Kusel Kusel: Kurze Reden, Pestizide und ein Rücktritt

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Vorsicht, Satire: Wir in der Redaktion haben mal wieder keine Kosten und Mühen gescheut, haben allen Kaffeesatz samt gebrauchten Teebeuteln zusammengekratzt, um herauszufinden, was im kommenden Jahr im Kreis so alles passieren könnte. Allerdings übernehmen wir an dieser Stelle wie üblich keine Gewähr.

Januar

: Neue Leute, neue Sitten. Landrats-Anfänger Otto Rubly beschließt, seine Ansprache beim Neujahrsempfang des Kreises auf gerade einmal 15 Minuten zu beschränken und auch keine berühmten Zitate zu benutzen, sondern frei Schnauze zu reden. Dieses unüberlegte Vorgehen hat gravierende Folgen: Die 1127 Gäste in der überfüllten Fritz-Wunderlich-Halle, die in alter Tradition für die dreistündige Veranstaltung nur für zwei Stunden Gesprächsstoff mitgebracht haben, sind total schockiert und stehen 45 Minuten lang stumm herum. Februar: In Waldmohr kämpft Insolvenzverwalter Paul Wieschemann engagiert um den Fortbestand des Möbelherstellers CS Schmal und seiner mehr als 400 Mitarbeiter. Dabei greift er zu kreativen Maßnahmen. Er engagiert eine ganze Kohorte Kammerjäger, die er mit chemischen Keulen durch das Gelände schickt. „Wenn ich mit den potenziellen Investoren spreche, darf dort keine Spur mehr von der Heuschreckenplage zu sehen sein, die die armen Menschen hier ein Jahr lang heimgesucht hat“, begründet er sein ungewöhnliches Vorgehen. Eingesetzt würden die stärksten Mittel, die es auf dem Markt gebe, denn beim Befall habe es sich um eine besonders fresssüchtige und widerstandsfähige deutsch-schweizerische Insektenart gehandelt. Er hoffe, sagt Wieschemann, dass die Ungeziefervernichtung im Laufe des Monats abgeschlossen ist, damit er CS Schmal wieder in eine gute Zukunft führen kann. März: Erneuter Schock bei der Submission der weiteren Angebote für die Sanierung des Hallenbads. Die Technik wird gleich um fünf Millionen Euro teurer als vorgesehen. Da der Planer sich weigert, die Mehrkosten zu übernehmen, wird der halb fertige Rohbau umgehend eingestellt und für die Vitalbad-GmbH ein Insolvenzverfahren beantragt. Was zunächst wie ein schwerer Schlag für die Gesundheits- und Tourismusbranche im Kreis klingt, erweist sich als Glücksfall. Bürgermeister Stefan Spitzer richtet sofort den Ruinen-Prädikats-Wanderweg ein, der von Burg Lichtenberg über den Rutschenturm des Hallenbads auf den Remigiusberg führt.

„Priiiiimaaaaa Voraussetzunge“

April

: Fritz August Bittmann, Chef der Firma Bito mit Sitz in Meisenheim und Produktion in Lauterecken, hat genug. Nachdem sich kein Kommunalpolitiker ernsthaft mit seinem Brandbrief vom vergangenen Frühjahr über die marode Infrastruktur im Kreis Bad Kreuznach beschäftigt hat, beschließt er den Wegzug aus Meisenheim. Im Anbiedern um den künftigen Standort mischen auch Lauterecken und Kusel mit. Lautereckens Stadtbürgermeister Heinrich Steinhauer führt als Argumente ins Feld, dass das einst marode Veldenzschloss schon bald in neuem Glanz erstrahlen und auch die Ortsausfahrt Richtung B270 irgendwann in den nächsten zehn Jahren repariert wird. „Des sinn doch priiiiimaaaaa Voraussetzunge fer e Weldunnernehme“, preist er seine Stadt an. Seine Kuseler Kollegin Ulrike Nagel hält es nüchterner: „Bito kann aufs Kasernengelände. Wenn wir die Brücke über die Haischbachstraße neu gebaut haben, haben wir die modernste Gewerbegebietzufahrt weit und breit.“ Bittmann denkt nun über die beiden verlockenden Möglichkeiten nach. Mai: Psychologen im Kreis schlagen Alarm. Dass diverse langanhaltende Baustellen tatsächlich noch fertig geworden sind – darunter die besonders beliebte in Mayweilerhof –, hat bei vielen Autofahrern Entzugserscheinungen ausgelöst. Sie kommen nicht damit zurecht, dass sie ihre gewohnten Umwege nicht mehr fahren müssen, vermissen die Sperrschilder. Verantwortliche des Landesbetriebs Mobilität sowie führende Kommunalpolitiker treffen sich zu einer Dringlichkeitssitzung und suchen nach Wegen aus der Krise. Am Ende steht ein ausgeklügelter Plan neuer Baustellen an Durchgangsstrecken und Knotenpunkten. Das Konzept sieht unter anderem vor, dass gleichzeitig die B423 bei Matzenbach, die B270 zwischen Kreimbach-Kaulbach und Rutsweiler sowie die L354 zwischen Breitenbach und Waldmohr in Höhe Bambergerhof komplett gesperrt werden. Den Auftakt macht Kusel mit einer Vollsperrung der B420 in Höhe Friedhof, um den gewünschten Kreisel zu bauen. Auf Anraten der Psychologen wird zudem auf die Ausweisung von vernünftigen Umleitungsstrecken verzichtet, um den Autofahrern mehr Gestaltungsfreiheit zu gewähren. Das sei ein Beitrag zur Genesung, heißt es. Juni: Der Landkreis sucht nach weiteren Möglichkeiten, Geld zu sparen Landrat Otto Rublys Blick fällt dabei auf seine Heimatgemeinde Schönenberg-Kübelberg – und auf den gut angenommenen Bürgerbus in der Verbandsgemeinde. Kurzerhand lässt er den hoch defizitären und fast nicht genutzten Burgenbus einstellen. An dessen Stelle tritt eine Bürger-Rikscha, bei der Freiwillige die Pedale bedienen, um Touristen von der Stadt auf die Lichtenburg zu transportieren. Die drei ersten Rikschas werden von den Chinesen zur Verfügung gestellt, die ohnedies in Kusel investieren wollten.

