Kusel „Kröten lesen keine Lehrbücher“
„Es war ein komisches Jahr“, sagt Arno Sprau, Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Südwestpfalz, über die Laichwanderung von Kröten, Molchen und Fröschen in diesem Frühjahr. Schwankungen seien zwar üblich. Nicht aber, dass sich fast alle Tiere innerhalb von nur vier Tagen zum Laichgewässer aufmachen.
Rund 900 Tiere, und zwar fast ausschließlich Erdkröten, zählten die ehrenamtlichen Helfer entlang des 540 Meter langen Krötenzauns auf Höhe der Etzenbacher Mühle zwischen Wiesbach und Winterbach. Zwischen Stambach und Contwig waren es auf rund 500 Metern 850 Erdkröten, 160 Bergmolche und 40 Fadenmolche. „Ein erfreulich hoher Anteil an Molchen“, sagt Arno Sprau. Die beiden Zäune gehören zu einem größeren Paket von Amphibienschutzmaßnahmen im Landkreis Südwestpfalz. Gesamtkosten jedes Frühjahr: rund 18.000 Euro. „Ein komisches Jahr“ war 2016, weil die Amphibien nicht wie erwartet im Lauf mehrerer Wochen auf Wanderung gingen, sondern an vier Tagen. Sprau: „In der Woche nach Ostern ging es erst los und 98 Prozent der Tiere waren zwischen dem 31. März und dem 3. April unterwegs.“ Der Grund: Die kalten Märznächte haben den wechselwarmen Tieren die Wanderung verleidet. Amphibien sind bei ihrer Fortpflanzung auf Wasser angewiesen. Jedes Frühjahr ziehen sie von ihren Überwinterungsquartieren zu geeigneten Laichgewässern. Die Wanderung ist nicht ungefährlich: Meistens führt sie über Straßen, wo die langsamen Lurche überfahren oder durch den Luftdruck vorbeifahrender Autos getötet werden. An besonders frequentierten Wanderrouten stellt die Kreisverwaltung deshalb mobile Schutzzäune auf. Rund 130 Menschen helfen laut Sprau ehrenamtlich, die entlang der Zäune eingegrabenen Auffangeimer morgens und abends zu kontrollieren. Sie zählen und bestimmen die Tiere und tragen sie dann über die Fahrbahn. In Wiesbach engagiert sich die Grundschule Wallhalben von montags bis freitags – „ganz wunderbar“ sei das, sagt Sprau. Eigentlich sollen die Amphibien auch durch Zäune geschützt werden, wenn sie von den Laichgründen wieder zurück in Wälder und Wiesen wandern. Auch dabei droht ihnen massenhafter Straßentod. 2016 hat der Schutz des Rückwegs nicht geklappt – nicht nur, weil es entlang der Etzenbacher Mühle auf der zu den Weihern gelegenen Fahrbahnseite zu gefährlich für die Helfer sei, wie Sprau betont. „Üblich ist, dass Kröten etwa 10 Tage in den Teichen bleiben. Sie lesen aber offenbar keine Lehrbücher. Dieses Jahr wanderten die Tiere fast direkt wieder zurück. So schnell konnten wir die Zäune nicht umstellen. Die haben uns quasi überrollt.“ Um die Situation zu verbessern, wurden im Landkreis inzwischen sichere Laichgewässer entlang der typischen Wanderrouten angelegt. Zwischen Contwig und Stammbach hofft Sprau auf dauerhafte Leithilfen, wenn die Durchgangstraße umgebaut wird. (kgi) Krötenlotsen gesucht Für die Strecke zwischen Contwig und Stambach werden Helfer gesucht, die von Montag bis Freitag am frühen Morgen Zeit haben. Kontakt: Arno Sprau, E-Mail A.Sprau@lksuedwestpfalz.de, Telefon 06331 809-222.