Kusel „Ich bin in Europa geboren“

Hat die Kuh-Herde bei Dennweiler-Frohnbach im Griff: Paul Bunjes ist gelernter Landwirt und tritt für die Grünen als Direktkandi
Hat die Kuh-Herde bei Dennweiler-Frohnbach im Griff: Paul Bunjes ist gelernter Landwirt und tritt für die Grünen als Direktkandidat im Wahlkreis 209 an. Falls es nicht klappt, gibt’s einen Plan B.

Die Pferde toben offensichtlich gut gelaunt über die grüne Wiese, wälzen sich und schnauben zufrieden. Im Freisitz am Kuhstall, direkt neben der Koppel, sitzt Paul Bunjes in seinem natürlichen Lebensraum: dem Bauernhof von Sonja Doll in Dennweiler-Frohnbach im Kreis Kusel. Bunjes ist Direktkandidat der Grünen im Wahlkreis 209.

Grüner geht’s nicht. Egal, wohin der Besucher des Hofs blickt: Natur. Wiesen. Wälder. Koppeln. Da fühlt man sich schnell wohl, gerade, wenn man den Klimaschutz wichtig findet. So wie Bunjes, der sich das Thema als Schwerpunkt ausgesucht hat: „Houston ist ein aktuelles Beispiel für den Klimawandel, aber bei uns sind die Folgen ebenfalls zu sehen“, schildert der 22-Jährige. Er prognostiziert, dass die extremen Wetterereignisse in den kommenden Jahren zunehmen. Für ihn sind die Grünen „die einzigen, die sich konsequent mit der Klimakrise auseinandersetzen“. Er sei ein großer Freund des Pfälzerwaldes und der Landschaft in der Westpfalz. Bunjes: „Das müssen wir für kommende Generationen erhalten.“ Doch nicht nur die Natur treibt „das Stadtkind, das zwischen Stadt und Land hin- und hergerissen ist“, um. Er sagt von sich selbst: „Ich bin in Europa geboren.“ Die vielen Vorzüge des geeinten Kontinents gelte es unbedingt zu erhalten. „Das Reisen von Land zu Land ohne Grenzen, die gemeinsame Währung oder das kostengünstige Telefonieren aus dem europäischen Ausland, das sind alles Dinge, die ich mir nicht nehmen lassen will.“ Während einige Parteien genau dies forderten, sagt der 22-Jährige. Ihm sei eine offene Gesellschaft sehr wichtig, er selbst habe Diskriminierung in Schul- und Ausbildungszeit kaum erlebt. „Bis jetzt, wo in Deutschland eine Strömung an Fahrt gewonnen hat, die Ausgrenzung und Diffamierung fördert“ – so umschreibt Bunjes die Partei „Alternative für Deutschland“. Dritter wichtiger Punkt für den Landwirt ist die „Soziale Gerechtigkeit“. „Dass das ein rot-rot-besetztes Thema ist, ist für mich kein Grund, mich nicht ebenfalls dafür einzubringen“, sagt Bunjes selbstbewusst. Plötzlich plätschert es am Wohnhaus des Biohofs – das an den Traktor angehängte Wasserfass ist voll, läuft über. Bunjes dreht den Wasserhahn zu und erklärt: „Die Kühe haben Durst, nach dem Gespräch fahre ich das Wasser zur Weide.“ Zurück zum Thema. „Soziale Gerechtigkeit“ sei nicht nur ein innenpolitisches Thema, als Verbraucher müsse man viel stärker darauf achten, unter welchen Bedingungen bestimmte Güter produziert würden. Die Rente beschäftigt Bunjes ebenfalls: „Gerade die jungen Menschen wollen jetzt Antworten, wie es mit der Rente nach 2030 weitergeht.“ Für ihn sei das eines der drängendsten Themen. Seine Chancen, das Direktmandat im Wahlkreis 209 zu erhalten, sieht Bunjes realistisch. Auf der Grünen-Landesliste ist er auf Platz zehn zu finden: „Aber ich finde es wichtig, dass eine Partei einen Kandidaten hat und ihre Positionen darstellen kann.“ Bunjes hat sich bereits für ein Studium „Ökologische Landwirtschaft“ an der Universität Kassel eingeschrieben. „Das ist mein Plan B“, sagt er lachend, „wenn’s mit Berlin nichts wird.“ In den verbleibenden Tagen bis zur Wahl will der 22-Jährige kämpfen: Infostände, Haustürbesuche und Diskussionsrunden halten den Landwirt derzeit zusätzlich auf Trab. Wie die Tiere in Dennweiler-Frohnbach ...

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