Kusel Infrastrukturell gut aufgestellt

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Suchen muss man nicht, um Spuren des über 300 Jahre währenden jüdischen Lebens in Steinbach zu finden: die ehemalige Synagoge von 1725 in der Hauptstraße, das Geburtshaus des 1845 geborenen Isidor Triefus, die frühere Mikwe (Tauchbad), der Gedenkstein für die jüdische Gemeinde am ehemaligen Kaufhaus Oppenheimer und der alte jüdische Friedhof. Einer, der viel darüber weiß, ist Josef Wintringer. Der Vorsitzende des Heimatvereins hat vor 15 Jahren das Jüdische Museum mit initiiert und hält regen Kontakt zu Nachfahren von Exil-Steinbachern. Wer in das Dorf im Henschbachtal kommt, erfährt viel über die Geschichte der Diamantschleifer. „Hier war mal eine Schleiferei drin“, zeigt der 77-jährige Wintringer, selbst einst Diamantschleifer und Bergmann, auf den Friseursalon im Ort. Wie so oft bei schönem Wetter haben es sich mehrere Frauen auf der Sitzbank davor zum Nachmittagsplausch bequem gemacht. Von hier aus geht’s ins „Eck“ zum Triefus-Haus von 1837. Der Begründer der westpfälzischen Diamantschleiferei legte mit diesem Industriezweig einen Grundstein für den wirtschaftlichen Aufschwung der Region. Nächste Station des Dorfspaziergangs ist der Glockenturm von 1788, das Wahrzeichen im Ort. Der gleiche Turm, nur ein Stockwerk niedriger, steht in Börsborn. Weiterer Unterschied: Der Steinbacher Bau, eine Stiftung der Adelsfamilie von der Leyen, trägt eine historische Glocke von Otto von Speyer. Um 1370 gegossen, gilt sie als eine der ältesten im Land. Das „Frei(heits)bäumchen“ von 1848 macht das Ensemble perfekt. „Früher gab es hier noch viele Gastwirtschaften“, erzählt Helma Fichtl und zeigt auf das Haus „Deckersch“. Weiterer Blickfang ist am Anfang der Börsborner Straße ein charakteristisches Quereinhaus. Hier, in der Dorfmitte, beginnt aber auch das, was Ortsbürgermeister Jörg Fehrentz „unseren Knackpunkt“ nennt: die Frutzweilerstraße, die seit 2007 für Diskussionen sorgt. „Der Ausbau steht in den Sternen“, sagt Fehrentz. Die Kosten beziffert er auf rund 550.000 Euro. Siebenmal seien Zuschussanträge schon abgelehnt worden. „Das wird uns weiter beschäftigen“, weiß auch der Beigeordneter Bernd Hofstadt. Die Schweinezucht der Familie Harth ist der einzig verbliebene landwirtschaftliche Vollerwerbsbetrieb im Ort. „Wir haben mehr Schweine als Bewohner im Dorf“, schildert Fichtl. Gegenüber befinden sich das erste Schulhaus von 1825 und das evangelische Gemeindehaus. Die katholische Kirche St. Josef, 1936 vom Maschinenhaus der Steinkohlengrube umgebaut, ist dagegen wegen Sanierungsbedarf geschlossen. „Weißt Du noch, wie wir in der Kirche früher die Fledermäuse gefangen haben?“, tippt Wintringer einen alten Schulkameraden an. Einige Schritte weiter steht ein 90-Jähriger lächelnd in der Haustür. Hermann Eberles Vater Walter war Postillon und fuhr bis 1934 die letzte Postkutsche in der Pfalz. Ein Hahn kräht. Durch das Unterdorf geht’s zum Neubaugebiet. Alle 48 Plätze wurden verkauft. Seit rund zehn Jahren stehen die ersten Häuser, viele von US-Amerikanern bewohnt. Auf mehr als 200 schätzt Fehrentz die US-Bevölkerung im Dorf, viele mit Kindern. „Es wäre eine Bereicherung, wenn sie unsere Kita besuchen könnten“, findet er. Insgesamt sieht er seine Heimatgemeinde mit der B 423, zwei Lebensmittelläden, Metzgerei, Gasthaus und kleineren Handwerksbetrieben sowie dem Ausflugsziel am Haselrech gut aufgestellt. „Bei uns kann man Sonntagsmorgens auch frische Weck kaufen“, lobt er die Infrastruktur. Negativ sei, dass „beide Banken uns verlassen haben“. Nicht verlassen haben die Straußbuben ihr Dorf. Nach drei Jahren Pause wurde im Sommer wieder Kerwe gefeiert, erzählt Tobias Schneider, der auch Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr ist. Apropos Feiern: Am Wochenende steht das Dorffest an. Fehrentz liegt daran, Dorfleben und Vereinskultur lebendig zu halten. Der frühere Eisenbahn-Landschaftsclub agiert jetzt als „Event- und Landart-Club“, berichtet Thomas Schröer. Auch ein deutscher Doggenclub trifft sich regelmäßig im Ort. Einige Vereine hätten Mitgliedersorgen, schildert Fehrentz und ergänzt: „Wir wollen nicht zur reinen Wohngemeinde werden.“ Die Voraussetzungen klingen gut: „Wir haben die wenigsten Schulden in der Verbandgemeinde“, sagt Fehrentz. In einen der insgesamt vier Friedhöfe im Ort wurde bereits investiert, weiteres Geld soll in die Kita und den Bau eines Feuerwehrhauses fließen. Doch auch Privatleute investieren hier allerhand: Thomas Herrmann renovierte das Ensemble um die ehemalige Bäckerei an der Hauptstraße aufwendig. Und Oliver Sommer richtet sein Anwesen komplett barrierefrei ein. Leerstände gibt es dennoch; auch das „Exotika“, früher mal eine der größten Discos in der Westpfalz, wie die Steinbacher erzählen. Damals sei das ganze Dorf mit den Autos der Besucher zugeparkt gewesen. Info 95 Dörfer und drei Städtchen liegen im Landkreis. Von A wie Adenbach bis W wie Wolfstein machen wir uns auf, sie zu erkunden, uns ihre Besonderheiten zeigen zu lassen, Geschichte und Geschichtchen zu erfahren. Jeden zweiten Donnerstag erzählen wir aus einem anderen Ort.

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