Kusel
Herzogin Luise, die Stammmutter der Windsors
Luise wurde als einzige Tochter von Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg und Luise Charlotte zu Mecklenburg am 21. Dezember 1800 auf Schloss Friedenstein in Gotha geboren. Mit 16 Jahren wurde sie mit dem wesentlich älteren Ernst I. (1784-1844) verheiratet.
Aus der arrangierten Ehe gingen die Söhne Ernst und Albert hervor. Prinz Albert (1819-1861), dessen 200. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird, besuchte 1836 zusammen mit seinem Bruder und Vater Ernst 1836 London. Auf Vermittlung von Victorias (1819-1901) Großmutter Auguste Caroline Sophie kam es zur Verlobung der britischen Königin mit ihrem Cousin Albert. Die Hochzeit erfolgte im Februar 1840. Daher gilt Luise als die Stammmutter der Windsors.
Nach Ehestreit verbannt
Glücklich war Herzogin Luise in ihrer Ehe wohl nicht: „Der Herzog, ein echter Coburger von kühlem Verstand und ausgesprochenem Erwerbssinn, beschäftigte sich offenbar mehr als für sein junges Eheglück gut war mit seinen Gothaer Erbansprüchen“, schreibt Max Müller in einem Sonderdruck der Westricher Heimatblätter. Luise ging eine Verbindung mit dem Freiherrn Maximilian von Hanstein ein. Auch klagte sie auf Rückzahlung ihres Vermögens, das sie in die Ehe eingebracht hatte.
Wegen dieser Konflikte wurde sie 1824 nach St. Wendel verbannt, die Ehe wurde 1826 geschieden. Mit den Menschen im Herzogtum Lichtenberg pflegte die sozial engagierte Luise pflegte weiterhin Kontakt. In der Bevölkerung des Fürstentums war sie sehr beliebt. In St. Wendel erinnern eine Luisenstraße und eine Bronzeplastik am Rathaus an den Aufenthalt der Herzogin.
Heimlich nach Pfeffelbach
Nach ihrem frühen Tod am 31. August 1831 in Paris, wo sie sich Heilung versprochen hatte, wurde sie einbalsamiert und zunächst in St. Wendel von den Beamten des Herzogs in Gewahrsam genommen. Um ihr Begräbnis kam es zum Streit. Eigentlich sollte sie in der Nähe des Freiherrn von Hanstein beigesetzt werden. Das Haus Sachsen-Coburg widersetzte sich jedoch.
Während der Auseinandersetzung wurde der Leichnam der Herzogin sogar gestohlen: Bürger aus Pfeffelbach stahlen die Leiche „ihrer“ Herzogin und brachten sie über Umwege zum Pfeffelbacher Pfarrer Hepp, einem Vertrauten der Herzogin. Hepp ließ Luise in einer Gruft seiner Kirche beisetzen. Die Gruft ist nicht mehr vorhanden. Sie befand sich unter dem heutigen Altar. Zwei kleine Tafeln in der Kirche erinnern an Luise.
Zeitzeuge: Unansehnliche Kirche
Vom 19. Dezember 1832 bis zum 11. Juni 1846 befand sich Luises Leichnam in der Pfeffelbacher Kirche. Anschließend wurde Luise in die Gruft in der Coburger Moritzkirche überführt, und 1860 fand sie im Herzoglichen Mausoleum auf dem Coburger Friedhof die letzte Ruhestätte.
Ein Briefwechsel aus dem Jahr 1845 zwischen dem St. Wendeler Justizrat Georg Knauer und dem Coburger Oberfinanzrat Schnür gibt Auskunft über die Verhandlungen zu Luises Überführung. Darin beschreibt Knauer die Ruhestätte der Mutter des englischen Prinzgemahls: „Dieses Pfeffelbach liegt im Kanton Baumholder, vier Stunden von hier entfernt. Der Ort ist von einer frequentierten Straße ziemlich abgelegen. Ein sehr geringer Verkehr herrscht daselbst. Dieses Pfarrdorf liegt in einem kleinen Nebentale des Glan-Stromes und hat etliche hübsche Häuser. Die Kirche ist sehr klein und unansehnlich daselbst.“