Kusel Klinken putzen am Feiertag
Na, wo gibt’s denn so was (noch)? Junge Leute, die mal nicht stur aufs Smartphone-Display starren, Daumen und Finger drüber flitzen lassen, sondern einen Handkarren hinter sich her ziehen? Die fleißig Klinken putzen, an jedem Haus anhalten, jeder Tür einen Besuch abstatten, jedes vorbeifahrende Auto stoppen – und das auch noch am einem schulfreien Tag? In Käshofen ist das alljährlich der Fall. Auch am Montag wieder: Sobald Pfingsten an den Tag kommt, rollt der „Pfingstquack“ durch den Höhen-Ort.
775 Einwohner zähle Käshofen – Tim Mohrbach hat sich vorab schlau gemacht. „Wenn jeder einen Euro gibt...“, hofft der Gymnasiast auf einen verdienten Lohn der Mühen. Es darf gerne etwas hängen bleiben, schließlich schlägt sich das Sextett einen Feiertag um die Ohren, um einen alten Brauch am Leben zu erhalten. Früh aufgestanden sind Tim und seine Mitstreiter ja auch noch: Schon um 9 Uhr hatten sich auch Ben Hüther, Lukas Höh und Lucas Schmidt bei Norbert Höh eingefunden. Waren einst mal nur Jungs unterwegs, so hat auch das sich inzwischen geändert: Die beiden Schwestern Maike und Ines de Gruisbourne bereichern die Pfingstquack-Truppe, die zunächst mal Hand anlegen muss. Denn es gilt, die eigentliche Attraktion auf den Wagen zu zaubern. Ein wahres Ungetüm aus Grünem und Blüten will erst einmal zusammengefunden und auf den Handwagen gebaut werden, ehe es seinen Umzug durch den Ort antritt. Den Teenagern hilft dabei, alljährlich und gern, Norbert Höh. Ihm ist daran gelegen, dass der ungewöhnliche Brauch – einst auch in umliegenden Ortschaften gepflegt, inzwischen aber fast überall von der Landkarte verschwunden – in Käshofen weiterhin fröhlich Urständ’ feiert. Es gibt auch Leute, die das für unnötigen Firlefanz halten. „Wir haben auch schon erlebt, dass uns die Tür vor der Nase zugeschlagen worden ist“, sagt Maike de Gruisbourne. Während die Alteingesessenen lächelnd ihren Obolus entrichten, geben sich Zugezogene schon mal zugeknöpfter. Es geht aber auch freundlich: „Wir haben an einem Haus einen Zettel gefunden: Quack, bitte nicht klingeln. Es schläft noch einer...“, berichtet Tim. Passanten wissen Bescheid, was es mit dem kleinen Zug samt Karren auf sich hat: Ein Mann zückt das Handy, um die junge Truppe fotografisch festzuhalten. Ein Auto wird gestoppt. „Hab leider überhaupt kein Geld dabei“, sagt der Fahrer entschuldigend. „Aber ihr wisst ja, wo ich wohne. Einfach später klingeln...“, bittet er um Verständnis. „So was wie Fasnacht...“ sei die Bedeutung des Brauchs, sagen die Sechs. Ein Ritual, das symbolisch helfe, den Winter auszutreiben, den Frühling als die Zeit der Fruchtbarkeit Einzug halten zu lassen. Quack ist der Nestleger, der Jungvogel, der für neues Leben steht. Nun denn: Quicklebendig rattern die Quack-Begleiter ihr Sprüchlein herunter. Und die Sammelbüchse füllt sich. Die Käshofener haben sich spendabel gezeigt: Knapp über 650 Euro, so einige Süßigkeiten und gut 50 Eier sind am Pfingstmontag zusammengekommen. Speck – um den im alten Sprüchlein nebst Eiern gebeten wird – gab’s übrigens auch schon mal. „Der war aber schon abgelaufen...“, erinnern sich die „Quacker“.