Kusel Klinck: Landkreis nicht für Wolfsrudel geeignet

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Ein gerissenes Reh im Pfälzerwald geht auf das Konto eines Wolfes. Im Falle des toten Schafs in Wadern und der vier getöteten Schafe bei St. Wendel gibt es zwar Indizien, die auf den Wolf hinweisen, eine Bestätigung dafür gibt es aber noch nicht. Für Naturschützer wäre die Ankunft des Wolfes ein Grund zur Freude. Die Landwirte sehen dies jedoch anders.

Nachdem im saarländischen Bubach in der Nacht auf den 10. September vier Schafe gerissen wurden, wird in den nächsten Tagen mit einer Auswertung der DNA-Proben gerechnet. Getötet wurden sie durch Biss in die Kehle, das Fleisch teilweise von den Beinen gerissen. „Wir warten täglich auf das Ergebnis“, sagte eine Sprecherin des saarländischen Umweltministeriums auf Anfrage der RHEINPFALZ zu Wochenbeginn. Nach Einschätzung von Experten könnten Wölfe die Schafe auf einer Weide in dem Nachbarort Krottelbachs getötet haben. Seither greift im Landkreis St. Wendel der Wolfsmanagement-Plan der saarländischen Landesregierung. Dieser sichert Besitzern von Schafherden eine bis zu 90-prozentige Kostenbeteiligung für Schutzmaßnahmen zu. Hinweise, dass auch im Kreis Kusel Wölfe unterwegs sind, gibt es nach Angaben von Amtstierarzt Udo Wissinger derzeit keine. Ausschließen möchte er aber nicht, dass in Zukunft auch einzelne Wölfe den Landkreis durchqueren. Dabei könnte es sich um junge Rüden handeln, die – vom Rudel ausgestoßen – auf der Suche nach einer Partnerin sind. Laut Wissinger legen die Tiere große Strecken zurück. In Frankfurt und in Freiburg seien Wölfe totgefahren worden. Dies belege, dass die Tiere „sowohl den Rhein als auch Autobahnen überqueren können“. Wissinger geht allerdings nicht davon aus, dass Wölfe, auch wenn sie den Kreis einmal durchqueren, hier auch sesshaft werden. Ähnlich wie der Luchs, der im Schwarzwald unterwegs war, würden Waschbären und eben auch Wölfe nur durchziehen, um Partner zu suchen. „Der Kreis Kusel ist aufgrund seiner Kulturlandschaft nicht für Wolfsrudel geeignet“, sagt Kreisjagdmeister Bernd Klinck. Anders als der Pfälzerwald, den er durchaus für geeignet hält. Durchziehen könnten die Tiere hier allerdings doch, meint Klinck. Persönlich würde sich der Kreisjagdmeister darüber sogar freuen. „Der Wolf war vermutlich schon lange vor uns da, da wäre es doch schön, wenn wir mit ihm zurechtkommen könnten. Wir können nicht einerseits nach Biodiversität schreien, und wenn es soweit ist, und Luchs und Wolf kommen, diese dann totschießen“, betont der Jäger aus Ulmet. Probleme sieht Klinck bei einer möglichen Ankunft des Wolfes keine. Wölfe seien nicht so gefährlich, wie etwa in Kindermärchen suggeriert. „Klar, kann er mal beim Durchzug ein Reh reißen. Das ist aber natürlich.“ Seien Schafe von Landwirten betroffen, greife das rheinland-pfälzische Wolfsmanagement, das den Schaden ausgleiche. Doch genau da haben die Landwirte im Kreis Kusel große Bedenken. „Das Thema wird verharmlost“, warnt Kreisbauernchef Marcel Müller, der auch schon von Kollegen auf die Problematik angesprochen worden ist. Dass der Wolf eben nicht ein „liebes, braves Tier“ sei, habe er in einer Wolfaufzuchtsstation gesehen: „Dort gab es drei Meter hohe Zäune, die zudem mit Elektro gesichert waren.“ Von der Landesregierung in Mainz höre er dagegen, es reiche, wenn Schafhalter ihre Zäune auf 1,20 Meter erhöhen, kritisiert Müller das hiesige Wolfsmanagement. Sollte der Wolf den Kreis erreichen, stelle dies auf alle Fälle eine Gefahr für Schaf- und Ziegenhalter dar, gibt der Landwirt aus Körborn zu bedenken. Wenn auch noch kein Wolf in der Region gesichtet wurde – das Thema ist längst auch bei Förstern angekommen. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Wölfe auch hier am Durchziehen sind“, meint der Leiter des Forstreviers Lichtenberg, Werner Häußer. Allerdings sei fraglich, ob die dichte Besiedelung und der Straßenverkehr – dem schon viel Wild erliegt –, den Wolf hier überhaupt siedeln lassen. Auf dem Truppenübungsplatz hätte er womöglich bessere Bedingungen. Gefährdungen oder Auswirkungen auf den Wildbestand sieht Häußer nicht. Nach Angaben der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz sind im Land seit 2012 keine Wölfe gesichtet worden. Dennoch breite sich die einst verbreitetste Säugetierart der Erde in Europa langsam wieder aus, um neue Reviere zu erschließen. Nachdem er von Osteuropa nach Sachsen und Brandenburg wanderte und sich erfolgreich vermehrte, bestehe zusätzlich über die Ausbreitung von Italien und Frankreich Einwanderungsdruck auf Rheinland-Pfalz, wo waldreiche Mittelgebirge und Hügelländer potenziellen Lebensraum bieten. Im saarländischen Umweltministerium geht man unterdessen nicht davon aus, dass sich der Wolf im Saarland nach mehr als 100 Jahren wieder ansiedelt. Es sei zu dicht besiedelt. Hundehalter sollen dennoch ihre Vierbeiner anleinen, empfiehlt der Umweltminister. Derzeit leben in Deutschland rund 30 Rudel. Der Wolf gilt nach dem Jagdgesetz nicht als bejagbares Wild. Laut Bundesnaturschutzgesetz ist der Wolf eine „streng geschützte Art“. Die Kreisgruppe Kusel im Landesjagdverband hat aktuell eine Umfrage auf ihrer Internetseite geschaltet: „Freuen Sie sich über die Rückkehr des Wolfs nach Deutschland?“ Abstimmen kann man dort mit „ja“, „nein“ und „weiß nicht“.

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