Kusel „Hoher Standard“ der Versorgung

91-80482812.jpg

Kusel. Seit Januar hat die Bereitschaftsdienstzentrale (BDZ) am Westpfalz-Klinikum Kusel ihre Öffnungszeiten erweitert. Seither ist der dortige Notdienst täglich erreichbar. Die Patientenzahlen haben sich nach ersten Schätzungen leicht erhöht.

Rund 70 niedergelassene Ärzte sowie etwa 20 Arzthelferinnen sind nach Angaben von Michael Kurtz im Bereitschaftsdienst im Einsatz. Die Zentrale decke einen Bezirk von 55.000 Einwohnern ab, schildert der Leiter der Bereitschaftsdienstzentrale und Vorsitzende der Ärztlichen Kreisvereinigung im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Zwar sei das erste Quartal noch nicht ausgewertet, dennoch schätzt Kurtz, dass es in den ersten Wochen des Jahres vergleichsweise „ein bisschen mehr“ Patienten waren, die den Bereitschaftsdienst aufsuchten. Grund für den leichten Zuwachs – bisher seien es rund 1200 Patienten pro Quartal gewesen – seien auch die Flüchtlinge auf dem Windhof. „Die kommen übrigens mit den gleichen Krankheiten wie einheimische Patienten“, lautet seine Erfahrung. Grippe, orthopädische Probleme, Kreuzschmerzen und kleinere Unfälle seien es in rund 90 Prozent der Fälle, berichtet Kurtz. Die restlichen zehn Prozent der Patienten litten unter ernsthaften Beschwerden, „da ist es ideal, dass wir direkt im Krankenhaus sind“, betont der Gynäkologe. Die Bereitschaftsdienstzentrale im Foyer des Westpfalz-Klinikums war im Sommer 2012 gestartet, damals noch mit Öffnungszeiten von Freitag bis Montag sowie Mittwoch bis Donnerstag und an Feiertagen. Zuvor war der ärztliche Bereitschaftsdienst von niedergelassenen Ärzten organisiert worden. Seit 2012 ist die Kassenärztliche Vereinigung Träger des Bereitschaftsdienstes. Diese strebt derzeit an, alle Bereitschaftsdienstzentralen im Land ab dem 1. Juli dieses Jahres auf ganzwöchigen Betrieb umzustellen. Kusel sei eine der ersten Zentralen gewesen, die Patienten nun täglich außerhalb der Praxisöffnungszeiten aufsuchen können. Dass Kusel vergleichsweise früh zum Zuge kam, ist auch dem Einsatz von Michael Kurtz zu verdanken. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung kommen die erweiterten Öffnungszeiten nicht allein den Patienten zugute. „Für die Ärzte werden sich die Dienstfrequenzen weiter reduzieren. Familie und Beruf können so besser vereinbart werden“, argumentiert die Vereinigung. Dies sei ein wichtiger Gesichtspunkt, um die Attraktivität des Arztberufs vor allem in ländlichen Regionen zu steigern. Die Dienste zahlen die Ärzte übrigens aus eigener Tasche. 275 Euro im Monat sind fällig, berichtet Kurtz. Miete, Lohn für Ärzte und Helferinnen sowie das Dienstauto werden daraus finanziert. Mit dem Dienstauto könnten Patienten zu Hause besucht werden. Kurtz ist sich darüber klar, dass der Bereitschaftsdienst am Kuseler Klinikum für den ein oder anderen Patienten auch Nachteile bringen kann: „Klar, einige wohnen weiter weg“, sagt er und ergänzt: „Wir können aber nicht neben jeden Einwohner einen Arzt stellen.“ Dafür sei die mögliche Weiterversorgung direkt in der Klinik ein entscheidender Vorteil. Der Leiter der Bereitschaftsdienstzentrale sieht die Bevölkerung „auf hohem Standard“ versorgt. In zwei voll ausgestatteten Behandlungsräumen könnten die Kollegen standardisiert arbeiten. „Wir arbeiten hier wie in einer Hausarztpraxis“, illustriert er. Den Arzthelferinnen bescheinigt Kurtz hohe Fachkompetenz. Und: „Wenn die Arzthelferinnen freundlich sind, ist der Patient schon halb gesund.“ Organisiert werden die ärztlichen Einsätze mit einem Dienstplan-Programm. „Darin werden Termin-Wünsche berücksichtigt“, schildert Kurtz. Das funktioniere gut. Bereitschaftsdienste gehörten zwar seit jeher zum Arztberuf, dennoch wollten einige Kollegen weniger, einige dagegen mehr Dienste übernehmen. Die Umstellung auf den täglichen Betrieb ist laut Kurtz bisher gut verlaufen. Veränderungen seien derzeit nicht geplant. „Für solche Überlegungen ist es noch zu früh.“ Erst in ein, zwei Jahren erwartet er eine Evaluation des Betriebes mit genaueren Patientenzahlen. (suca) Info —Öffnungszeiten der Bereitschaftsdienstzentrale am Westpfalz-Klinikum Kusel: —Montag, 19 bis Dienstag, 7 Uhr —Dienstag, 19 bis Mittwoch, 7 Uhr —Mittwoch, 14 bis Donnerstag, 7 Uhr —Donnerstag, 19 bis Freitag, 7 Uhr —Freitag, 16 bis Montag, 7 Uhr —feiertags vom Vorabend des Feiertages, 18 Uhr, bis zum Folgetag, 7 Uhr. —Telefon 116117. (suca)

x