„Freizeitpark A62“

Juli

: Der Chor FrifraVoce baut auf seinem begeisternden Auftritt in der New Yorker Carnegie Hall im vergangenen Jahr auf und geht auf Welttournee, die unter anderem in die Mailänder Scala, das Opernhaus Sydney und ins Amphitheater nach Avignon führt. Abschluss der dreiwöchigen Konzertreise ist im Dorfgemeinschaftshaus Hüffler. „Wir freuen uns über unseren unerwarteten Erfolg. Wir wollen an die Tradition der Kuseler Wandermusikanten anknüpfen, auch wenn wir eher mit Flugzeug und Bus unterwegs sind“, sagt der stolze Chorleiter Lissmann. August: Ministerpräsidentin Malu Dreyer lobt bei ihrem Besuch in Konken Aufbruchstimmung und Unternehmergeist im Landkreis Kusel. Anlass ist die Grundsteinlegung für das neue Steigenberger-Hotel neben dem Autohof Preis, nur wenige Meter von der Baustelle entfernt, aus der bald der „Freizeitpark A62“ entstehen soll. „Das läuft hier deutlich besser als am Nürburgring“, sagt die Ministerpräsidentin anerkennend und räumt selbstkritisch ein, dass „das vielleicht auch daran liegt, weil die Landespolitik nichts damit zu tun hat“. In ihrer Freude gibt die Ministerpräsidentin am Ende des Festakts allen Anwesenden ein Eis aus, betont aber, dass das eine ganz private Geste sei. September: Das lange Tauziehen um die zivile Mitnutzung der Panzerstraße endet mit einem bemerkenswerten Kompromiss: Richtung Baumholder dürfen nur Autos, Busse und zivile Lastwagen fahren, die andere Straßenseite gehört ausschließlich Haubitzen, Panzern und Truppentransportern unserer Landesverteidiger. Wer in die jeweilige Gegenrichtung fahren muss, darf sich einen anderen Weg suchen.

Kanuverkehr auf dem Glan

Oktober

: Landrat Otto Rubly tritt am Jahrestag seines Amtsantritts überraschend zurück. „Ich hann denne Roode jetzt gezeigt, wie’s geht. Awwa jetzt will ich widda zurick zu meine Kieh unn zu meim Schnaps. Es Lewe in de Kreisverwaldung iss ma zu ungsund; kaum Bewegung im Kreishaus“, begründet der 61-Jährige seinen Abgang. Er verspricht aber, er werde seinen ersten Brand-Jahrgang mit dem Titel „Landrats-Schnaps“ versehen. November: Die SGD Süd hat die Nase voll vom dauernden Ärger mit Bäumen entlang des Glans. In einer Nacht- und Nebelaktion, damit diese penetranten Umweltschützer nicht wieder herumweinen, werden alle Bäume gefällt, die zwischen Odenbach und Meisenheim entlang des Flüsschens stehen. Stattdessen wird rechts und links des Gewässers eine Mauer errichtet, die als Lärmschutz für die plätschergeplagten Anwohner dienen soll sowie als Gestaltungsfläche. Einzige Vorschrift: Wer sich naturmalerisch verewigen möchte, muss in irgendeiner Form die Farbe Grün verwenden. Der Kanuverkehr auf dem Glan ist ab sofort wieder freigegeben. Dezember: Hier würde jetzt was zum kaputten Sportplatz in Wolfstein stehen, wenn wir noch Platz hätten. Haben wir aber leider nicht.

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