Kusel Kapitalerhöhung soll Zukunft sichern

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Um ihre ökologische Arbeitsweise weiter entwickeln zu können, will die Aktiengesellschaft „Hof am Weiher“ in Albessen ihr finanzielles Fundament stärken. Ein Zuwachs von 80.000 Euro soll das Unternehmen fit für die Zukunft machen. Für Samstag lädt der Hof zu Infotag und Aktienausgabe ins Gemeindehaus ein.

„Wir wollen das Unternehmen mit mehr Eigenkapital unterlegen“, erläutert Kornelius Burgdörfer-Bensel, Vorstandsvorsitzender der „Hof am Weiher“ AG. Ohne die Prinzipien des Bio-Landbaus aufzugeben, müsse der Betrieb stärker werden, um zu überleben. „Sonst werden wir weggespült“, fürchtet er. Zwar sei der Bioland-Betrieb mit einer Anbaufläche von mittlerweile 110 Hektar, 50 Rindern, 450 Hennen und zwölf Schweinen stets weiter gewachsen. Doch Höfe mit klassischer Gemischtbetriebsstruktur seien auf dem Rückmarsch, erste Bio-Rückumsteller seien zu verzeichnen. Dabei berge keine andere Form der Lebensmittelerzeugung so viel Potenzial, die Welt nachhaltiger und friedfertiger zu gestalten, ist Burgdörfer-Bensel überzeugt. Eine Zukunft für die konventionelle Landwirtschaft sieht er indes nicht. Bekannt ist der „Hof am Weiher“ durch seinen Hauslieferservice. Rund 700 Artikel vom Apfel über Babycreme bis zur Zwiebel liefert das Unternehmen derzeit in einem Radius von 90 Kilometern an etwa 600 Kunden. Gut die Hälfte wird durchschnittlich einmal pro Woche bedient. Daher wurden die Touren der beiden Lastwagen auf vier pro Woche erhöht. Das Gros der Abnehmer kommt aus der Westpfalz, allerdings außerhalb des Landkreises Kusel. Vor vier Jahren kam der neue Betriebszweig Regionalverteilung Saar-Pfalz-Hunsrück hinzu. Damit sorgt die AG für Absatzmöglichkeiten weiterer Bio-Betriebe und somit für deren Zukunft. 60 Prozent der eigenen Erzeugung werde über den Großhandel vermarktet, schildert Burgdörfer-Bensel. Rund 30 Zulieferer beteiligen sich nach seinen Angaben an der Verteilung von Grundlebensmitteln an etwa 50 Naturkostläden jede Woche in einem Umkreis von 100 Kilometern. Einziger regelmäßiger Zulieferer aus dem Kreis Kusel ist der Biohof von Sonja Doll in Dennweiler-Frohnbach mit der Marke „Berglandweiderind“. Allerdings stecke die Regionalverteilung noch im Aufbau, sagt Burgdörfer-Bensel. „In diesem Bereich werden noch Verluste eingefahren.“ Neben Investitionen sei daher geplant, das Risiko künftig auf die Zulieferer zu verteilen. Konkret soll der Betriebszweig vermutlich in eine GmbH ausgegliedert werden. Damit würde der Erzeugerzusammenschluss auch in den Genuss von Landesgeldern zur Einstellung weiteren Personals kommen. Vorbehaltlich des Beschlusses der Hauptversammlung würde der „Hof am Weiher“ als einer der größeren Gesellschafter die Federführung übernehmen, kündigt der 55-Jährige an. Investiert werden soll in ein weiteres Kühlhaus, bessere Ausstattung und Fahrzeuge. „Etliches geht auch in Werbung und Aufklärungsarbeit“, sagt der Vorstandsvorsitzende. „Der Verbraucher versteht nicht immer, warum es im Winter keinen grünen Salat gibt“, verdeutlicht Sohn Lukas Bensel das Prinzip der Regionalität. „Oder, warum der Wirsing im Februar nicht mehr prall und dunkelgrün, sondern geputzt ist.“ Wer Regionalität wolle, müsse diese auch unterstützen, sagt der ausgebildete Agrar-Betriebswirt. „Sonst sind wir nicht konkurrenzfähig.“ Der 26-jährige Lukas Bensel ist mittlerweile im Vorstand der AG und Leiter der Landwirtschaft; der Generationenwechsel ist im Gange. 1987 waren Kornelius Burgdörfer-Bensel und seine Frau Annette „mit nichts“ in Albessen gestartet. Inzwischen erreicht der Betrieb einen Umsatz von 1,3 Millionen Euro, gegenüber den vergangenen Jahren erneut eine Steigerung. Die Gründung der AG liegt knapp 15 Jahre zurück. 150 Aktionäre haben bislang gezeichnet, der Durchschnitt des Aktienkapitals liegt bei rund 3000 Euro. „Unser Ziel ist es, möglichst viele zu beteiligen, weil wir ja auch für viele produzieren“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Das Unternehmen beschäftigt 30 Personen in Voll- und Teilzeit sowie Minijobber. Gewachsen sei die Vermarktung, aber auch der Gemüsebau. „Wir erzeugen jährlich 40 Tonnen Feldgemüse wie Kohl, Zwiebeln, Pastinaken und Karotten sowie 40 Tonnen Kartoffeln – ohne Beregnung und Pflanzenschutz“, berichtet Burgdörfer-Bensel. Investiert werden soll auch in die Aufstockung der Rinderherde samt Stallerweiterung. Die Tiere sollen brachliegendes Grünland nutzen, der Mist kommt dem Ackerland wieder zugute. „Wir praktizieren den Kreislauf und die Vielfalt als Grundmodell der Natur“, betont Lukas Bensel. Technikfeindlich sind die Biobauern dabei keineswegs: „Von Hand hacken gehen wir nicht“, sagt der Junglandwirt augenzwinkernd. Dennoch ist die AG mit hohem Idealismus unterwegs. Burgdörfer-Bensel: „Wir hoffen, dass unsere Idee weiter zündet.“ Ohne die Aktionäre und das Kapital der Endverbraucher wäre all das nicht möglich gewesen, fügt Lukas Bensel hinzu. „Sie geben uns das Gefühl, nicht alleine auf dem Weg in die Zukunft zu sein“, sagt der 26-Jährige. (suca)

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