Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Johanniter fliegen ab 2. September keinen Rettungshubschrauber mehr

Gelbe ADAC-Hubschrauber werden in den kommenden Monaten öfter auf dem Klinikum in Kaiserslautern landen: Der ADAC soll für ein J
Gelbe ADAC-Hubschrauber werden in den kommenden Monaten öfter auf dem Klinikum in Kaiserslautern landen: Der ADAC soll für ein Jahr die Rettungsflüge in der Westpfalz übernehmen.

Die Johanniter stellen bereits am Montag, 2. September, den Betrieb des Rettungshubschraubers für die Westpfalz ein. Diese Information hat Landrat Otto Rubly als Aufsichtsratsvorsitzender des Westpfalz-Klinikums am Dienstag erhalten. Zusammen mit dem Kaiserslauterer Landrat Ralf Leßmeister werde er sich dafür einsetzen, dass es keine Unterbrechung des Betriebs gibt.

Noch am Freitag der vergangenen Woche hatte das Ministerium des Innern und für Sport mitgeteilt, dass der Zuschlag im Vergabeverfahren nicht vor dem 2. September erteilt werde. Erst sechs bis acht Wochen nach dem Zuschlag werde der neue Anbieter seinen Dienst aufnehmen. Gleichzeitig hatte es geheißen, dass die ADAC Luftrettung das „annehmbarste Angebot“ abgegeben habe, was darauf schließen ließ, dass diese auch den Zuschlag erhält.

Otto Rubly sagte gestern im Gespräch mit der RHEINPFALZ, die Johanniter hätten mitgeteilt, dass sie gegen die Entscheidung des Ministeriums nicht rechtlich vorgehen, weil sie sich wenig Chancen ausrechneten. Deswegen würden sie auch bereits am 2. September ihre Zelte in Sembach abbrechen, wo der Helikopter bisher stationiert war.

Auf die Frage, wie der Landkreis Kusel dazu stehe, dass für eine Stationierung des Hubschraubers der Segelflugplatz in Eßweiler im Gespräch sei, sagte Landrat Rubly: „Der Standort ist uns egal, es ist nur wichtig, dass der Rettungshubschrauber in der Westpfalz bleibt.“ Die ADAC Luftrettung hatte im Vorfeld in Eßweiler wegen einer Stationierung angefragt, der Gemeinderat hatte dem einmütig zugestimmt.

Auch das Westpfalz-Klinikum hatte auf Anfrage betont, es sei nur wichtig, dass der Ort der Stationierung im Rettungsdienstbezirk Kaiserslautern sei, und gleichzeitig darauf hingewiesen, dass es in Sembach bislang stets reibungslos funktioniert habe.

Madler: Keine Ideallösung

„Die ADAC-Luftrettung ist nicht die Ideallösung für den Transport von Intensivpatienten in der Westpfalz“, erklärt hingegen Christian Madler, bis 2017 Chefarzt am Westpfalz-Klinikum, auf Anfrage. Madler kämpfte als Leiter der Klinik für Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin am Klinikum seit 1994 für einen Rettungshubschrauber in der Region.

Dass sich die Diskussion so lange hinzieht und jetzt der ADAC den einjährigen Probebetrieb übernehmen soll, hält Madler für „hanebüchen“. Politisch sei die Luftrettung offenbar immer noch nicht gewollt, obwohl sie gerade dazu beitragen könnte, die Versorgung im ländlichen Raum zu verbessern. Der große Nachteil des ADAC-Hubschraubers sei: „Der würde nicht nachts in die Luft gehen.“

Bislang hebe kein einziger Rettungshubschrauber in Rheinland-Pfalz nachts ab. „Aber Disco-Unfälle passieren nun einmal um 1.30 Uhr in der Nacht und nicht am Tag.“ Außerdem seien die Maschinen des ADAC zu klein. Wichtig sei, dass der Hubschrauber für intensivmedizinische Einsätze ausgerüstet werde und beispielsweise eine Herz-Lungen-Maschine mit an Bord nehmen kann. Außerdem müssten neben einem zweiten Piloten, der nachts vorgeschrieben sei, drei weitere Begleiter mitfliegen können, ein Arzt, ein Rettungssanitäter und ein Spezialist.

Madler hatte in der Vergangenheit immer wieder klar gemacht, dass ein Rettungshubschrauber für die Westpfalz keineswegs am Westpfalz-Klinikum stationiert werden solle, schon gar nicht wegen des Fluglärms in der Nacht. Sembach sei kein schlechter Standort. Er würde das Industriegebiet Nord favorisieren. „Von dort aus ist der Heli schnell in Kusel und im Donnersbergkreis.“

Der Notfallmediziner stellte klar, dass es in der Diskussion vor allem um die medizinische Versorgung gehen sollte. „Nicht nur um das Geld.“ Idealerweise müsse die Luftrettung im Umkreis von 60 Kilometern innerhalb von 15 Minuten am Ziel sein. Madler weiß, von was er redet. Er hat die Luftrettung am Klinikum Großhadern in Gang gesetzt, bevor er 1994 nach Kaiserslautern kam. Im Fokus müsse immer die bestmögliche medizinische Versorgung stehen, beispielsweise, wenn jemand ein Schädel-Hirntrauma erleide, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall. Und da sei man mit dem Rettungshubschrauber aus Wolfstein im Zweifelsfall schneller am Ziel als mit dem Krankenwagen.

Patientenströme lenken

Laut Madler lassen sich mit einem Hubschrauber auch Patientenströme lenken. Als Beispiel nennt er einen schweren Verkehrsunfall zwischen den Anschlussstellen Kaiserslautern West und Ost auf der Autobahn. „Je nach Schwere der Verletzungen kann man mit dem Hubschrauber auch Menschen nach Saarbrücken oder Ludwigshafen navigieren, wenn das Westpfalz-Klinikum überlastet wäre.“ Die Herausforderung sei immer, die schweren Fälle in das Krankenhaus zu bringen, das für eine optimale Versorgung stehe. Das funktioniere mit einem Rettungshubschrauber. Wobei ganz klar auch das Westpfalz-Klinikum profitieren würde. „Wenn der Hubschrauber in der Nähe steht, bringt das dem Klinikum Minimum eine Million Euro im Jahr“, ist Madler überzeugt.

Dass der Rettungshubschrauber für die Westpfalz 24 Stunden im Einsatz sein sollte, ist für den 67-Jährigen das A und O. Dazu würde es aber einen Hangar mit Betankungsanlage und Ruheräume benötigen. „Nachts fliegen heißt für mich wie am Tag: anziehen, einsteigen, losfliegen.“ Nur wenn das gewährleistet sei, bringe ein Hubschrauber den Zeitvorteil, der in der Notfallversorgung an erster Stelle stehe.

Christian Madler kämpfte seit 1994 für einen Rettungshubschrauber. ArchivFoto: VIEW
Christian Madler kämpfte seit 1994 für einen Rettungshubschrauber. Archiv
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