Kusel In der Kirche wird auch gefeiert

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Dorfspaziergang: Obwohl in Wiesweiler nur rund 400 Einwohner leben, braucht sich die Ortsgemeinde im Glantal nicht zu verstecken: Es gibt kaum Leerstände, eine Gastwirtschaft und sogar preisgekrönte Kühe. Einzig der demografische Wandel und die finanzielle Situation bereiten Sorge.

Mit dem Auto dauert es kaum zwei Minuten, um Wiesweiler zu passieren. „Um den Ort zu Fuß zu erkunden, braucht etwas länger“, sagt Ortsbürgermeister Ingfried Klahr lachend. Immerhin erstrecken sich die beiden Ortsteile Wiesweiler und Berschweiler auf rund 300 Hektar Fläche. „Lasst den Schirm da, sonst gibt es Regen“, ermahnt Manfred Schneider die kleine Gruppe, die sich vor dem Bürgerhaus zum Dorfspaziergang eingefunden hat. „Wir können uns nicht beschweren. Der Zusammenhalt im Ort und den Vereinen ist gut“, schildert Heike Gilcher auf dem Weg durch die Hauptstraße. Dort befindet sich ein kleiner Kolonialladen. „Vor allem für die älteren Mitbürger ist das natürlich ein tolles Angebot“, sagt Hans Volles, zweiter Vorsitzender des Gesangvereins und gemischten Chors „Eintracht Wiesweiler“. In dem Geschäft werden unter anderem Backwaren sowie Fleisch und Wurst angeboten. Beide Ortsteile liegen nicht direkt am Glan, sondern sind in die umliegenden Hänge gebaut. Vorbei am alten Schulgebäude in der Hauptstraße – heute einer der beiden Leerstände im Ort–, in der bis 1967 noch Kinder unterrichtet wurden, geht es die schmale Bergstraße hinauf. „Hier wurde früher immer die Milch gesammelt, die dann nach Kusel in die Molkerei gebracht wurde“, erinnert sich Hans Schneider. Heute ist das Anwesen in Privatbesitz. Milch gibt es im Ort dennoch zur Genüge. Denn im Ortsteil Berschweiler ist der Milchviehbetrieb von Axel Schneider angesiedelt. Seine 75 Kühe sind sozusagen preisgekrönt. Die Milchwirtschaftliche Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz hat den Betrieb gerade kürzlich mit dem Erzeugerpreis für hervorragende Milchqualität ausgezeichnet. Im Ort gibt es zudem eine Schreinerei, eine Zimmerei, ein Kosmetik-Studio, die Gastwirtschaft „Glanstübchen“, einen Friseur sowie ein Geschäft für Anglerbedarf. „Dieses wird allerdings geschlossen“, sagt der Ortsbürgermeister. Er hofft, dass künftig in Sachen Internetverbindung noch einmal aufgerüstet wird. Denn: „Für den Privathaushalt reicht es, aber für Geschäftsleute wird es eng.“ Doch zurück in die Bergstraße. Dicht an dicht stehen die Häuser in der schmalen Straße. „Da sind wir früher immer Schlitten gefahren. Die älteren Mitbürger haben geschimpft“, sagt Hans Volles. Das ist heute anders: Mittlerweile haben in der Bergstraße im Winter nur die Autos freie Fahrt. „Einige rüstige Rentner räumen hier eifrig“, lobt Ortsbürgermeister Klahr die Eigeninitiative der Einwohner. Bei schönem Wetter hat man von der Bergstraße aus einen herrlichen Blick auf den Ortsteil Berschweiler und den Königsberg. „Wir sind ein Ort. Rivalitäten gibt es nicht“, so Klahr. Parallel zum Glan verläuft die Draisinenstrecke, touristisch ist Wiesweiler zudem an den Glan-Blies-Radweg und den Veldenz-Wanderweg angeschlossen. „Im Sommer hat der Bischoff- Club Wiesweiler sein Vereinsheim an der Draisinenstrecke geöffnet“, sagt Klahr, der seit 21 Jahren im Amt ist. Der BCV ist einer von neun Vereinen im Ort. Doch einigen davon mangelt es an Nachwuchs. „Der Gesangverein ist noch aktiv, der Sportverein hat den Fußballbetrieb mittlerweile eingestellt und leider fehlt es auch der Freiwilligen Feuerwehr an Nachwuchs“, schildert der Ortschef. Generell würden dem Ort einige Kinder mehr gut tun, um dem demografischen Wandel entgegenzusteuern – vor 50 Jahren hatte Wiesweiler immerhin noch 600 Einwohner, heute sind es nur 400. „Kinder kann es nie genug geben“, sagt Klahr lachend, während die Gruppe den Glan überquert. Die Brücke wurde 1996 für 6,7 Millionen Mark saniert. „Auch heute ist die finanzielle Situation nicht gerade rosig für uns“, ergänzt Klahr wenig später. Die Einnahmen der Gemeinde reichen kaum aus, um die Pflichtaufgaben zu erfüllen. Hinter der Brücke befindet sich die alte Mühle aus dem Jahr 1880. „Sie wurde 1959 stillgelegt“, schildert Peter Eyben, der dort gemeinsam mit seiner Frau lebt, zudem Jagdpächter der Gemeinde ist. Zeit für eine kurze Rast. Heike Gilcher lädt die Gruppe auf einen Schnaps ein. „Der wärmt auf“, sagt sie. Nächstes Ziel ist die Kirche, die auch für kleine Feste immer wieder genutzt wird. „Seit drei Jahren findet hier jeden Freitag ab 18 Uhr ein offener Treff statt. Immer abwechselnd übernehmen die Vereine die Bewirtung“, schildern Gilcher und Klahr. Das Angebot wird gut angenommen. Zwischen 60 und 100 Leuten sind regelmäßig zu Gast. Außerdem werden im Ort jedes Jahr Kerwe und das Fischerfest gefeiert. „Es sollen ja auch nicht zu viele Feste sein“, sagt Klahr augenzwinkernd. Ein weiterer Treffpunkt im Ort ist der Kinderspielplatz. Dieser wird allerdings nicht nur von den Kleinen genutzt. Seit geraumer Zeit treffen sich dort auch die „Älteren“ zum Boulespielen, schildert Hans Volles und ergänzt: „Wir könnten aber noch einige Mitspieler gebrauchen.“ Nach rund 90 Minuten erreicht die Gruppe wieder das Bürgerhaus. „Jetzt haben Sie auch mal Wiesweiler gesehen“, sagt Heike Gilcher lachend – ein Ort, der obwohl er klein ist einiges zu bieten hat. Info 95 Dörfer und drei Städtchen liegen im Landkreis. Von A wie Adenbach bis W wie Wolfstein machen wir uns auf, die zu erkunden, ihre Besonderheiten und Geschichten zu erfahren. Jeden zweiten Donnerstag erzählen wir aus einem anderen Ort.

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