt worden sei.

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